Kinder in Liberia

Kinder in Liberia

Die Verwirklichung der Kinderrechte in Liberia

 

Die Situation der Kinderrechte in Liberia ist besonders schlecht. Armut, ein Mangel an Engagement der Regierung und die Nichteffizienz des Justizsystems schaden den Kindern. Vielen Kindern fehlt es besonders an Zugang zu Gesundheitsdiensten und Bildung. Sie sind Opfer von schädlichen traditionellen Praktiken, von Missbrauch und Kinderhandel. Viele von ihnen arbeiten oder leben auf der Straße.

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Index der Realisierung von Kinderrechten:
4,73 / 10
Schwarz Stufe:
sehr Schwierige Situation

Bevölkerung: 3,98 Millionen
Bev. 0-14 Jahren: 44,1 %

Lebenserwartung: 60,6 Jahre
Kindersterblichkeit: 53 ‰

Die Hauptprobleme, mit denen die Kinder in Liberia konfrontiert sind:

Armut

Geschwächt durch den Bürgerkrieg von 1989 bis 2003 und durch die gegenwärtige ökonomische Krise, ist Liberia eines der ärmsten Länder der Welt. 84% der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze (weniger als 1,25 US-Dollar täglich), insbesondere in ländlichen Gegenden.

Mit durchschnittlich 5,2 Kindern pro Frau besitzen die meisten Liberier nicht die Mittel, um die Bedürfnisse ihrer zahlreichen Nachkommen zu befriedigen. Viele liberianische Kinder haben keinen Zugang zu ausreichender und ausgewogener Nahrung. Nur eines von vier hat Zugang zu Trinkwasser, 40% leiden an Unterernährung und eines von fünf ist unterernährt. Diese Ernährungsmängel führen zu einem Mangel an Vitaminen und Eisen, der wiederum zu Wachstumsstörungen (Gewicht und Größe) und manchmal sogar zum Tode führen kann.

Armut ist ein schwerwiegender Faktor für die Kinderrechtsverletzungen in Liberia.

Das Recht auf Gesundheit

Aufgrund des Mangels an Gesundheitsressourcen haben viele Kinder und schwangere Frauen keinen Zugang zu Krankenhäusern und noch weniger zu Behandlungen und medizinischem Personal, besonders auf dem Land. Dies erklärt die hohen Sterblichkeitsraten von Kindern und Müttern, die zu den höchsten in der Welt gehören.

Aufgrund des Mangels an Informationen und Schutzmaßnahmen (Empfängnisverhütung und Medizin zur Vorbeugung der Übertragung von Krankheiten von der Mutter auf das Kind) sind ungefähr 1% der Bevölkerung mit HIV/AIDS infiziert, wovon 6.000 Kinder jünger als vier Jahre sind. Die Anzahl der Kinder, die von Tuberkulose oder Malaria betroffen sind, ist gleichsam schwerwiegend und scheint nicht abzunehmen.

Das Recht auf Bildung

Selbst heute noch zeigt das vernachlässigte liberische Bildungssystem – trotz Mühen zur Verbesserung – einen Mangel an Maßnahmen. Und trotz eines Alphabetisierungsgrads von 75% für die Gruppe der 15-24-Jährigen verfolgen nur wenige Kinder nach der Primärstufe weitere Schulbesuche. In ländlichen Gebieten gehen manche Kinder niemals zur Schule.

Diese niedrige Einschreibungsrate beruht zusammen mit den Schulkosten auf einem Mangel an Einrichtungen und Mitteln. Während der Schulbesuch offiziell umsonst und verpflichtend ist, haben die Eltern in der Realität viele versteckte Kosten zu zahlen: Stifte, Uniformen, Bücher, Schreibtische und selbst Lehrer, welche allgemein unterbezahlt und nicht gut ausgebildet sind. Eltern, die nicht genug Geld haben, können ihre Kinder nicht zur Schule schicken.

In vielen ländlichen Gemeinden werden Kinder für ihren Unterricht in komplett isolierte „Busch-Schulen“ (prodo für Jungen und sande für Mädchen) geschickt, wo sie gemäß den Traditionen unterrichtet werden. Obwohl sie zum Erhalt der kulturellen Identität des Landes beitragen, sind diese unkontrollierten Zentren für die Bildung der Kinder unzuträglich, weil diese ihren Unterricht aufgeben und stattdessen bestimmte schädliche kulturelle Praktiken pflegen (siehe unten).

