Kinder in Island

Die Verwirklichung der Kinderrechte in Island

Dank der geringen Bevölkerungszahl und der hohen Wirtschaftskraft Islands haben Kinder breiten Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, die einen angemessenen Lebensstandard gewährleisten. Die guten Bildungs-, Gesundheits- und Sozialschutzsysteme festigen diese Rahmenbedingungen. Das Land hat alle bedeutenden internationalen Rechtsrahmen zum Schutz der Kinderrechte unterzeichnet. Dennoch sind in einigen Bereichen noch Fortschritte erforderlich, um diese Rechte vollständig zu wahren.

Bevölkerung: 389.444 Tausend
Lebenserwartung: 82,7 Jahre

Bevölkerung im Alter von 0 bis 14 Jahren: 17,76 %
Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren: 1,9 ‰

Island auf einen Blick

Die Republik Island (Lýdhveldidh Ísland) ist eine kleine Insel im Nordatlantik zwischen Grönland und Norwegen. Da es sich um einen Inselstaat handelt, besitzt Island keine gemeinsamen Landgrenzen mit anderen Ländern. Stattdessen ist sie von großen Gewässern eingerahmt, welche ihre geografische Lage prägen. Im Norden liegt die Grönlandsee, im Osten und Nordosten die Norwegische See. Im Nordwesten trennt die Dänemarkstraße Island von Grönland und im Südwesten liegt die Irminger See (Karlsson et al., 2025).

Island liegt nördlich von Irland, östlich von Grönland, westlich von Norwegen und nordwestlich des Vereinigten Königreichs. Obwohl Island als nordisches Land gilt und geografisch abgelegen ist, wird es als Teil Europas betrachtet. Reykjavík, die Hauptstadt und größte Stadt der Insel, liegt auf der Halbinsel Seltjarnar im Südwesten des Landes. Weitere bevölkerungsreiche Orten in Island sind Akureyri an der Nordküste, Hafnarfjördhur an der Südwestküste und Selfoss in den südlichen Flachlandgebieten (Karlsson et al., 2025).

Island ist bekannt für seine dramatische Landschaft mit Vulkanen, Gletschern, geothermischen Feldern und zerklüfteten Küsten, die alle durch seine Lage auf dem Mittelatlantischen Rücken geprägt sind. Die Küstenlinie Islands ist etwa 4.800 km lang. Circa ein Zehntel der Insel ist von Gletschereis und abgekühlter Lava bedeckt. In Island gibt es ungefähr 200 Vulkane, die seit 1970 häufig aktiv sind (Karlsson et al., 2025).

Status der Kinderrechte in Island [1]

Island hat sich zu mehreren internationalen Instrumenten zum Schutz der Kinderrechte verpflichtet. 1992 ratifizierte die Regierung die Konvention über die Rechte des Kindes. Island ist außerdem Mitglied des Übereinkommens zur Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, das 1985 ratifiziert wurde, des internationales Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung, das 1967 ratifiziert wurde, und des internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (sog. Zivilpakt), der 1979 ratifiziert wurde.

2001 ratifizierte die Regierung das Zusatzprotokoll zur Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten und das Zusatzprotokoll zu Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornographie. Im Jahr 2000 ratifizierte die Regierung außerdem die Konvention 182 über die schlimmsten Formen von Kinderarbeit, das von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) vorgelegt wurde.

Umgang mit den Bedürfnissen von Kindern

Recht auf Bildung

In Island ist das Recht auf Bildung durch Artikel 76 der Verfassung geschützt, und das Bildungswesen wird vom Ministerium für Bildung und Kinder (Mennta- og Barnamálaráðuneytið) beaufsichtigt. Seine Hauptaufgabe besteht darin, das nationale Bildungswesen, die Bildungspolitik, die Lehrplanstandards und die Lehrerausbildung zu betreuen.

Obwohl das Bildungsministerium die Hauptverantwortung trägt, ist jede Gemeinde dafür zuständig, dass die Bildung für alle Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren kostenlos und zugänglich bleibt. Island gehört zu den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit den höchsten Bildungsausgaben in Europa und hat eine der weltweit höchsten Alphabetisierungsraten (European Commission, 2025).

