Kinder im Kosovo

Kinder im Kosovo

Die Verwirklichung der Kinderrechte im Kosovo

 

Nach einem gewaltsamen Krieg hat sich Kosovo am 17. Februar 2008 von Serbien unabhängig erklärt. Allerdings wurde dieser Status im Jahr 2012 nur von 91 der 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen anerkannt. Man spürt immer noch starke ethnische Spannungen; Armut und Kinderarbeit sind sehr besorgniserregende Themen. Am meisten davon betroffen sind Kinder, vor allem die, die einer Minderheit angehören.

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Index der Realisierung von Kinderrechten: 7,45/ 10
Rote Stufe: Schwierige Lage

Bevölkerung: 2 M.
Bev. 0-14 Jahren: 27 %

Lebenserwartung: 70 Jahre
Kindersterblichkeit: 69 ‰

Hauptprobleme, denen Kinder im Kosovo gegenüberstehen:

Armut

Im Kosovo leben fast 30% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze (ca. 1,25$ pro Tag) und somit ist das Land eines der ärmsten Länder auf dem europäischen Kontinent. Auch wenn in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht wurden, um die Wirtschaft zu stabilisieren, bleibt der Kosovo immer noch abhängig von internationalen Hilfen.

Außerdem ist der Zugang zum Arbeitsmarkt sehr beschränkt und es ist nicht einfach, diesen moderner zu gestalten: fast 45% der Bevölkerung ist arbeitslos. Armut betrifft vor allem Kinder und Minderheiten wie Roma oder Ashkali.

Straßenkinder

Während des Krieges mussten Tausende von Menschen ihre Wohnungen verlassen und selten trifft man welche, die zurückkehren konnten. Da sie in extremer Armut leben, müssen zahlreiche Familien auf der Straße leben oder in provisorischen Lagern, zusammen mit ihren Kindern.

Kinderarbeit und Bettelei

Mehr als 100 000 Kinder unter 14 Jahren müssen mit weniger als 1€ pro Tag auskommen. Deshalb arbeiten viele von ihnen hauptsächlich als fliegende Händler und Müllsammler. Man sieht ebenfalls zahlreiche bettelnde Kinder auf den Straßen. Diese Tätigkeiten haben Auswirkungen auf die Entwicklung und die Sicherheit der Kinder, aber langfristig auch auf die Gesellschaft, da diese Kinder keine Schulbildung erfahren.

Das Recht auf Bildung

Obwohl die Bevölkerung im Kosovo relativ jung ist, ist Bildung keine Priorität. Aufgrund von fehlender angemessener Infrastruktur, gehen die Kinder in der Regel in drei bis vier rotierenden Gruppen zur Grundschule.

Vorschuleinrichtungen sind kaum entwickelt. Zurzeit haben weniger als 10% der Kinder zwischen drei und sechs Jahren Zugang zur vorschulischen Bildung.

Zudem bestehen große Ungleichheiten zwischen Jungen und Mädchen, da nur etwa 70% der Mädchen nach der Grundschule zur weiterführenden Schule gehen im Vergleich zu 95% der Jungen. Aber auch zwischen Kosovoalbanern (von denen etwa 98% der Kinder zur Grundschule gehen) und Kosovaren, die Minderheiten angehören (von denen nur 77% der Kinder zwischen 6 und 14 Jahren an einer Schule eingeschrieben sind), gibt es Unterschiede.

Das Recht auf Gesundheit

Die Infrastruktur der Gesundheitsleistungen ist sehr schlecht ausgebaut. Etwa 36% der Bevölkerung hat keinen Zugang zu Trinkwasser. Anderweitig zählt man zahlreiche Fälle von Tuberkulose. Industrieller Verunreinigung, vor allem durch Eisen, sind ebenfalls ein Problem. Zuletzt konnte bei HIV/AIDS eine besorgniserregende Zunahme der Fälle registriert werden. Als Folge einer mangelnden Bewusstseinsschaffung in der Bevölkerung, einer fehlenden gesundheitlichen Bildung und sexueller Aufklärung tritt diese Krankheit vermehrt auf. Migrationsbewegungen und das Vorkommen von sexuellem Missbrauch von Kindern erhöht die Verbreitung der Krankheit.

Kinder mit Behinderungen

Es wird geschätzt, dass 70% der Opfer von Antipersonenminen jünger als 24 Jahre alt sind. Es fehlt aber leider immer noch an wichtigen Gesundheitsleistungen für diejenigen, die vom Krieg verstümmelt wurden. Das gilt umso mehr für Menschen mit Behinderungen, die Probleme bei der Integration in die Gesellschaft verspüren.

Unterernährung

Nach Schätzungen ist im Kosovo ein Zehntel aller Kinder unter fünf Jahren unterernährt. Einer der Hauptgründe dafür ist ein Mangel an Jodsalz in der Ernährung der Kosovaren. Dieser Mangel hat große Auswirkungen auf die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder.

Kinderhandel

Eine vor kurzem durchgeführte Studie von UNICEF zeigt, dass der Kinderhandel zunimmt. Diese Kinder sind hauptsächlich Opfer von sexueller Ausbeutung, Organhandel oder Zwangsarbeit innerhalb des Kosovos oder werden in andere europäische Staaten gebracht.

Kinder aus Minderheiten

Im Kosovo leben mehrere ethnische nichtalbanische Minderheiten, so zum Beispiel Roma, Ashkali oder Serben. Sie repräsentieren 8% der Bevölkerung, das entspricht ca. 160 000 Menschen. Kinder, die Minderheiten angehören, sind häufiger Opfer von Kinderrechtsverletzungen.

Betonen muss man auch, dass die Kinder aus der serbischen Gemeinde im Kosovo besonders häufig Opfer von Gewalt sind und Kinder aus der Gemeinde der Ashkali oder Roma vor allem von Armut, Bettelei und fehlender Schulbildung betroffen sind.