Kinder in Irland

Verwirklichung der Kinderrechte in Irland

Irland hat die UN-Kinderrechtskonvention im September 1992 ratifiziert und arbeitet seitdem daran, seine Gesetze und Richtlinien an internationale Standards anzugleichen. Nach der Republikwerdung 1949 entwickelte das Land bessere Systeme in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen und Kinderschutz. Die meisten Kinder in Irland wachsen gesund und mit Unterstützung auf, aber viele kämpfen immer noch mit Gewalt, Missbrauch oder psychischen Problemen. Der rechtliche Schutz von Kindern ist stark, doch die Umsetzung dieser Rechte im Alltag bleibt eine unvollendete Aufgabe.

Bevölkerung: 5,4 Millionen
Anteil der Bevölkerung im Alter von 0–14 Jahren: 18,56 %

Lebenserwartung: 82,8 Jahre
Sterblichkeitsrate von Kindern unter 5 Jahren: 3,8 ‰

Irland auf einen Blick

Irland ist ein Inselstaat in Westeuropa, westlich von Großbritannien gelegen. Es ist durch den Nordkanal, die Irische See und den St. George’s Channel von Großbritannien getrennt und teilt seine einzige Landgrenze mit Nordirland. Die Hauptstadt ist Dublin, und die Amtssprachen sind Irisch und Englisch. Die meisten Menschen in Irland sind römisch-katholisch, wobei andere ihren Glauben frei ausüben können (Ranelagh & Boland, 2025).

Im 20. Jahrhundert war Irlands Geschichte durch Konflikte geprägt. Der Irische Unabhängigkeitskrieg begann 1919 als bewaffneter Kampf gegen die britische Herrschaft und führte 1921 zum Anglo-Irischen Vertrag, der im Süden den Irischen Freistaat erschuf, während Nordirland unter britischer Kontrolle blieb. Ein kurzer Bürgerkrieg zwischen Befürwortern und Gegnern des Vertrags folgte. Irland baute später seine Unabhängigkeit aus und wurde 1949 offiziell zur Republik Irland (Denison Magazine, 2020).

Irland trat 1973 nach einem nationalen Referendum, bei dem sich über 83 % der Wählerschaft für den Beitritt aussprach, der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (heute Europäische Union) bei. Damals herrschte im Land hohe Arbeitslosigkeit und Abwanderung, und viele Familien hatten Mühe, ihren Kindern ein stabiles Leben zu ermöglichen. Der Beitritt eröffnete den Zugang zu europäischen Märkten und Entwicklungsfonds, die den Lebensstandard anhoben (CSO Irland, 2023).

In den folgenden Jahrzehnten trugen diese Veränderungen dazu bei, durch bessere Bildung, Gesundheits– und Sozialsysteme neue Möglichkeiten für junge Menschen zu schaffen. 2025 wurde das irische Bruttoinlandsprodukt auf rund 696 Milliarden US-Dollar in Kaufkraftparität geschätzt, was zeigt, wie die EU-Mitgliedschaft zur Stärkung öffentlicher Dienstleistungen und zu größerer Sicherheit für die Kinder beigetragen hat, die heute in Irland aufwachsen (World Economics, 2025).

Status der Kinderrechte [1]

Irlands Fortschritte bei der Anerkennung von Kinderrechten verliefen langsam und uneinheitlich. Im Großteil des 20. Jahrhunderts beeinflusste die katholische Kirche stark die Bildungs-, Gesundheits- und Sozialpolitik, und der Kinderschutz konzentrierte sich eher auf die Bekämpfung von Problemen als auf deren Prävention. Eine Reihe schwerwiegender Versäumnisse rückte schließlich die Kinderrechte und die Verfassungsreform auf die öffentliche Agenda (Muldoon, 2024).

Vor diesem Hintergrund ratifizierte Irland 1992 die UN-Kinderrechtskonvention und begann mit dem Aufbau neuer Institutionen. 1994 wurde der erste Staatsminister für Kinder ernannt, und 1996 wurde die Einrichtung eines Kinderombudsmanns angeregt. Nachdem der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes 1998 zum Handeln aufgefordert hatte, leitete die Regierung Konsultationen ein und erarbeitete einen Gesetzesentwurf, der 2002 zum Ombudsmann-Gesetz für Kinder („Ombudsman for Children Act“) führte (Muldoon, 2025).

