Die Kinder von Eritrea

Die Kinder von Eritrea

Die Durchsetzung der Kinderrechte in Eritrea

Obwohl der Informationsfluss aus Eritrea streng kontrolliert wird, kann man sehen, dass die Jugendlichen in dem Land unter extrem schwierigen Bedingungen leben. Nur wenige der Kinder sind in der Lage, all ihre Rechte wahrzunehmen.

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Index der Realisierung von Kinderrechten:
4,22 / 10
Schwarz Stufe: sehr Schwierige Situation

Bevölkerung: 6,23 Millionen
Bev. 0-14 Jahren: 41,7 %

Lebenserwartung: 62,9 Jahre
Kindersterblichkeit: 34 ‰

Die Hauptprobleme der Kinder von Eritrea:

Armut

Jeder zweite Bewohner in Eritrea lebt unter der Armutsgrenze. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes ist eines der niedrigsten der Welt: Im Schnitt verdient ein Eritreer hundert Mal weniger als ein Spanier.

Die größte Last dieser Situation liegt auf dem Rücken der Kinder. Ihr Wohlergehen wird dadurch stark gefährdet.

Misshandlung

In Eritrea ist die Prügelstrafe nur verboten, wenn sie sich gegen Kinder unter 15 Jahren richtet oder ihre physische und psychische Gesundheit gefährdet. So bleibt eine „angemessene“ Prügelstrafe legal und wird deshalb von der Gesellschaft weitgehend akzeptiert und angewendet. Deshalb werden viele Kinder Opfer von Gewalt, besonders im Kreis der Familie oder der Schule. Den Familien ist nicht klar, dass eine solche Strafe die Gesundheit beeinträchtigt, vor allem aber auch die Würde der Kinder schädigt.

Zudem geht die unmenschliche Gewalt, die die Kinder erniedrigt, oft von der Polizei und dem Militär aus. Beispielsweise werden inhaftierte Kinder brutal geschlagen und gequält.

Das Recht auf Gesundheit

Einige Anstrengungen der neueren Zeit haben bereits Früchte getragen und den Gesundheitszustand der eritreischen Kinder verbessert. Dennoch ist dieser Zustand noch immer sehr schlecht, besonders im Hinblick auf die Zahlen, wie zum Beispiel der Kindersterblichkeit, die bei etwa 55 ‰ liegt. Das Leben der Kinder ist oft bedroht von Krankheiten, fehlenden Impfungen, schlechter Hygiene…

Die medizinische Versorgung findet großteils in den urbanen Gebieten des Landes statt, wodurch den Kindern, die in den ländlichen Gegenden leben, der Zugang zu dieser Versorgung versagt bleibt.

Nur 5 % der Eritreer haben Zugang zu guten sanitären Anlagen. Deshalb ist die Hygiene in den meisten Dörfern sehr schlecht, da Toilettenanlagen, hygienische Waschmöglichkeiten, Seife und so weiter fehlen.

AIDS

Die Prävalenzrate von AIDS ist in Eritrea beunruhigend hoch und die Zahl der HIV-positiven Personen steigt stetig weiter an. Dabei könnte eine bessere Prävention und die Sensibilisierung von Kindern und Müttern im Hinblick auf das Virus die Zahl der Neuinfektionen vermindern. Auch eine gute Unterstützung und Behandlung infizierter Personen ist nicht vorhanden, trotz jüngster Fortschritte in diesem Bereich.

Neben den Auswirkungen auf die physische Gesundheit der Kinder hat AIDS auch sonst einen Einfluss auf ihr Leben.. Beispielsweise werden viele von Ihnen zu Waisen, da die Eltern an der Krankheit sterben. Dadurch verschlechtern sich ihre Zukunftsaussichten enorm.

Straßenkinder

Immer mehr Kinder in Eritrea leben auf der Straße. Ihre prekäre Situation liefert sie den Schwarzhändlern und Dealern aus, wodurch sie immer öfter zu Opfer von Menschenhandels und Prostitution werden.

Um dieser harten Realität zu entfliehen, wenden sich die Jugendlichen auf der Straße oft Cannabis oder Alkohol zu oder inhalieren die Dämpfe von Benzin. Die Lebensumstände sind sehr schwierig und haben meist negative Auswirkungen auf ihre physische, psycho-soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung.

Recht auf Identität

Trotz der Versuche zur Verbesserung in diesem Bereich wird das Recht auf Identität nicht jedem eritreischen Kind zugestanden, besonders nicht denen, die einer Minderheit angehören. Doch nur durch die Registrierung der Geburt des Kindes und damit der Zuweisung der Nationalität erhält es seine Rechtsfähigkeit. Dadurch werden Kinder, die nicht registriert wurden, nicht offiziell als Teil der Gesellschaft anerkannt und können ihre Rechte nicht einfordern.
Recht auf Bildung

Nur 39 % der Kinder besuchen eine Schule. Damit rangiert Eritrea auf Platz 5 der weltweit schlechtesten Bildung. Die Schwierigkeiten bei dem Zugang zu Schulbildung betreffen besonders die Kinder, die in den ländlichen Gegenden leben, da sie viele Kilometer zu Fuß bei überwältigender Hitze laufen müssen, um zur Schule zu gelangen. Außerdem sind manche Familien Nomaden, was den Zugang ihrer Kinder zu Bildung erschwert.

Die eritreischen Familien lehnen es ohnehin ab, dass ihre Töchter zur Schule gehen, da deren Zukunft schon vorbestimmt ist: Sie werden so früh als möglich verheiratet und haben dann keine Verwendung mehr für Schulbildung.

Zudem sind die Mittel, die dem Bildungssektor zugesprochen werden, sehr schlecht: Lehrbücher, Gebäude, Sanitäranlagen… all dies ist veraltet, wenn nicht gar nicht existent.

Genitalverstümmelung

Im Jahr 2007 hat die Regierung von Eritrea offiziell die Beschneidung von Mädchen verboten. Dennoch lag die Rate der Genitalverstümmelung von Mädchen im Jahr 2009 in Eritrea noch bei 60%.

Die unsichere und unhygienische Umgebung, in der die Beschneidung durchgeführt wird, hat oft schwere gesundheitliche Folgen für die Mädchen: Es folgen Infektionen, starke Blutungen oder andere Probleme.

Kinderehe

Jede zweite Jugendliche in Eritrea wird verheiratet, noch bevor sie die Volljährigkeit erreicht, obwohl das legale Alter für eine Heirat bei 18 Jahren liegt. Das Gewohnheitsrecht hingegen erlaubt die Heirat in einem viel jüngeren Alter, in einigen Fällen ab nur 13 Jahren. Zudem steigt die Zahl der Mädchen stetig, welche sehr jung verheiratet werden.

Kinderehen haben negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder, ihre Entwicklung und die Inanspruchnahme ihrer Rechte. Werden sie frühzeitig verheiratet, haben die jungen Mädchen nur noch eingeschränkte Möglichkeiten für soziale Interaktionen, da sie nicht mehr zur Schule gehen dürfen. Außerdem riskieren sie, frühzeitig schwanger zu werden, was sowohl für die eigene als auch für die Gesundheit des Kindes sehr gefährlich werden kann.