Verwirklichung der Kinderrechte in Griechenland


Das Thema Kinderrechte in Griechenland umfasst zahlreiche Aspekte, die sowohl den sozialen Fortschritt als auch die anhaltenden Herausforderungen widerspiegeln. Obwohl das Land große Fortschritte bei der Anpassung an internationale Rechtsstandards wie die UN-Kinderrechtskonvention gemacht hat, leben viele Kinder in Griechenland weiterhin unter schwierigen Bedingungen. Zunehmende Fälle von Fettleibigkeit bei Kindern verdeutlichen die Herausforderungen bei Ernährung und gesundem Lebensstil. Gleichzeitig unterstreicht die wachsende Bedrohung durch Onlinerisiken den dringenden Bedarf an besseren Schutzmaßnahmen und digitaler Bildung für Kinder. In ähnlicher Weise bleibt Armut ein anhaltendes Problem, das den Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Chancengleichheit beeinträchtigt.
Einwohnerzahl: 10,39 Mio.
Bevölkerung im Alter von 0–14 Jahren: 13,2 %
Lebenserwartung: 81,54 Jahre
Sterblichkeitsrate unter 5 Jahren: 3,7 ‰
Griechenland auf einen Blick
Griechenland, in der amtlichen Vollform „Hellenische Republik“ (Ελληνική Δημοκρατία), liegt an der südlichsten Spitze der Balkanhalbinsel. Das Land grenzt im Nordwesten an Albanien, im Norden an Bulgarien und Nordmazedonien sowie im Osten an die Türkei. Athen, die größte Stadt und Hauptstadt Griechenlands, zählt zu den ältesten Städten der Welt. Ihre Besiedlung lässt sich bis in das 5. bis 7. Jahrtausend v. Chr. zurückverfolgen. Dank ihrer besonderen Lage verbindet die Hellenische Republik europäische, balkanische und mediterrane Einflüsse (Danforth et al., 2025).
Griechenland hat über 2.000 Inseln, von denen 170 bewohnt sind. Zu den sechs Hauptinseln gehören: Korfu, Paxos, Lefkada, Ithaka, Kefalonia und Zakynthos. Die Ägäis liegt im Osten, das Ionische Meer im Westen und das Kretische Meer und Mittelmeer im Süden. Griechenland hat eine einzigartige Landschaft mit einer Vielfalt aus Bergen, Flachland, Meer, felsigen Landzungen, Inselbögen und Archipelen (Danforth et al., 2025).

Seit 2015 zählt Griechenland zu den Hauptaufnahmeländern für Asylsuchende, Migranten sowie Flüchtlinge, wobei die Zahl der Seeankünfte Mitte 2019 deutlich anstieg. Dies hat sich auf das griechische Wirtschafts- und Sozialsystem ausgewirkt und wiederum den Zugang zu Grundrechten für asylsuchende und geflüchtete Kinder erschwert (Amnesty International, 2020). Nach Angaben des Ministeriums für Migration und Asyl kamen zwischen Januar und November 2023 insgesamt 41.161 Flüchtlinge und Migranten nach Griechenland. Die Mehrheit von ihnen (34.621 Personen) erreichte Griechenland über den Seeweg, hauptsächlich aus Syrien (26 %), Palästina (18 %) und Afghanistan (17 %). UNICEF schätzte, dass es im Oktober 2023 insgesamt 25.000 Flüchtlings- und Migrantenkinder in Griechenland gab, von denen etwa 7.000 aus der Ukraine ankamen (UNICEF, 2023).
Status der Kinderrechte [1]
Griechenland hat sich mehreren internationalen Abkommen zum Schutz der Kinderrechte verpflichtet. Im Jahr 1993 ratifizierte die Regierung die UN-Kinderrechtskonvention (KRK). Griechenland ist zudem Vertragsstaat weiterer internationaler Menschenrechtsabkommen, darunter das 1983 ratifizierte Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW), das 1970 ratifizierte Internationale Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung und der 1997 ratifizierte Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte.
Die Regierung unterzeichnete das Fakultativprotokoll zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes betreffend die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten im Jahr 2003 und das Protokoll über den Verkauf von Kindern, Kinderprostitution und Kinderpornografie im Jahr 2008. Die Regierung ratifizierte ebenfalls das Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über die schlimmsten Formen der Kinderarbeit (Nr. 182) im Jahr 2001.
Den Bedürfnissen von Kindern gerecht werden
Recht auf Bildung

In Griechenland wird das Bildungssystem vom Ministerium für Bildung, religiöse Angelegenheiten und Sport zentral organisiert und reguliert. Artikel 16 der griechischen Verfassung garantiert allen eine kostenlose, öffentliche und obligatorische Bildung für neun Jahre.