Aufbauend auf diesen Reformen wurden die Rechte von Kindern durch eine Verfassungsänderung von 2012 ausdrücklich anerkannt. Die Konvention selbst wurde jedoch noch nicht vollständig in irisches Recht übernommen, sodass Kinder nicht direkt alle Bestimmungen der UN-Kinderrechtskonvention vor irischen Gerichten geltend machen können. Der UN-Ausschuss hat Irland wiederholt aufgefordert, die Umsetzung abzuschließen und die Maßnahmen in den Bereichen Nichtdiskriminierung, Kinderarmut, Bildung, psychische Gesundheit und Kinderjustiz zu verstärken (Muldoon, 2024).

Um diese Ziele zu erreichen, führte die Regierung später wichtige Maßnahmen ein, wie beispielsweise den Children First Act 2015, der den Kinderschutz für Fachkräfte und Organisationen zur Rechtspflicht machte, und gründete 2014 Tusla, die Kinder- und Familienagentur, die die nationalen Kinderschutzdienste koordiniert (Harlowe et al., 2019).

Im Rahmen seines umfassenderen Engagements für die UN-Konvention ratifizierte Irland 2002 auch das Fakultativprotokoll über die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten, welches den Staat verpflichtet, den Einsatz von Kindern bei militärischen Aktivitäten zu verhindern. 2014 ratifizierte Irland das Fakultativprotokoll über ein Mitteilungsverfahren, das Kindern das Recht gibt, sich direkt an die Vereinten Nationen zu wenden, wenn ihre Rechte gemäß der Konvention verletzt werden. Irland unterzeichnete außerdem 2000 das Fakultativprotokoll über den Verkauf von Kindern, Kinderprostitution und Kinderpornografie und bereitet dessen Ratifizierung vor (Government of Ireland, 2025).

Die Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kindern

Recht auf Bildung

In Irland ist die Schulbildung von 6 bis 16 Jahren, oder bis die Schüler drei Jahre der Sekundarstufe abgeschlossen haben, kostenlos und obligatorisch. Die meisten Kinder beginnen die Grundschule jedoch bereits mit vier oder fünf Jahren. Das Bildungssystem umfasst die Grundschule, die Sekundarstufe, die Weiterbildung sowie Hochschulbildung. Die meisten Schulen werden vom Staat finanziert (CIC, 2022).

Das Programm für frühkindliche Betreuung und Bildung (ECCE) bietet kostenlose Vorschulbildung für Kinder vor der Grundschule. Das Nationale Kinderbetreuungsprogramm (NCS) unterstützt Familien bei den Betreuungskosten. Die Grundschule beginnt in der Regel mit 5 Jahren und folgt einem kindzentrierten Lehrplan. Die meisten Schüler lernen Englisch und Irisch, einige sind jedoch davon befreit (CIC, 2022).

Die Sekundarstufe gliedert sich in zwei Stufen: den Junior Cycle (12–15 Jahre), der mit dem Junior Cycle Profile of Achievement abschließt, und den Senior Cycle (16–18 Jahre), der zu einem von drei Abschlüssen führt: einem akademischen, einem beruflichen oder einem praktischen (CIC, 2022).

Obwohl das irische Bildungssystem Erfolge vorweist, stehen einige Schülerinnen und Schüler weiterhin vor Herausforderungen. Kinder aus ärmeren Verhältnissen haben nicht die gleichen Bildungschancen wie andere. Auch Mobbing an Schulen ist ein gravierendes Problem. Um dem entgegenzuwirken, verpflichtet das Bildungsministerium alle Schulen zur Einhaltung der nationalen Anti-Mobbing-Richtlinien und stellt sicher, dass geschultes Personal dafür sorgt, dass sich alle Schülerinnen und Schüler sicher und integriert fühlen (Tangredi, 2023).

Recht auf Gesundheit

Die Gesundheitsversorgung in Irland wird hauptsächlich durch Steuern finanziert, ergänzt durch einige Nutzungsgebühren und private Krankenversicherungen. Alle Einwohnerinnen und Einwohner haben Zugang zu öffentlichen Krankenhausleistungen. Kostenlose Hausarztbesuche sind hingegen für Kinder unter sechs Jahren und Familien mit einer Krankenversicherungskarte möglich. Der irische Gesundheitsdienst (Health Service Executive, HSE) unterstützt zudem kommunale Dienstleistungen wie Behindertenbetreuung, Impfungen und Programme zur kindlichen Entwicklung (Staines et al., 2016).