Die Struktur der Schulbildung in Island besteht aus:

  • Vorschule (leikskóli) – Dies ist die erste Bildungsstufe für Kinder im Alter von 1 bis 6 Jahren. Obwohl sie nicht verpflichtend ist, besuchen ca. 95 % der Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren diese Bildungsstufe. Der Großteil des Lehrplans besteht aus spielbasiertem Lernen, das die ganzheitliche Entwicklung, Kreativität und Gleichberechtigung fördert.
  • Pflichtschule (grunnskóli) – Dies umfasst die Grundschule und die Sekundarstufe I und ist für alle Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren verpflichtend und kostenlos.
  • Oberstufe (framhaldsskóli) – Dies ist für Kinder im Alter von 16 bis 20 Jahren und führt zur Hochschulreifeprüfung (stúdentspróf) oder zu beruflichen Qualifikationen (European Commission, 2025).

Recht auf Gesundheit

In Island ist das Gesundheitsministerium (Heilbrigðisráðuneytið) die Hauptbehörde für die Gesundheit von Kindern. Kinder in Island profitieren von einer öffentlich finanzierten Gesundheitsversorgung und organisierten Gesundheitsdiensten in Schulen. Dazu gehören kostenlose Untersuchungen von der Geburt bis zum Alter von 18 Jahren, Zugang zu Allgemeinmedizin, Facharztversorgung, Impfungen, psychologischen Diensten und Zahnbehandlungen (European Commission, 2023).

Ab 2023 übernimmt die Krankenversicherung 69 % der allgemeinen Zahnarztkosten, dabei können Kinder unter 18 Jahren für 2.500 isländische Kronen ISK (16,53 €) eine vollständige Zahnuntersuchung bekommen. Über die Anmeldung bei einem Hauszahnarzt können Kinder einen Zahnarzt bekommen (European Commission, 2023). 

Recht auf sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen

Island verfügt über reichlich frisches Trinkwasser und ist eines den Ländern mit den reichsten Wasserressourcen, in dem jede*r Zugang zu sicherem und erschwinglichem Trinkwasser hat. Landesweit wird die Wasserqualität regelmäßig überwacht, und für Wasserreservoirs gelten strenge Regelungen. Dennoch muss laut den Vereinten Nationen die Abwasserentsorgung in vielen Teilen des Landes verbessert werden (Government of Iceland Prime Minister’s Office, 2023).

Island stellt sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen in den Mittelpunkt seiner internationalen Entwicklungspolitik und unterstützt Projekte zur Erweiterung des Zugangs zu sauberem Trinkwasser und zur Verbesserung der sanitären Einrichtungen in seinen Partnerländern Malawi, Uganda und Sierra Leone. Darüber hinaus fördert Island Maßnahmen, die Mädchen im Jugendalter beim Umgang mit ihrer Menstruation helfen, insbesondere durch Zugang zu Hygieneartikeln und Aufklärung (Government of Iceland Prime Minister’s Office, 2023).

Recht auf Identität 

Wenn ein Kind in Island geboren wird, wird ihm gemäß Artikel 7 des Kindergesetzes eine nationale Identifikationsnummer (kennitala) zugewiesen und die Geburt von der Hebamme im Krankenhaus registriert. Alle Kinder müssen innerhalb von sechs Monaten nach der Geburt registriert und benannt werden. Die rechtliche Abstammung wird ebenfalls bei der Geburtsregistrierung eingetragen, und unverheiratete Mütter müssen innerhalb derselben Frist die Vaterschaft festlegen (Island, o. D.).

Die Namensgebungsbräuche Islands sind tief in der Kultur verwurzelt und gehen auf die Wikingerzeit zurück. In dieser Zeit wurden die Menschen anhand ihres Vornamens und ihrer Abstammung identifiziert. Diese Namensgebungstradition besteht bis heute fort (International Center for Language Studies, 2024).

Gemäß dem Gesetz über Personennamen Nr. 37/1991 müssen Namen beim isländischen Registeramt (Þjóðskrá) angemeldet werden. Alle Namen müssen vom Personennamensausschuss (Mannanafnanefnd) genehmigt werden. Für Namen, die nicht im traditionellen Namensregister enthalten sind, müssen Eltern vor der Namensgebung für ihr Kind eine Genehmigung beantragen, um sicherzustellen, dass der Name den isländischen Grammatik- und Rechtschreibregeln entspricht (International Center for Language Studies, 2024).  

Die 1991 gegründete Mannanafnanefnd überwacht und genehmigt die Vornamen von Neugeborenen. Oft werden Namen, die nicht den kulturellen Traditionen und der Grammatik Islands entsprechen, abgelehnt. Die Mannanafnanefnd soll nämlich sicherstellen, dass das kulturelle und sprachliche Erbe in der Gesellschaft bewahrt wird (International Center for Language Studies, 2024).