Struktur der formalen Bildung in Griechenland (European Commission, 2025):
- Vorschulerziehung (Προσχολική Εκπαίδευση) (4–6 Jahre; ab 4 Jahren obligatorisch).
- Grundschulbildung (Δημοτικό Σχολείο) (6–12 Jahre).
- Sekundarschulbildung (Δευτεροβάθμια Εκπαίδευση) (12–18 Jahre).
Das Recht auf Gesundheit
Das Gesundheitswesen in Griechenland wird vom Gesundheitsministerium reguliert. Die 2012 gegründete Nationale Organisation für die Bereitstellung von Gesundheitsdiensten (Ethnikos Organismos Parochis Ypiresion Ygeias, EOPYY) fungiert als nationale Krankenkasse. Alle Kinder in Griechenland sind im Rahmen der EOPYY-Versicherung ihrer Eltern oder Erziehungsberechtigten mitversichert. Diese umfasst die kostenlose oder subventionierte Gesundheitsversorgung, den Zugang zu Krankenhäusern, medizinische und diagnostische Tests, Impfungen sowie teilweise oder vollständig erstattete Medikamente und Medizinprodukte (European Commission, 2023).
Laut eines Berichts der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2024 weist Griechenland in Europa die höchsten Raten ungedeckter medizinischer Bedürfnisse infolge finanzieller Hürden auf. Insgesamt haben 11,6 % der Bevölkerung über 16 Jahre keinen Zugang zu notwendigen medizinischen Leistungen. Dies ist die höchste Quote in ganz Europa, wobei der Durchschnitt in der Europäischen Union (EU) 2,4 % beträgt.
Griechenland weist die höchsten finanziellen Barrieren für den Zugang zur Gesundheitsversorgung auf: Etwa 23 % der Griechen mit dem niedrigsten Einkommen können sich diese nicht aus eigener Tasche leisten (Kowalenko, 2024). Die Kosten für die Gesundheitsversorgung und das niedrige Einkommen bleiben die Haupthindernisse für den Zugang von Kindern und Familien zu medizinischen Dienstleistungen. Darüber hinaus sind landesweit, insbesondere in abgelegenen Gebieten, nicht alle medizinischen Dienstleistungen für Kinder verfügbar – insbesondere für Kinder mit Behinderungen, Roma-Kinder, Straßenkinder sowie Flüchtlings- und Migrantenkinder.
Griechenland hat die höchsten Raten von Fettleibigkeit bei Kindern in Europa, was eine große Herausforderung für die öffentliche Gesundheit darstellt. Etwa ein Drittel der griechischen Kinder in verschiedenen Altersgruppen sind übergewichtig oder fettleibig. Im November 2023 startete das Gesundheitsministerium in Zusammenarbeit mit UNICEF den Nationalen Aktionsplan gegen Fettleibigkeit bei Kindern (2022–2026). Dies ist eines der größten Programme (36 Millionen Euro) gegen Fettleibigkeit bei Kindern im Alter von 2–14 Jahren mit dem Ziel, die Prävalenz von 37,1 % im Jahr 2019 auf 24,5 % im Jahr 2025 zu senken (UNICEF, 2023).
Der Nationale Aktionsplan gegen Fettleibigkeit bei Kindern führte gezielte Interventionen in Schulen, medizinischen Einrichtungen und Gemeindezentren durch. Das Hauptziel des Aktionsplans war die Integration von Ernährungsbildungsprogrammen in den Schullehrplan, gesunde Kochkurse und organisierte körperliche Aktivitäten für Kinder. Darüber hinaus umfasste es auch ein kostenloses und frühzeitiges Screening auf Fettleibigkeit mit Unterstützung von registrierten Ernährungswissenschaftlern, Psychologen, Endokrinologen und Kinderärzten. Vor der Umsetzung des Aktionsplans hat die Regierung 2022 das „Greek Pledge“ ins Leben gerufen – eine Initiative, die Lebensmittel- und Getränkeunternehmen dazu ermutigt, ihr Marketing gegenüber Kindern unter 13 Jahren zu verbessern (Cousins, 2025).