Die meisten Kinder werden in Krankenhäusern geboren, und die Familien werden nach der Geburt von Gesundheitsfachkräften des öffentlichen Gesundheitsdienstes zu Hause betreut. Diese Fachkräfte überwachen das Wachstum der Kinder, beraten zu den Themen Ernährung und Sicherheit und unterstützen die Eltern bei der gesundheitlichen Versorgung des Kindes. Auch die Schulen spielen durch Unterricht zu Hygiene, Bewegung und psychischem Wohlbefinden eine wichtige Rolle bei der Förderung gesunder Gewohnheiten (HSE, n.d.).

Die Gesundheit von Kindern ist im Allgemeinen gut, und Irland belegt im EU-Vergleich einen der vorderen Plätze im Hinblick auf das Wohlbefinden von Kindern. Dennoch bestehen weiterhin Ungleichheiten zwischen Familien mit unterschiedlichem Einkommen oder solchen, die in ländlichen Gebieten leben. Manche Kinder müssen lange auf fachärztliche Behandlungen warten, und psychische Probleme bei jungen Menschen geben zunehmend Anlass zur Sorge. Übergewicht und Alkoholkonsum bei Minderjährigen beeinträchtigen weiterhin die allgemeine Gesundheit (Staines et al., 2016).

Um die Zusammenarbeit der verschiedenen Dienste zu verbessern, schuf die Regierung 2011 das Ministerium für Kinder und Jugend, um die Politikbereiche Gesundheit, Bildung und Kinderschutz zu verknüpfen. Zudem wurden nationale Rahmenbedingungen eingeführt, um das körperliche und seelische Wohlbefinden von Kindern durch frühzeitige Intervention, kommunale Programme und die Zusammenarbeit zwischen den Ministerien zu fördern (Staines et al., 2016).

Recht auf Identität

Im Großteil des 20. Jahrhunderts versäumte Irland den Schutz des Rechts von Kindern auf ihre Identität. Unverheiratete Mütter wurden häufig in Mutter-Kind-Heime eingewiesen, Einrichtungen, die hauptsächlich von der katholischen Kirche betrieben und vom Staat unterstützt wurden. Viele Frauen wurden von ihren Babys getrennt, und Tausende von Kindern wurden ohne die Zustimmung ihrer Mütter adoptiert (Donahue, 2023).

Geburtsurkunden wurden verändert oder verheimlicht, sodass viele nicht herausfinden konnten, wer sie waren oder woher sie kamen. Die Untersuchungskommission zu den Mutter-Kind-Heimen stellte später fest, dass mehr als 56.000 Frauen und 57.000 Kinder in diesen Heimen lebten, und deckte schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen auf (ODAIT, 2020). Als Reaktion darauf verabschiedete die Regierung den „Birth Information and Tracing Act 2022“, der adoptierten Personen vollen Zugang zu ihren Geburtsurkunden und persönlichen Dokumenten gewährt (IHREC, 2022).

Irland erkennt heute jedem Kind von Geburt an das Recht auf eine rechtliche Identität zu. Sind die Eltern verheiratet, wird der Vater automatisch rechtlich anerkannt; andernfalls müssen beide bei der Registrierung anwesend sein, damit der Name des Vaters eingetragen werden kann. Adoptivkinder werden im Adoptivkinderregister eingetragen, wodurch ihre neue rechtliche Familie mit ihrer ursprünglichen Geburtsurkunde verknüpft wird (Child Identity Protection, 2022).

Dennoch sind einige Kinder in Irland weiterhin von Staatenlosigkeit bedroht, was bedeutet dass sie keine anerkannte Staatsangehörigkeit haben. Dies kann Kinder von Migrantinnen und Migranten, Flüchtlingen oder Familien aus staatenlosen Gemeinschaften betreffen. Zwar können Staatenlose in Irland Reisedokumente beantragen, und einige im Land geborene Kinder können die Staatsbürgerschaft erlangen, doch gibt es nach wie vor kein formelles System zur Identifizierung und zum Schutz staatenloser Kinder (Child Identity Protection, 2022).