Die Nachnamen bestehen aus einem Vater- oder Muttersnamen, d. h. die Nachnamen der Kinder leiten sich vom Vornamen eines Elternteils ab, in der Regel des Vaters, manchmal aber auch von der Mutter. Normalerweise wird für Jungen die Endung -son verwendet, was „Sohn von“ bedeutet, und für Mädchen die Endung -dóttir, was „Tochter von“ bedeutet (International Center for Language Studies, 2024). Seit der Einführung des Gesetzes zur Geschlechterautonomie Nr. 80/2019 wurde ein geschlechtsneutrales Suffix -bur (Kind von) eingeführt, um die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten widerzuspiegeln.

In Island gibt es keine festen Familiennamen; Namen werden traditionell nicht von Generation zu Generation weitergegeben. Dadurch kann jede neue Generation ihre eigene einzigartige Kombination von Namen aus der väterlichen oder mütterlichen Linie bilden, um statt der Identität der gesamten Familie die Eltern-Kind-Beziehung widerzuspiegeln (International Center for Language Studies, 2024). Diese Tradition wird streng geregelt und gewährleistet das Recht auf Identität, indem sichergestellt wird, dass die Namen registriert, kulturell integriert und rechtlich anerkannt sind.

Nach derzeitiger Rechtslage können Kinder, die einen isländischen und einen ausländischen Elternteil haben, einen ausländischen und einen isländischen Namen annehmen. Ausländische Kinder aus Einwanderergemeinschaften haben jedoch Anspruch darauf, ihre ursprünglichen Namen aus ihrem Heimatland beizubehalten (Trodler, 2021).

Recht auf Schutz

Im November 1998 gründete Bragi Guðbrandsson das Barnahús (Kinderhaus). Das Barnahús spielt eine zentrale Rolle im Kinderschutzsystem Islands und bietet eine koordinierte, kindzentrierte Antwort auf Verdachtsfälle, in denen ein Kind sexuell oder körperlich missbraucht wurde oder Gewalt ausgesetzt war. Das Hauptziel von Barnahús ist es, Traumata zu minimieren und sicherzustellen, dass effektive Ermittlungen durchgeführt werden, indem wichtige Stellen wie Polizei, Staatsanwaltschaft, Kinderschutzbeauftragte, Gesundheitsfachkräfte und Beratungsdienste miteinander vernetzt werden (Fahsing, 2025).

Seit der Gründung von Barnahús wurde das Modell in 28 europäischen Ländern umgesetzt, wo es an die jeweiligen Kultur- und Rechtsrahmen angepasst wurde, gleichzeitig blieb aber die Kernidee des kindzentrierten Schutzes unverändert (Fahsing, 2025).

Risikofaktoren – Länderspezifische Herausforderungen

Armut

Island verfügt über ein gut ausgebautes Sozialsystem und ein geringes Maß an extremer Armut. Jedoch leiden einige Familien weiterhin unter Einkommensunterschieden, insbesondere Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose. Solche Ungleichheiten können sich auf den Zugang von Kindern zu außerschulischen Aktivitäten und psychologischen Angeboten auswirken und trotz eines ansonsten stabilen Umfelds zu einer gewissen Benachteiligung führen.

Laut den für den Freiwilligen Nationalen Bericht (Voluntary National Review, VNR) 2023 erhobenen Daten ist der Anteil der von Armut betroffenen Menschen in Island von 2,5 % im Jahr 2016 auf 0,8 % im Jahr 2021 gesunken. Die Indikatoren für den materiellen Lebensstandard zeigen eine ähnliche Verbesserung. Der Anteil des von materieller Bedürftigkeit betroffenen Menschen sank von 6,1 % im Jahr 2016 auf 3,7 % im Jahr 2021, und der Anteil der von Armut bedrohten Haushalte sank von 10,3 % im Jahr 2017 auf 8,9 % im Jahr 2021 (Government of Iceland Prime Minister’s Office, 2023).

Die erhobenen Daten vom VNR 2019 zeigen, dass 11 % der Kinder und fast ein Viertel (24,9 %) der Alleinerziehenden besonders stark von Armut betroffen und gefährdet waren. Obwohl diese Zahlen im internationalen Vergleich niedrig sind – und Island weiterhin eines der europäischen Länder mit der höchsten Einkommensgleichheit und der niedrigsten Armutsquote ist –, spiegeln sie die Realität wider, dass einige Haushalte unter finanziellen Belastungen leiden (Government of Iceland Prime Minister’s Office, 2019).