Recht auf sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen
Eine 2021 in Griechenland durchgeführte Studie ergab, dass 78 % der Haushalte mit Kindern über eine Wasserversorgung, 66,6 % über Warmwasser und 79,2 % über ein Abwassersystem verfügten. Etwa ein Drittel der Schulen verfügte über Toiletten im Freien mit schlechter Wasserqualität. Im Jahr 2021 lebten Kinder der Roma-Gemeinschaft (12.216 Kinder), die überwiegend in Siedlungen in Attika, Zentralgriechenland und dem Peloponnes ansässig waren, unter mangelnder grundlegender Infrastruktur: ohne Zelte, Container, Wasserversorgung, Straßen, Abwasserentsorgung oder Strom (UNICEF, 2022).
Recht auf Identität
Gemäß Artikel 20 Absatz 1 des Gesetzes 344/1976 muss ein Kind innerhalb von 10 Tagen nach der Geburt beim Standesamt der Gemeinde registriert werden, in der das Kind geboren wird. Familien unterliegen einer Nachmeldegebühr von 60 Euro, wenn die Erklärung nach 90 Tagen abgegeben wird (Asylum Information Database, 2025).
Laut UNICEF Griechenland werden etwa 10 % der Roma-Kinder bei der Geburt nicht registriert. Darüber hinaus haben 3,3 % der Roma Schwierigkeiten beim Zugang zu Zivilstandsregistern wie Personalausweisen und Geburtsurkunden. Dies ist besonders verbreitet in Zentralgriechenland (9,8 %), den Südägäischen Inseln (6,2 %) und den Ionischen Inseln (6,8 %) (UNICEF, 2021).
Risikofaktoren – länderspezifische Herausforderungen
Armut
Die Kinderarmut in Griechenland ist nach wie vor hoch. Bis 2023 lebten etwa 480.000 Kinder (28 %) in Armut. Die Kinder, die in Griechenland am stärksten von Armut betroffen sind, sind Kinder von Migranten und Flüchtlingen, Kinder in Großfamilien oder Alleinerziehendenhaushalten, Roma-Kinder, Kinder aus Familien mit nur einem Haushaltseinkommen bzw. mit arbeitslosen Eltern oder Erziehungsberechtigten sowie Kinder im Gefängnis (Eurochild, 2024).
Die Europäische Union (EU) hat 5,3 Milliarden Euro in den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) in Griechenland investiert. Dieser Fonds wurde entwickelt, um Arbeit, Bildung, Kenntnisse, soziale Inklusion und die Bekämpfung von Ungleichheit und Armut für den Zeitraum 2021–2027 zu fördern. In Griechenland wird der ESF+ über das nationale Programm für Humanressourcen und sozialen Zusammenhalt sowie über 13 regionale Programme umgesetzt (Eurochild, 2024).
Die Europäische Union hat im Jahr 2021 die Initiative „Europäische Garantie für Kinder“ ins Leben gerufen, um Kinderarmut zu bekämpfen und zu verhindern. Diese Initiative stellt sicher, dass Kinder Zugang zu wichtigen Dienstleistungen haben, wie: kostenlose Bildung (darunter Schulaktivitäten und eine gesunde Mahlzeit pro Tag), kostenlose Gesundheitsversorgung, angemessener Wohnraum, Zugang zu gesunder Ernährung und kostenlose frühkindliche Bildung (European Commission, n.d). Die griechische Regierung hat ihren Nationalen Aktionsplan 2022 gezielt mit dem ESF+ verknüpft und legte den Schwerpunkt auf die Bekämpfung von Kinderarmut, die Erweiterung frühkindlicher Versorgung, besseren Zugang zu Gesundheit und Bildung sowie Unterstützung für Kinder mit Behinderungen (Eurochild, 2024).
Heimatvertriebene Kinder
Unbegleitete Minderjährige, Asylsuchende und Flüchtlingskinder gehören nach wie vor zu den am stärksten gefährdeten Gruppen in Griechenland, wobei Tausende von Kindern auf unsichere Weise ins Land kommen. Diese Kinder sind unzureichenden Lebensbedingungen, Haft, Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt.
Laut UNICEF Griechenland sind seit Januar 2024 insgesamt 51.620 Flüchtlinge und Migranten in Griechenland angekommen, wobei 30,4 % davon Kinder sind. Im Juni 2024 gab es schätzungsweise 27.000 Flüchtlings- und Migrantenkinder (41 % Mädchen und 59 % Jungen) (UNICEF, 2024).