Das Recht auf Identität

Gemäß der Verfassung des Landes wird nur Menschen liberianischer oder afrikanischer Herkunft ein nationaler Status gewährt. Zahlreiche Bürger befinden sich in der Situation, keine politischen und sozialen Rechte zu haben – eines von ihnen ist Grundbesitz. Einige in Liberia geborene Kinder entsprechen den Anforderungen nicht und werden deswegen zu staatenlosen Personen, obwohl ihre Eltern für viele Jahre im Land gelebt haben. Dies ist zum Beispiel der Fall für die Kinder großer libanesischer Gemeinschaften sowie der liberianisch-amerikanischen Gemeinschaft. Weiterhin werden nur 3% der Geburten in ländlichen Gebieten und 5% in städtischen Gemeinden registriert. Deshalb bleiben viele Kinder ohne Geburtsurkunde, wodurch ihnen Rechte verloren gehen.

Das Rechtswesen für Minderjährige

Justiz für Jugendliche

Im Jahr 2011 führte Liberia Leitlinien für die Schaffung einer Justiz für Minderjährige ein. Doch die Umsetzung von Gesetzen und Verfahren für Straftäter und Kinder, die Schutz benötigen, ist immer noch sehr schleppend.

Das Gerichtssystem ist aufgrund fehlender Mittel und fehlendem Personal langsam und ineffizient. Polizisten führen ihre Untersuchungen nicht gut durch, und oft bleiben Schuldige unbestraft. Kinder erhalten als Opfer selten eine Wiedergutmachung.

Trotz einiger Verbesserungen seit 2010 sind die Polizei und das Strafsystem durch Missbrauch gekennzeichnet: es kommt zu willkürlichen Verhaftungen, die zu Folter und anderen schlechten Behandlungen, Betrug, Einschüchterung und Bedrohung führen.

Populäre und traditionelle Justiz

Aufgrund der Ineffizienz und der allgemeinen Korruption haben Liberier kein Vertrauen in ihr Justizsystem und klären ihre Dispute oft selbst oder wenden sich an private Milizen außerhalb der Kontrolle der Behörden.

Auch sind die Systeme der traditionellen Justiz der ländlichen Gegenden nicht immer kohärent mit legalen Verfahren, und dies umso weniger, was die Bedürfnisse von Kindern betrifft. Prozesse mit Torturen, eine Praxis, in welcher die Unschuld oder Schuld eines Individuums auf eine willkürliche Weise (einschließlich Folter, die in einigen Fällen zum Tod führt) festgestellt wird, werden immer noch in einigen Gegenden des Landes durchgeführt. Auf diese Weise erleiden Minderjährige ohne jede Möglichkeiten einer Verteidigung Formen von willkürlicher Justiz.

Haftbedingungen

Die Haftbedingungen in Liberia sind extrem schlecht. In überfüllten Haftanstalten mangelt es an Essen, Wasser, Waschmöglichkeiten und medizinischen Diensten. Es kommt oft zu Gewalt, und viele Gefangene werden angegriffen. Diese Umgebung hat nachteilige Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit der inhaftierten Kinder. 90% der Gefangenen, die oft mit verurteilten Kriminellen gehalten werden, erwarten eine Gerichtsverhandlung. Bestimmte Kinder, die in Konflikt mit dem Gesetz gekommen sind, bleiben bis zu einem Jahr vor der Gerichtsverhandlung eingesperrt. Unabhängig davon, ob ihre Verhaftung vorübergehend oder als Ergebnis einer Strafverkündigung stattfindet, werden einige minderjährige Straftäter mit Erwachsenen zusammen gefangen gehalten. Für sie existieren weder ein Zuhause noch Haftzentren für Jugendliche. Wenn sie freigelassen werden, erhalten sie keine Möglichkeit der Rehabilitation, was ihren sozialen Ausschluss und weitere Nachteile bedeutet.