Risikofaktoren → Länderspezifische Herausforderungen

Kindesmissbrauch

Irland setzt sich weiterhin mit den Folgen des Kindesmissbrauchs in konfessionellen Schulen und Einrichtungen auseinander. Eine staatliche Untersuchung von 2024 dokumentierte zwischen 1927 und 2013 insgesamt 2.395 Vorwürfe sexuellen Missbrauchs, mit Beteiligung 884 mutmaßlicher Täterinnen und Täter an über 300 Schulen, die von katholischen Orden betrieben wurden. Opfer berichteten von Vergewaltigungen, Schlägen und Demütigungen „in einer Atmosphäre des Terrors und des Schweigens“, oft durch Priester und Lehrkräfte, die sie eigentlich schützen sollten (Reuters, 2024).

Eine der ersten, die das Schweigen brach, war Christine Buckley, die ihre Kindheit im Waisenhaus Goldenbridge der Barmherzigen Schwestern verbrachte. Sie erinnerte sich daran, geschlagen, verbrüht und „wie eine Nummer, nicht wie ein Kind“ behandelt worden zu sein. Ihr Mut, in den 1990er Jahren öffentlich darüber zu sprechen, trug dazu bei, jahrzehntelangen, versteckten Missbrauch aufzudecken und führte 1999 zur Einsetzung der staatlichen Kommission zur Untersuchung von Kindesmissbrauch (CRIN, 2020).

Als Reaktion auf die Erkenntnisse über institutionellen Kindesmissbrauch richtete die irische Regierung das Residential Institutions Redress Board (RIRB) ein. Dessen Aufgabe bestand darin, Menschen, die in kirchlichen Einrichtungen Missbrauch erlitten hatten, finanzielle Entschädigung und Unterstützung zu gewähren. Bis 2014 erhielten über 15.000 Betroffene Zahlungen in Höhe von durchschnittlich 62.250 €, bei Gesamtkosten von 1,5 Milliarden € (CRIN, 2020).

Die Regierung schuf außerdem Caranua, einen Fonds zur Unterstützung ehemaliger Bewohner bei Wohnungs-, Bildungs- und Gesundheitsfragen. Obwohl von den Ordensgemeinschaften Beiträge in Höhe von 128 Millionen Euro, größtenteils in Form von Immobilien, erwartet wurden, blieben ihre Zahlungen hinter den vereinbarten Zielen zurück. Diese Unterdeckung hat öffentliche Kritik hervorgerufen und stellt weiterhin ein ungelöstes Problem im irischen Umgang mit Rechenschaftspflicht und Wiedergutmachung dar (CRIN, 2020).

Gewalt

Gewalt unter Gleichaltrigen ist in Irland weiterhin ein ernstes Problem und betrifft junge Menschen in Schulen und anderen Einrichtungen. Laut UNICEF berichtet fast die Hälfte der irischen Teenager (etwa 44 %) von Gewalt durch Gleichaltrige, sei es durch Mobbing, Hänseleien oder körperliche Auseinandersetzungen. Rund 28 % der 13- bis 15-Jährigen gaben an, in der Schule gemobbt worden zu sein, während 27 % in eine Schlägerei verwickelt gewesen waren (McMahon, 2018).

Mehrere Tragödien haben die anhaltenden Folgen von Gewalt unter Gleichaltrigen gezeigt. 2012 nahm sich die 13-jährige Erin Gallagher nach anhaltendem Mobbing das Leben. Ihr Tod lenkte die landesweite Aufmerksamkeit auf die Auswirkungen von Cybermobbing und führte zu verstärkten Bemühungen um eine Verschärfung der Anti-Mobbing-Richtlinien an irischen Schulen (Maguire, 2016).

Ein anderer tragischer Fall, der Irland zutiefst schockierte, war der Mord an der 14-jährigen Ana Kriégel 2018. Ana wurde von zwei 13-jährigen Jungen aus ihrem Zuhause gelockt und in ein verlassenes Haus gebracht, wo sie geschlagen und sexuell missbraucht wurde, bevor sie getötet wurde. Die Jungen gingen als jüngste wegen Mordes verurteilte Menschen in die irische Geschichte ein (Carroll, 2019).