Zwischen 2021 und 2023 wurden schätzungsweise 3.123 unbegleitete Minderjährige in „Sicherheitszonen“ in geschlossenen kontrollierten Lagern untergebracht, den sogenannten „Closed Controlled Access Centers“ (CCACs). Diese Lager befinden sich auf den Inseln Kos (804 Minderjährige), Chios (1.006), Leros (418) und Samos (895) (Federal Department of Foreign Affairs, n.d.). Diese Sicherheitszonen wurden entwickelt, um Kindern, die ohne Eltern oder Erziehungsberechtigten ankommen, vorübergehenden Schutz und Unterkunft zu bieten. Tatsächlich herrschten dort jedoch oft überfüllte und unsichere Zustände, ähnlich wie in Haftanstalten.
Die Sicherheitszonen sollten Kindern Schutz und eine vorübergehende Unterkunft bieten. Sie sollten zudem Zugang zu lebenswichtigen Dienstleistungen ermöglichen, etwa für Familienzusammenführung, Vormundschaft und Weitervermittlung in langfristige Unterkünfte. Doch die Kinder in diesen Schutzzonen lebten unter haftähnlichen Bedingungen: überfüllt, mit viel zu langen Aufenthalten, ohne Zugang zu grundlegenden Angeboten wie Gesundheitsversorgung und Bildung. Hygienestandards waren oft mangelhaft, während die Kinder Gewalt und Mobbing ausgesetzt waren (Gebe et al., 2025).
Die CCACs ähneln Haftanstalten mit strengen Regeln, Überwachung, hohen Stacheldrahtzäunen und übermäßiger Polizeikontrolle. Unbegleitete Minderjährige, die in Sicherheitszonen leben, dürfen das Land nur verlassen, wenn sie von einem staatlichen Mitarbeiter begleitet werden. Trotz dieser starken Polizeipräsenz bestreitet die griechische Regierung, dass diese Kinder in Haft gehalten werden. Unbegleitete Minderjährige sollen die Schutzzonen nur so kurz wie möglich bewohnen. Häufig bleiben Minderjährige jedoch deutlich länger dort, weil sich die Bestellung eines gesetzlichen Vormunds verzögert (Gebe et al., 2025).
Ursprünglich waren die Schutzzonen für maximal 70 Kinder ausgelegt. Ein Bericht von Equal Rights zeigt jedoch, dass die Schutzzonen überfüllt waren und zeitweise bis zu 450 unbegleitete Minderjährige beherbergten. Überfüllung lässt keinen Raum für Privatsphäre: Jungen und Mädchen hausen gemeinsam im selben Raum. Sobald die Schutzzonen voll sind, fehlen den Kindern Betten zum Schlafen. Sie haben nur eingeschränkten Zugang zu Essen und Wasser und leben unter unhygienischen Bedingungen, was ihre körperliche und psychische Gesundheit gefährdet (Gebe et al., 2025).
Gewalt und Ausbeutung gegenüber vertriebenen Kindern
Unbegleitete Minderjährige, Asylsuchende und geflüchtete Kinder in den Sicherheitszonen sind oft Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung durch Mitarbeiter, Strafverfolgungsbehörden oder gelegentlich anderer Erwachsener und Minderjähriger in den CCACs ausgesetzt. Täter und Gewaltfälle sind vielfältig und umfassen ein breites Spektrum. Zielgerichtete Interviews mit Kindern aus sogenannten „Sicherheitszonen“ in den letzten zwölf Monaten zeigten vereinzelte Gewaltfälle durch Polizeikräfte sowie häufige Gewalt durch andere Kinder und Mitarbeiter in den CCACs (Gebe et al., 2025).
Diese Gewalt geht oft mit anderen Straftaten einher, etwa illegalem Drogenhandel und -konsum, Diebstahl sowie sexuellem Missbrauch und Ausbeutung. In einem markanten Fall von 2024 im Lager Malakasa berichtete ein 16-jähriges unbegleitetes Kind aus Ägypten von sexueller Gewalt und Folter durch sechs ägyptische Männer (Ekathimerini, 2024). Die Umgebung in den CCACs ist geprägt von endemischer Gewalt unter den Kindern. Es gibt wenig bis gar keine funktionierenden Rechenschaftsmechanismen, um vergangene Schäden zu beheben oder zukünftige zu verhindern (Gebe et al., 2025).
Geschrieben von Vanessa Cezarita Cordeiro
Intern Korrektur gelesen von Aditi Partha
Übersetzt von Amber Groth
Übersetzung lektoriert von Melanie Morawetz
Zuletzt aktualisiert am 26. Oktober 2025
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[1] Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder eine repräsentative Darstellung der Kinderrechte in Griechenland. Eines der zentralen Probleme besteht vielmehr im Mangel an aktuellen und verlässlichen Informationen über die Situation von Kindern; viele vorhandene Daten sind unvollständig, veraltet oder gar nicht existent.