Schädliche kulturelle Praktiken

Weibliche Genitalverstümmelung (FGM)

Leider, ist die weibliche Genitalverstümmelung noch immer gang und gäbe in Liberia.Die Landesgesetze verbieten sie nicht formell. So schmerzvoll und gefährlich diese barbarischen Akte für die Gesundheit junger Mädchen sind, werden sie vor allem in ländlichen Gebieten allgemein im Zuge von Initiationsriten praktiziert. Insbesondere Sande`s geheime „Busch-Schulen“ für Mädchen werden als Initiationsritus auf dem Weg zum Erwachsenwerden und als eine Garantie gegen Untreue angesehen.

Kinderheiraten

Kinderheiraten und vorzeitige Schwangerschaften sind ein weitverbreitetes Phänomen im Land.19% der Mädchen werden im Alter von 15 Jahren und 40% von ihnen bevor sie 18 Jahre alt sind verheiratet. Die Geburtsrate bei liberischen Jugendlichen ist die zweithöchste in der Welt (117/1.000), und in bestimmten Fällen sind diese auf Traditionen zurückgehenden Praktiken umso schädlicher für die Entwicklung der Kinder, die sie gebären oft ohne Zustimmung der Mutter.

Rituelle Meuchelmorde

Ignoriert von der Bevölkerung und der öffentlichen Wahrnehmung wurden Fälle ritueller Meuchelmorde, auch gegen Minderjährige, berichtet. Diese Mörder werden beschuldigt, Organe zu beschaffen, die in traditionellen Riten, an welchen prominente Mitglieder der Gesellschaft teilnehmen, Verwendung finden.

Kindesmissbrauch

Die Häufigkeit vernachlässigender und gewalttätiger Akte inklusive sexuellen Missbrauchs, gegen Kinder ist sehr besorgniserregend. Gewalttätige Handlungen insbesondere in Familien sind weit verbreitet und werden selten bestraft. Kinder werden in Gefängnissen gehalten, und körperliche Gewalt gegen sie ist weder in der Schule noch zu Hause formal verboten.

Die Vergewaltigungsopfer sind meist Mädchen im Alter von 10 bis 16 Jahren (70% der Fälle). Aus Angst, von der Familie und der Gesellschaft ausgegrenzt zu werden, wagen es viele von ihnen nicht, gegen die Täter auszusagen. Zudem ist sexuelle Belästigung noch nicht einmal per Gesetz strafbar. So finden sich Jungen und Mädchen in einer belastenden und potenziell gefährlichen Situation ohne jede Mittel für eine Verteidigung.

Kinderarbeit

Hauptsächlich aufgrund der Armut und mangels der Möglichkeit, eine Schule zu besuchen sowie wegen bestimmter kultureller Praktiken kommt Kinderarbeit in jedem Aktivitätsbereich inklusive seiner gefährlichsten Formen vor. Kinder werden als Prostituierte, Diener, zur Kontaktaufnahme mit Leuten, Straßenverkäufer, und als Arbeiter auf Gummibaumplantagen, in Steinbrüchen sowie auf Diamantenminen eingesetzt.

Die Beschäftigung und die Arbeitsanleitung von Kindern, die jünger als 16 Jahre sind, ist während der Schulstunden offiziell verboten. Ebenfalls verboten ist es, sie gefährlicher Arbeit auszusetzen. Doch oft genug wird das Gesetz nicht respektiert. 21% der liberianischen Kinder sind immer noch gefährlichen Arbeitsbedingungen ausgesetzt.

Sexueller Missbrauch, Gewalt, schwere Lastentransporte, Arbeit in engen Räumen und selbst die Bedienung gefährlicher Geräte haben schädigende Auswirkungen auf die physische und psychische Entwicklung von Kindern, die diesen Bedingungen ausgesetzt sind. Die Vorenthaltung des Schulbesuchs hat zur Folge, dass sie nicht gebildet werden und in ihrem späteren Leben keine leichtere Tätigkeit annehmen können.

Zudem sind viele Kinder aufgrund des Bürgerkriegs  im Nachbarland Elfenbeinküste und des massiven Einzugs von Flüchtlingen in arme Dörfer nahe der Grenze gezwungen zu arbeiten, um zu überleben. Sie bieten sexuelle Dienste an oder nehmen haushälterische haushälterische Tätigkeiten um Nahrung oder eine Unterkunft für die Nacht zu bekommen.