Dennoch hat das Sozialsystem erhebliche Anstrengungen unternommen, um wirtschaftliche Hindernisse im Bildungsbereich abzubauen, so dass etwa 99 % der Kinder Zugang zu kostenlosen Unterrichtsmaterialien und kostenloser Schulbildung haben.

Kinder in ländlichen oder abgelegenen Gebieten

Obwohl sich die Bevölkerung Islands auf städtische Gebiete konzentriert, lebt ein Teil der Kinder in spärlich besiedelten oder geografisch abgelegenen Gemeinden. Für diese Kinder bestehen die größten Herausforderungen in Bezug auf Vernetzung und Zugang, insbesondere im Zusammenhang mit digitaler Bildung. Während der COVID-19-Pandemie wurde die ungleiche Internetqualität in ländlichen Regionen zu einem auffälligen Problem, da einige Haushalte Schwierigkeiten hatten, einen stabilen Online-Zugang für den Fernunterricht aufrechtzuerhalten. Obwohl in den letzten Jahren nationale Anstrengungen zur Ausweitung der Breitbandabdeckung fortgesetzt wurden, ist die digitale Konnektivität in abgelegenen Gebieten immer noch weniger zuverlässig, was die Teilnahme am Online-Lernen oder den Zugang zu digitalen Bildungsressourcen behindern kann (Government of Iceland Prime Minister’s Office, 2023).

Der physische Zugang zu Bildungseinrichtungen wird in der Regel durch öffentliche Maßnahmen gut unterstützt. Die Regierung stellt sicher, dass Kinder, die weit entfernt von Schulen leben, mit öffentlichen Verkehrsmitteln sicher zur Schule und wieder nach Hause fahren können, auch in ländlichen Regionen. Diese Maßnahmen verringern die geografische Isolation. Jedoch stellen eingeschränkte Fahrpläne und lange Fahrzeiten immer noch gelegentlich Hindernisse für Kinder dar, die in ländlichen oder abgelegenen Gebieten wohnen (European Commission, 2023).

Kinder mit Behinderungen

Informationen über Herausforderungen, die spezifisch Kinder mit Behinderungen in Island betreffen, sind relativ begrenzt. Vor allem weil das Land starke gesetzliche Schutzmaßnahmen und inklusive Strategien eingeführt hat. Die isländische Gesetzgebung verbietet ausdrücklich Diskriminierung aufgrund einer Behinderung. Diese Schutzmaßnahmen spiegeln sich im Bildungssystem wider, indem Kinder mit Behinderungen das Recht haben, ihre lokalen Schulen zu besuchen und eine angemessene Unterstützung entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen zu erhalten (Government of Iceland Prime Minister’s Office, 2023).

Zusätzlich zur inklusiven Regelschule bietet Island Förderschulen (bekannt als Klettaskóli und Arnarskóli) an, deren Ziel die Unterstützung von Kindern mit komplexen Lern- oder Entwicklungsbedürfnissen ist. Durch die integrativen und spezialisierten Modelle können Familien auf maßgeschneiderte Unterstützung zurückzugreifen (island, o. D.).

Darüber hinaus hat Island Maßnahmen ergriffen, um die Würde und Sichtbarkeit von Kindern mit Behinderungen zu stärken, indem diskriminierende oder veraltete Begriffe aus allen Gesetzestexten entfernt wurden. Diese positiven Maßnahmen gewährleisten zwar einen hohen Schutzstandard, doch aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit genauer Daten lässt sich nur schwer beurteilen, ob Kinder mit Behinderungen mit subtilen oder neuen Herausforderungen konfrontiert sind.

Jugendgerichtsbarkeit

Die Anwendung von Einzelhaft für Minderjährige in Island ist seit einigen Jahren ein großes Menschenrechtsproblem, das von internationalen und nationalen Organisationen thematisiert wird. Obwohl Island strenge Standards für Kinderrechte einhält und mehrere wichtige internationale und regionale Verträge zur Verhinderung und zum Schutz von Kindern vor Einzelhaft ratifiziert hat, wird die Anwendung von Einzelhaft für Minderjährige im Alter von 15 bis 17 Jahren weiterhin zugelassen.

Diese findet in Untersuchungshaftanstalten statt. Die innerstaatlichen Gesetze Islands erlauben weiterhin die Anwendung von Isolationshaft in Untersuchungshaftanstalten für Minderjährige im Alter von 15 bis 17 Jahren (Amnesty International, 2023).