Nach diesen Vorfällen hat Irland begonnen, Gewalt unter Gleichaltrigen ernster zu nehmen. Die Regierung und ihre Behörden haben neue Systeme, Schulungen und Gesetze eingeführt, um Gewalt frühzeitig zu verhindern und Kinder besser zu schützen. So behandeln beispielsweise der Gesundheitsdienst (HSE) und die Überwachungsbehörde HIQA Missbrauch unter Gleichaltrigen nun als ein reales Problem des Kinderschutzes (Probation Service, 2024).

Eine landesweite Studie von 2024 forderte klare Regeln für die Definition von Missbrauch, bessere Schulungen für das Personal und einheitliche sowie übergreifende Meldeverfahren in Schulen, Betreuungseinrichtungen und Jugendhilfeeinrichtungen. Das bedeutet, dass wenn ein Kind ein anderes verletzt, dies dokumentiert und angemessen behandelt werden muss und nicht als „nur eine Schlägerei“ abgetan werden darf (Probation Service, 2024).

Kinderarmut

Trotz des starken Wirtschaftswachstums leben viele Kinder in Irland in Armut oder in prekären Wohnverhältnissen. 2024 waren 15,3 % der Kinder (188.605 Kinder) armutsgefährdet. Dies stellt die höchste Armutsgefährdungsquote aller Altersgruppen dar (Children’s Right Alliance, 2025).

Darüber hinaus waren 2024 8,5 % der Kinder (104.780 Kinder) von anhaltender Armut betroffen, gegenüber 4,8 % im Jahr 2023. Im Mai 2025 lebten mehr als 4.775 Kinder mit ihren Familien in Notunterkünften (Conneely, 2025).

Wohnungsunsicherheit kann schwerwiegende Folgen für die Entwicklung von Kindern haben, darunter Lernverzögerungen, Verhaltensauffälligkeiten sowie ein erhöhtes Risiko für Angstzustände und Depressionen. Unterstützende familiäre Beziehungen, schulische Einbindung und der Zugang zu gezielten Fördermaßnahmen können diese negativen Auswirkungen hingegen abmildern (D’Sa et al., 2020).

Obwohl staatliche Maßnahmen wie „Wohnen für alle“ und das 2023 gegründete Programmbüro für Kinderarmut und das Wohlbefinden von Kindern darauf abzielen, die Kinderarmut bis 2030 zu halbieren, warnen Interessengruppen davor, dass die Fortschritte weiterhin langsam sind und die Stimmen von Kindern in der Wohnungspolitik selten Gehör finden (Ombudsman for Children’s Office, 2025).

Diskriminierung

Roma-Kinder in Irland sind mit vielen miteinander verbundenen Problemen konfrontiert, die durch Armut, unzureichenden Wohnraum und Diskriminierung verursacht werden. Viele Roma-Familien erhalten keine Sozialhilfe, da sie die Voraussetzungen für einen gewöhnlichen Aufenthalt nicht erfüllen, der den Nachweis einer Erwerbstätigkeit und eines langfristigen Wohnsitzes erfordert. Infolgedessen fehlt manchen Familien das Geld für Nahrung, Heizung oder Miete (Pavee Point Traveller and Roma Centre, 2012).

Unzureichender Wohnraum und der eingeschränkte Zugang zu sauberem Wasser oder Heizung können zu Gesundheitsproblemen und Entwicklungsverzögerungen bei Kindern führen. Der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist oft schwierig, da manche Familien keine Krankenversicherungskarte besitzen oder Sprachbarrieren überwinden müssen, und manche aus Angst oder Misstrauen medizinische Einrichtungen meiden (Pavee Point Traveller and Roma Centre, 2012).

Roma-Kinder stoßen auch im Bildungsbereich auf Hürden. Viele können aufgrund von Armut, häufigen Umzügen oder Diskriminierung nicht zur Schule gehen, und manche Mädchen verlassen die Schule frühzeitig, um zu heiraten. Verschärft werden diese Probleme durch Vorurteile und Ausgrenzung, die Familien davon abhalten, Hilfe zu suchen (Pavee Point Traveller and Roma Centre, 2012).

