Kinder der Elfenbeinküste

Kinder der Elfenbeinküste

Einsatz für die Kinderrechte in Elfenbeinküste

Die Kinderrechtssituation in der Elfenbeinküste ähnelt der politischen Lage des Landes: Sie ist chaotisch. Nach den Nachkriegswahlen im Jahr 2010 muss das Land nun große Fortschritte im Gesundheits- und Bildungswesen sowie im Kampf gegen Kinderhandel und -arbeit machen.

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Index der Realisierung von Kinderrechten:
5,48 / 10
Schwarz Stufe:
sehr Schwierige Situation

Bevölkerung: 22,4 M.
Bev. 0-14 Jahren: 39,3 %

Lebenserwartung: 50,7 Jahre
Kindersterblichkeit: 67 ‰

Die Hauptprobleme ivorischer Kinder:

Armut

Es wird angenommen, dass 42% der ivorischen Bevölkerung unter Armut leiden. Die Löhne von Arbeitern in der Elfenbeinküste sind während der letzten zehn Jahre stark gesunken und Experten schätzen, dass die Armutsquote bis 2015 auf 64% steigen wird, sollte diese Situation anhalten. Wie  so häufig  sind besonders ländliche Gebiete von  Armut betroffen. Außerdem wurde festgestellt, dass das Problem von Straßenkindern in der Elfenbeinküste besonders weit verbreitet ist.

Recht auf Gesundheit

Der Zugang zum Gesundheitssystem ist in der Elfenbeinküste besonders problematisch. Die Sterberate von Kindern unter fünf  Jahren liegt bei 119 von 1000, etwa jedes zehnte Kind stirbt bei der Geburt

Die Hauptursache der hohen Kindersterblichkeit ist Malaria: Im Durchschnitt sterben daran 60.000 Kinder pro Jahr. Durchfall und Atemwegsinfektionen enden ebenfalls häufig tödlich. Dank groß angelegter Impfkampagnen wurde in den letzten Jahren ein spürbarer Fortschritt erzielt, aber die Lage ist dennoch ernst, besonders in ländlichen Gebieten, wo es an medizinischen Einrichtungen mangelt.

AIDS

Die Elfenbeinküste ist das am meisten von AIDS betroffene Land Westafrikas: 10% der mit dem Virus infizierten Menschen in Afrika leben in der Elfenbeinküste. Nach Erhebungen der  UNAIDS– wurden mehr als 400.000 ivorische Kinder wegen der Krankheit zu Waisen. Jährlich stecken sich rund 16.000 Kinder an und nur die wenigsten haben Zugang zu Behandlungen. Für die Elfenbeinküste ist es unerlässlich, junge Menschen über die Gefahren und die Prävention von AIDS aufzuklären und sie dahingehend zu sensibilisieren.

Recht auf Bildung

Nur 62% der ivorischen Kinder gehen zur Schule. Es besteht eine Ungleichheit im Zugang zu Bildung zwischen Mädchen und Jungen ebenso wie zwischen städtischen und ländlichen Gebieten. In der Elfenbeinküste mangelt es sowohl an Einrichtungen als auch an qualifiziertem Personal. Dadurch erreicht fast die Hälfte aller ivorischen Kinder nicht einmal das fünfte Jahr der Grundschule. Das liegt  insbesondere daran, dass der Besuch einer Schule weder kostenlos noch verpflichtend ist.

Kinderarbeit

Etwa jedes dritte Kind der Elfenbeinküste ist gezwungen, arbeiten zu gehen, um sich und seine Familie zu ernähren. Mehr als 5.000 Kinder arbeiten auf Kakaoplantagen, doch weniger als 1% von ihnen wird bezahlt. In städtischen Gebieten werden junge Mädchen häufig als Hausangestellte ausgebeutet. Andere Branchen, wie etwa Holz verarbeitende und Lebensmittelindustrien oder Handwerksbetriebe, beschäftigen ebenfalls eine große Anzahl Kinder. Am dramatischsten ist jedoch, dass ivorische Kinder täglich ihr Leben in  Minen riskieren, wo die Lebensbedingungen noch weitaus schlimmer sind.

Recht auf Wasser

Mehr als 40% der Ivorer haben keinen Zugang zu einer sanitären Grundversorgung. Das Problem ist in ländlichen Regionen besonders gravierend, wo mehr als 4 Millionen Menschen ungeklärtes Wasser trinken. Viele Kinder leiden daher an Durchfall und anderen durchs Wasser übertragenen Krankheiten. In einem Land, in dem Schulen nicht mit anständigen Toiletten ausgestattet sind, ist Hygiene ein großes Problem.

Kindersoldaten

Die Elfenbeinküste ist eins von 20 Ländern auf der schwarzen Liste der Nationen, die im Krieg Kindersoldaten einsetzen. UNICEF schätzt, dass an den Konflikten nach dem ersten Putsch von 1999 und den bewaffneten Auseinandersetzungen von 2010 etwa 5.000 Kindersoldaten teilnahmen.

Nicht alle Kindersoldaten kämpfen an der Front: Sie werden ebenso von bewaffneten Gruppen als Köche, Träger, Spione, Sexsklaven oder menschliche Minensucher rekrutiert. Die Reintegration dieser Kinder in die Gesellschaft ist in der Elfenbeinküste ausgesprochen schwierig, da die Bürgerkriege nicht abebben und viele junge Menschen nicht wissen, was sie mit ihrem Leben machen sollen.  

Kinderhandel

In vielen afrikanischen Ländern gibt es die Tradition, dass man Kinder ins Ausland schickt, um ein Handwerk zu erlernen. Mit den Jahren hat sich diese Praxis jedoch zunehmend in einen  regelrechten Kinderhandel verwandelt, bei dem Mittelsmänner Familien bezahlen, um deren Kinder anschließend ausbeuten zu lassen. Die Elfenbeinküste ist so zum Knotenpunkt von  Kinderhandel geworden. Kinder in ländlichen Gebieten sind davon am meisten betroffen: Sie werden in reichere, städtische Gebiete gebracht, zu allen möglichen Arbeiten gezwungen und oft auch misshandelt. Viele von ihnen arbeiten auf Kakaoplantagen.

Kinderehen

35% der jungen Ivorerinnen sagen,  von sich, dass sie bereits vor ihrem 18. Lebensjahr geheiratet haben. Diese Ehen führen zu ernsthaften Gesundheitsproblemen für die jungen Frauen, da sie mental nicht vorbereitet sind und nicht alle Pflichten und Konsequenzen einer Ehe begreifen können. Häufig werden sie  während ihrer Hochzeitsnacht vergewaltigt oder werden später Opfer sexueller Gewalt. Außerdem sind diese jungen Frauen weder psychisch noch  körperlich für Schwangerschaften bereit.

Recht auf eine Identität

Nur die Hälfte aller Geburten werden in der Elfenbeinküste offiziell registriert. Dieses Defizit kann zum Teil dadurch erklärt werden, dass das Land durch die gewaltsamen Konflikte der letzten Jahre zerrissen wurde.

Die Registrierung von Geburten und die Anerkennung der Staatsbürgerschaft verleihen einem Kind jedoch Rechte. Kinder ohne eine Identität werden jedoch nicht offiziell als Teil der Gesellschaft   und  haben somit auch keine Rechte.