Ergebnisse aus dem Bericht von Amnesty International aus dem Jahr 2023 zeigen, dass Minderjährige in Island bis zu 23 Stunden am Tag in Einzelhaft gehalten wurden, oft ohne ausreichende Begründung oder Aufsicht. Obwohl die Praxis der Einzelhaft in direktem Widerspruch zu Artikel 37(a) der UN-Kinderrechtskonvention sowie zu den Mindestgrundsätzen der Vereinten Nationen für die Behandlung von Gefangenen (Nelson Mandela Rules, 2015) und den Regeln der Vereinten Nationen für den Schutz von Jugendlichen, denen ihre Freiheit entzogen ist (Havana Rules, 1990) – beide verbieten ausdrücklich die Einzelhaft für Personen unter 18 Jahren –, wurde in dem Bericht hervorgehoben, dass zwischen 2012 und 2021 insgesamt 825 Personen in Untersuchungshaft in Einzelhaft genommen wurden; darunter befanden sich 10 Kinder im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, und es wurden keine angemessenen Schutzmaßnahmen für Kinder getroffen (Amnesty International, 2023).

Die relevanten nationalen Rechtsvorschriften sind das Strafvollzugsgesetz Nr. 15/2016 und die Strafprozessordnung Nr. 88/2008. Nach diesen Gesetzen ist Einzelhaft (einangrun) während der Untersuchungshaft erlaubt, wenn ein Richter es für notwendig erachtet. Damit wird die Anwendung dieser Maßnahme für Kinder unter 18 Jahren nicht ausdrücklich verboten, obwohl das Strafmündigkeitsalter bei 15 Jahren liegt. In der Praxis können Minderjährige in Island in Einzelhaft genommen werden (Amnesty International, 2023).

2024 forderte der Ombudsmann für Kinder in Island (Umboðsmaður barna) die Regierung auf, das Gesetz zu ändern, um die Anwendung von Einzelhaft für Kinder unter 18 Jahren ausdrücklich zu verbieten und jugendspezifische Hafteinrichtungen einzurichten (Amnesty International, 2023).

Verfasst von Vanessa Cezarita Cordeiro

Intern korrigiert von Aditi Partha

Übersetzt von Eloïse Langrand

Übersetzung korrekturgelesen von Karolina Hofman

Zuletzt aktualisiert am 9. November 2025

Quellen:

Amnesty International. (2019, February 19). “Iceland: No shame in diversity.” Retrieved from Amnesty International, accessed on 10 November 2025.

Amnesty International. (2023, January 31). “Iceland’s abusive use of solitary confinement must end immediately.” Retrieved from Amnesty International, accessed on 5 November 2025.

Amnesty International. (2023). “Waking up to nothing – Harmful and unjustified use of pre-trial solitary confinement in Iceland.” Retrieved from Amnesty International, accessed on 5 November 2025.

Barnahus Network. (n,d). “About Barnahus.” Retrieved from Barnahus, accessed on 14 November 2025.

Committee on the Rights of the Child. (2020, March 4). “Combined fifth and sixth periodic reports submitted by Iceland under Article 44 of the Convention.” Retrieved from United Nations Committee on the Rights of the Child, accessed on 15 November 2025.

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Fahsing, Dr I., Guðbrandsson, B. (2025, February 15). “The birth of Barnahus: How Iceland revolutionized child protection.” Retrieved from Beyond a Reasonable Doubt, accessed on 15 November 2025.

Government of Iceland Prime Minister’s Office. (2023). “Voluntary National Review Iceland 2023.” Retrieved from Government of Iceland Prime Minister’s Office, accessed on 10 November 2025.

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Karlsson, G., Kristinsson, V., Matthíason, B. (2025, November 3). “Iceland.” Retrieved from Encyclopedia Britannica, accessed on 3 November 2025.

Trodler, D. (2021, January 19). “How are immigrants’ children named?” Retrieved from Iceland Review, accessed on 25 November 2025.


[1] Dieser Artikel erhebt keineswegs den Anspruch, einen vollständigen oder repräsentativen Überblick über die Kinderrechte in Brasilien zu geben. Eine der vielen Herausforderungen besteht darin, dass es nur wenige aktuelle Informationen über brasilianische Kinder gibt, von denen viele unzuverlässig, nicht repräsentativ, veraltet oder einfach nicht vorhanden sind.