Als Reaktion auf diese Herausforderungen hat die irische Regierung ihr Engagement für die Unterstützung von Roma-Familien erneuert. Ein Bericht von Minister Roderic O’Gorman von 2025, der auf der Volkszählung von 2022 beruht, zeigte Fortschritte im Gesundheits- und Bildungswesen, aber weiterhin bestehende Ungleichheiten bei Arbeit und Integration. Er ist Teil der zweiten nationalen Strategie zur Integration von Fahrenden und Roma, die die Gleichstellung fördern und den Zugang zu Dienstleistungen verbessern soll (Department of Children, Disability and Equality, 2025).

Kinder mit Behinderungen

Kinder mit Behinderungen in Irland haben Anspruch auf Unterstützung, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Der irische Gesundheitsdienst bietet eine Bedarfsermittlung (Assessment of Need, AON) für Kinder mit Verdacht auf eine Behinderung an. Diese Bedarfsermittlung ermittelt den Gesundheits- und Bildungsbedarf des Kindes und liefert Empfehlungen zu den erforderlichen Unterstützungsleistungen (Coleman Legal LLP, n.d.).

Nach dem Behindertengleichstellungsgesetz von 2005 (Disability Act 2005) muss der irische Gesundheitsdienst (HSE) die Begutachtung innerhalb von drei Monaten nach Eingang eines Antrags beginnen und innerhalb von sechs Monaten abschließen. Viele Familien sehen sich jedoch mit langen Wartezeiten konfrontiert. Ende 2024 warteten über 14.200 Kinder auf ihre Begutachtung, die meisten davon länger als die gesetzliche Frist (Coleman Legal LLP, n.d.).

Gerichte haben bestätigt, dass Begutachtungen nicht aufgrund von Personal- oder Finanzierungsmangel verweigert oder verzögert werden dürfen und dass Kinder bei Bedarf Anspruch auf eine umfassende Diagnostik haben. Trotz dieser Schutzmaßnahmen bleibt der Bearbeitungsstau ein großes Problem und könnte Irlands Verpflichtungen aus der UN-Kinderrechtskonvention und der UN-Behindertenrechtskonvention verletzen (Coleman Legal LLP, n.d.).

2024 berichtete Inclusion Ireland, dass fast die Hälfte der Kinder mit Förderbedarf vom Bildungssystem im Stich gelassen wurden. Von 492 befragten Eltern gaben nur 14 % an, dass ihr Kind in der Schule gut zurechtkomme, während 6 % einen reduzierten Stundenplan hatten, 4 % aufgrund mangelnder Unterstützung nicht am Unterricht teilnahmen und 22 % keine angemessene Unterstützung erhielten (Inclusion Ireland, 2024).

Im selben Jahr veröffentlichte der Nationale Rat für Sonderpädagogik (NCSE) den Plan „Inklusive Bildung für eine inklusive Gesellschaft“, der einen schrittweisen Übergang zu einem vollständig inklusiven Bildungssystem in Irland skizziert. Der Plan, der sich an der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen orientiert, fordert eine stärkere psychologische und therapeutische Unterstützung, eine verbesserte Lehrerausbildung und eine bessere Beratung für Schulen (NCSE, 2024).

Kinder und Suchtverhalten

2016 war Alkohol in Europa für etwa 16 % aller Todesfälle bei 15- bis 19-Jährigen und für 23 % bei den 20- bis 24-Jährigen verantwortlich. Damit zählt er zu den tödlichsten Substanzen für junge Menschen. Auch in Irland ist die Situation nicht anders. Nach einem stetigen Rückgang von Mitte der 2000er- bis Mitte der 2010er-Jahre steigt der Alkoholkonsum junger Menschen wieder an (HRB, 2025).

Nationale Daten zeigen, dass der Anteil der alkoholtrinkenden 15- bis 24-Jährigen von rund zwei Dritteln 2018 auf drei Viertel 2024 gestiegen ist. Noch besorgniserregender ist, dass der Alkoholkonsum, wenn er einmal begonnen hat, meist stark ist: Etwa 64 % der jungen Trinker betreiben regelmäßig Rauschtrinken, und jeder Dritte erfüllt die Kriterien für eine Alkoholabhängigkeit (HRB, 2025).

Eine weitere Studie, die Planet Youth 2020-Umfrage, untersuchte 4.473 Schüler im Alter von 15 bis 16 Jahren im Westen Irlands und fand klare Wege zur Prävention von Alkoholkonsum unter Jugendlichen. Jugendliche, deren Eltern sie engmaschig beaufsichtigten und sich klar gegen Alkoholkonsum aussprachen, neigten deutlich seltener zum Rauschtrinken, während diejenigen, die Alkohol von ihren Eltern erhielten, fast doppelt so häufig dazu neigten (Kelly et al., 2023).

