Staatenlos und unsichtbar

Staatenlos und unsichtbar

Kinder ohne Identität

Wenn die Geburt nicht staatlich anerkannt und eingetragen wird, besteht für ein Kind das Risiko der Staatenlosigkeit. Im Ergebnis wird das Kind keine offizielle Identität oder Staatsbürgerschaft besitzen und daher in den Augen der Gesellschaft unsichtbar sein.

Verschiedene Arten der Staatenlosigkeit

De-jure-Staatenlosigkeit: Wenn ein Staat, auf dessen Territorium eine Person die Staatsangehörigkeit beantragt, keine internationale Anerkennung von anderen Staaten besitzt; wie zum Beispiel in Palästina.

De-facto-Staatenlosigkeit: Wenn ein Staat, auf dessen Territorium eine Person die Staatsangehörigkeit beantragt, ihr diese verweigert, da die Person keine rechtsgültigen Nachweise erbringen kann (Geburtsurkunde, etc.), entweder aus wirtschaftlichen Gründen oder aufgrund interner Spannungen, Unruhen etc..

Die Ursachen für Staatenlosigkeit

Bei Kindern gibt es eine Vielzahl von Gründen für Staatenlosigkeit: die Eltern sind Flüchtlinge, Verlust der Geburtsurkunde, Kinder von ethnischen oder indigenen Gruppen, etc.

Der Hauptgrund für Staatenlosigkeit ist jedoch das Versäumnis, das Kind nach der Geburt offiziell registrieren zu lassen.

Diesem Unterlassen der Meldepflicht können verschiedene Faktoren zugrunde liegen, zum Beispiel wenn ein Staat ernsthafte wirtschaftliche Not erleidet oder einen bewaffneten Konflikt bewältigen muss. In solchen Fällen sieht der Staat die Aktualisierung des Melderegisters nicht als Priorität an. Die Leistung des Personals im Meldeamt kann mangelhaft sein, weil es zum Beispiel nicht genügend qualifiziertes Personal gibt, weil sie etwa zu weit entfernt sind oder weil die Prozeduren zu teuer oder komplex sind.

In bestimmten Ländern können die Eltern nicht einschätzen, wie wichtig eine offizielle Meldung für ihre Kinder ist. Einige sparen sich den Aufwand dieser Prozedur, da sie sie als reine Formalität ansehen.

Darüber hinaus können Armut und gewisse kulturelle Eigenheiten Eltern dazu veranlassen, ihre Kinder zurückzulassen oder zu verkaufen. Nomadische Lebensgewohnheiten sind schließlich eine weitere Ursache für Staatenlosigkeit. Kinder, die in einer nomadischen Umgebung aufwachsen, werden üblicherweise nicht bei der Geburt registriert.

Konsequenzen der Staatenlosigkeit: unsichtbare Kinder in den Augen der Gesellschaft

Kinder, die in keinem offiziellen Dokument oder keiner offiziellen Statistik erscheinen, werden auch als „unsichtbar“ bezeichnet: das bedeutet, dass sie keine Rechtspersönlichkeit besitzen. Diese Kinder werden mit Ausschluss und Diskriminierung konfrontiert werden; ein Nachteil, der sie ihr gesamtes Leben verfolgen wird.

Kinder ohne offizielle Identität besitzen keine Ausweisdokumente. Daher sind sie nicht in der Lage, ihr wahres Alter zu belegen und können somit nicht von den Jugendschutzmaßnahmen profitieren. Diese Begebenheit ist sehr problematisch – insbesondere für Jugendliche, die so Gefahr laufen, als Erwachsene zu gelten.

Sie werden nicht von den Angeboten profitieren, auf die sie ein Anrecht haben – wie Bildungsangebot, Gesundheitsvorsorge etc.. Sie werden auch nicht in der Lage sein, den Schutz ihrer Grundrechte in Anspruch zu nehmen, und sind einem größeren Risiko der Prostitution, des Missbrauchs und der Zwangsarbeit ausgesetzt. Der Verstoß gegen ihre Rechte wird unbemerkt bleiben, da sie in den Augen der Gesellschaft unsichtbar sind. Die fehlende Anerkennung hat extrem negative Auswirkungen auf diese Kinder.

Im Gegensatz zu anderen Kindern sind sie dazu verurteilt, am Rande der Gesellschaft zu leben – ohne wirkliche Chance auf Entwicklung, Integration oder Verwirklichung.

Im Allgemeinen kommen diese Kinder aus armen und marginalen Verhältnissen, und da sie niemals als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft anerkannt werden, werden sie am Ende noch mehr ausgegrenzt.

Als Konsequenz daraus sind sie nicht fest mit der Gemeinschaft um sie herum verbunden, wodurch ein Gefühl der Ablehnung und der Rebellion gegenüber der Gesellschaft entsteht.

Invisible children (Trailer)
Ein Film von Medhi Charef, Emir Kusturica, Spike Lee, Katia Lund, Jordan & Ridley Scott, Stefano Veneruso, John Woo.

Zusammenfassung: Die Schicksale von Kindern aus allen Himmelsrichtungen der Erde, durch die Augen von acht der weltweit renommiertesten Regisseure. Sieben zerstörte Leben, sieben missbrauchte und ignorierte Kindheiten, wie so viele Zeugen und Rufe um Aufmerksamkeit der Erwachsenen. (1)

UNICEF Frankreich möchte zur Verbreitung des Films beitragen, um Jugendliche zu informieren und sie für die Lebensbedingungen der Kinder weltweit zu sensibilisieren.

 

Übersetzt von : Nadine Cesson
Bewertet von : Anna Pallaske
Verfasst am 26. Juli 2013