Kinderhandel

In Liberia sind viele Kinder Opfer von Menschenhandel. Meistens werden sie in ihrem eigenen Land umgesiedelt und ausgebeutet – oft durch Mitglieder der eigenen Familie. Andere kommen aus Nachbarländern.

Auch Waisenhäuser, die von zwielichtigen Individuen geleitet werden, sind in Kinderhandel verwickelt. Durch Spenden, Regierungshilfen und leichtgläubige Eltern, die davon ausgehen, dass ihre Kinder dort ein besseres Leben haben, sind diese Einrichtungen in der Realität sehr gefährlich für die Gesundheit und für die moralische Umgebung der Kinder.

Das Problem des Menschenhandels in Liberia wird verstärkt durch das Fehlen einer entsprechenden Strafgesetzgebung.

Straßenkinder

In den Straßen Liberias leben viele Kinder, insbesondere in der Hauptstadt Monrovia. Viele von ihnen kommen aus armen ländlichen Gebieten und sind gezwungen, in der Stadt zu arbeiten weil sie von ihren verarmten Eltern noch vor dem Erreichen der Volljährigkeit fortgeschickt werden. Andere wurden während des Bürgerkrieges und haben ihre Familie verloren. Der Mangel an Waisenhäusern und die schreckliche Lebensqualität in den bestehenden Waisenhäusern begrenzt die Anzahl der Kinder, denen Hilfe zukommt. Meistens sind die Kinder gezwungen, zu arbeiten und auf der Straße zu essen und zu schlafen, ohne dass ihre Grundbedürfnisse gestillt würden. Dadurch sind sie anfällig für Gewalt, Menschenhandel, und sexuelle Ausbeutung.

Kriegsauswirkungen

Noch heute kann man die Auswirkungen des Bürgerkriegs  der Liberia von 1989 bis 2003 heimsuchte, spüren. Fast alle über 10 Jahre alten Kinder wurden Zeugen oder direkte Opfer von Gräueltaten. Einige Kindersoldaten, haben diese Taten selbst begangen. Viele erlitten ernste psychologische Traumata ohne medizinische Hilfe zu bekommen, welche sie für ihren Heilungs- und Reifeprozess benötigen.

Die Integrierung von Kindersoldaten scheint auf dem richtigen Weg zu sein, auch wenn noch viele Ergebnisse ausstehen. 70% der Kinder gehen in die Schule, und 95% haben keinen Kontakt mehr zu ihren ehemaligen Vorgesetzten. Viele von ihnen wurden vergewaltigt oder zur Heirat gezwungen marry  und werden heute von ihren Familienkreisen ausgeschlossen.

Dies führt dazu, dass sie auf den Straßen leben müssen, wo sie dem Kinderhandel-Netzwerk ausgesetzt sind.

Diskriminierung

Aufgrund des Krieges ist die Anzahl von Kinderinvaliden recht hoch. 16% der liberischen Bevölkerung sind kriegsversehrt. Diese Menschen werden,insbesondere in ländlichen Gegenden, beim Zugang zu Gesundheitsdiensten, zur Schule und Arbeit diskriminiert. In der Gesellschaft sind bestimmte, mit Hexenmagie verbundene Vorstellungen verwurzelt, die dazu führen, die Ursachen der Behinderung zu verzerren. So kommt es, dass Familien und die allgemeine Bevölkerung diese Menschen ablehnen.

Girls equally suffer from discrimination Mädchen leiden in erster Linie an der Diskriminierung. Aktionen seitens der Regierung, die Glaubensvorstellungen zu ändern, fehlen, denn die bedeutendere Rolle wird traditionellerweise immer dem Jungen zugeschrieben. Auch ist das Justizsystem nicht in der Lage, diejenigen zu bestrafen, die ihre Rechte verletzen. Mädchen gehen seltener zur Schule (nur 14% gehen in die Oberstufe). Sie haben ein höheres Risiko vergewaltigt oder jung verheiratet zu werden. Auch sind sie eher Opfer physischen oder sexuellen Missbrauchs.