Die Studie zeigte auch, dass der Erhalt von Alkohol von Freunden oder anderen Erwachsenen die Wahrscheinlichkeit für Rauschtrinken um ein Vielfaches erhöhte, was die Bedeutung von Verfügbarkeit und sozialem Zugang unterstreicht. Der Einfluss Gleichaltriger war besonders stark: Jugendliche mit einem Freundeskreis, der Alkohol trank, hatten ein fast fünffach höheres Risiko für Rauschtrinken als diejenigen, deren Freundeskreis keinen Alkohol trank (Kelly et al., 2023).

Da psychische Erkrankungen, Rauchen und Cannabiskonsum ebenfalls starke Anzeichen darstellten, sollte eine wirksame Prävention diese miteinander verbundenen Risiken gemeinsam angehen. Abschließend weisen die Autorinnen und Autoren darauf hin, dass koordinierte Maßnahmen auf Gemeinde- und politischer Ebene, wie beispielsweise die Umsetzung des Public Health (Alcohol) Act 2018, weiterhin unerlässlich sind, um den Alkoholkonsum hinauszuzögern, den Zugang für Jugendliche einzuschränken und junge Erwachsene vor alkoholbedingten Schäden zu schützen (Kelly et al., 2023).

Jugendhaft

Das irische Jugendstrafrechtssystem basiert auf dem Prinzip, dass Inhaftierung nur als letztes Mittel eingesetzt werden soll. Der Children Act 2001 verbietet die Inhaftierung von Personen unter 18 Jahren und sieht stattdessen vor, dass Kinder in einer Jugendstrafanstalt anstatt in einem Erwachsenengefängnis untergebracht werden. Diese Maßnahme wurde 2017 vollständig umgesetzt. Die Jugendstrafanstalten konzentrieren sich auf die Rehabilitation und die Unterstützung der Wiedereingliederung junger Menschen in die Gesellschaft (IPRT, n.d.).

Ein bedeutender Fortschritt wurde 2017 erzielt, als Irland die Praxis beendete, Minderjährige unter 18 Jahren in Erwachsenengefängnisse zu schicken. Alle von Gerichten verurteilten Kinder und Jugendlichen werden nun im Oberstown Children Detention Campus (der nationalen Einrichtung für junge Straftäter) untergebracht. Oberstown arbeitet nach einem Betreuungsmodell, das auf restaurativer Praxis basiert. Es bietet Programme an, die jungen Menschen helfen, die Folgen ihres Handelns zu verstehen und sich auf das Leben nach der Entlassung vorzubereiten (Oberstown Children Detention Campus, 2018).

Jüngste Kontrollen haben jedoch anhaltende Herausforderungen gezeigt. Die irische Gesundheitsüberwachungsbehörde HIQA stellte fest, dass Oberstown zwar ein sicheres und strukturiertes Umfeld bietet, aber mit Personalmangel und dem übermäßigen Einsatz restriktiver Maßnahmen wie der Einzelhaft zu kämpfen hat (IPRT, 2024).

In einem Bericht von 2024 warnte der Irish Penal Reform Trust (IPRT), dass die Inhaftierung nicht immer als letztes Mittel eingesetzt werde, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben sei. Die Organisation stellte außerdem fest, dass junge Menschen mitunter wegen geringfügiger Vorfälle wie Beschimpfungen oder Medikamentenverweigerung isoliert würden, und forderte strengere Schutzmaßnahmen und klarere Verfahren (IPRT, 2024).


Geschrieben von Lidija Misic

Übersetzt von Kathrin Lukas

Korrektur gelesen von Rebecca Richter

Zuletzt aktualisiert am 9. November 2025

Quellen:

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[1] Dieser Artikel erhebt keinesfalls den Anspruch, eine vollständige oder repräsentative Darstellung der Kinderrechte in Irland zu geben; in der Tat besteht eine der vielen Herausforderungen in der geringen Verfügbarkeit aktueller Informationen über irische Kinder. Diese Informationen sind oft unzuverlässig, nicht repräsentativ, veraltet oder nicht vorhanden.