Kinder in Papua-Neuguinea

Kinder in Papua-Neuguinea

Die Verwirklichung von Kinderrechten in Papua-Neuguinea

 

Kinder in Papua-Neuguinea befinden sich in einer sehr schwierigen Situation. Trotz gewisser Verbesserungen, besonders im Justiz- und Bildungswesen, gibt es noch große Lücken in Bezug auf den Schutz von Kinderrechten. Kinder sind die hauptsächlichen Opfer von Misshandlung, Ausbeutung und dem Versagen des Gesundheitssystems.

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Index der Realisierung von Kinderrechten: 6,15 / 10
Rote Stufe: Schwierige Situation

Bevölkerung : 7,3 M.
Bev. 0-14 Jahren : 35,5 %

Lebenserwartung : 62,4 ans
Kindersterblichkeit : 45 ‰

Hauptprobleme von Kindern in Papua-Neuguinea:

Armut

Da 37 % der Bevölkerung unterhalb der internationalen Armutsgrenze (USD 1,25/Tag) leben, mangelt es vielen Kindern in Papua-Neuguinea an Zugang zu Trinkwasser und angemessener Ernährung. 228 % der Kinder sind mittel bis schwerwiegend unterernährt und 43 % leiden an Wachstumsstörungen. Armut ist außerdem eine der Hauptursachen für Menschenhandel, Ausbeutung, Kinderarbeit und fehlende Schulbildung im Land.

Misshandlung

Körperliche Bestrafung als Erziehungsmethode ist gesetzlich nicht verboten. Eltern und (Haus-)Lehrer greifen oft auf Gewalt zurück, um ihre Kinder zu disziplinieren. Diese Kinder sind im täglichen Leben, zu Hause und in der Schule außerdem oft Opfer von Vernachlässigung und Misshandlung, insbesondere sexueller.

Körperliche Gewalt violence gegen Frauen und Mädchen ist allgegenwärtig und wird von einem großen Teil der Bevölkerung sogar als „normal” angesehen. Dementsprechend ist mehr als die Hälfte der weiblichen Bevölkerung bereits einmal von einem Mann angegriffen worden. Viele, auch unter jungen Paaren, sind schon von ihrem Partner geschlagen worden. Es besteht auch ein sehr hohes Risiko, außerhalb des eigenen Hauses angegriffen zu werden. Mangelnde Strafverfolgung ermutigt die Kriminellen. Dies wird darüber hinaus noch verstärkt, weil die für ihre Brutalität notorischen Ordnungskräfte selbst zahlreiche Gewaltakte, auch sexueller Art, gegen junge Frauen begangen haben.

Kinderhexen

Es werden barbarische Folterungen und Morde an als Hexen bezichtigten Menschen berichtet, oftmals an jungen Frauen und Mädchen. Im Jahr 2010 gab es um die fünfzig Mordfälle in den Provinzen des östlichen Hochlands und Chimbu. Das deutet darauf hin, dass die Zahl der Opfer ansteigt, während die Regierung nichts unternimmt, um diese Morde zu verhindern oder die Täter zu bestrafen.

Gesundheit

Die Kapazitäten des Gesundheitssystems-sowie die grundlegende Gesundheitserziehung sind unzureichend. Das von der Regierung vor einigen Jahren eingerichtete System der freien Gesundheitsversorgung ist aufgegeben worden, da die zugewiesenen Gelder viel zu gering waren und die Infrastruktur am Zerfall ist. Epidemien von Denguefieber, Malaria und Hepatitis A sind nicht selten und werden durch die ungünstigen Klima- und Umweltbedingungen noch gefördert. Die Mütter- und Kindersterblichkeitsraten sind sehr hoch, besonders in ländlichen Regionen. Eins von 21 Kindern erreicht nicht das Alter von 5 Jahren.

Das Land hält auch den traurigen Rekord der höchsten HIV/AIDS-Infektionsrate in der Region. Mehr als 1 % der Bevölkerung sind nach WHO-Berichten infiziert. Schlechter Zugang zu Tests, Behandlungen und Vorbeugungsmethoden fördern die Übertragung der Krankheit, ebenso wie die Schikane von erkrankten Personen oder solchen, die Verhütungsmittel besitzen.

Frauen sind Infektionen mehr ausgesetzt, weil sie zum Ziel sexueller Aggression werden und es Ungleichheiten bei der Behandlung gibt. Sie stellen 60 % der Erkrankten und die Infektionsrate unter Mädchen im Alter von 15-19 Jahren ist die höchste des Landes, viermal so hoch wie die von Männern im selben Alter.

Zusätzlich schätzen die Vereinten Nationen, dass im Jahr 2009 5.610 Kinder aufgrund von HIV/AIDS zu Waisen wurden und dass sich 3.000 Kinder infizierten.

Unterricht

Schulunterricht ist nicht obligatorisch und nur für die ersten beiden Jahre der Primärschule kostenlos. Aufgrund von Geldmangel oder komplexer Familiensituationen haben viele Kinder wenig oder gar keinen Zugang dazu. Manche von ihnen besuchen die Schule sehr spät, was oft zu schulischem Misserfolg führt. Als Folge davon sind mehr als 30 % der 15 bis 24-jährigen Analphabeten.

Kinder in ländlichen Regionen leiden häufiger unter einem Mangel an Schulunterricht. Weniger als 50 % von ihnen besuchen eine Schule, und nur die Hälfte schließt die Primärschule ab. Für Mädchen ist es noch unwahrscheinlicher, eine vollständige Schulbildung zu erhalten, insbesondere auch, weil sie in der Schule oder auf dem Schulweg zu Opfern sexuellen Missbrauchs werden.

Kinderehen

Das gesetzliche Mindestalter für eine Eheschließung ist 16 Jahre für Mädchen und 18 Jahre für Jungen, aber es kann mit Zustimmung der Eltern und des Gerichts auf 14 bzw. 16 herabgesetzt werden. In ländlichen Gemeinden, in denen traditionelle Eheschließungen praktiziert werden, ist es allerdings nicht selten, dass Kinder noch früher heiraten, manchmal bereits mit 12 Jahren.

Diese verfrühten Ehen haben besonders schwerwiegende Folgen für die Mädchen, von denen 15 % im Alter zwischen 15 und 19 Jahren bereits verheiratet oder verlobt sind. Ihre Gesundheit und schulische Ausbildung ist somit gefährdet. Die Praxis eines „Brautpreises” (eine Form der Mitgift), Polygamie und Zwangsverheiratung sind Ursachen von Gewalt und Diskriminierung. Junge Mädchen werden außerdem oft zur Begleichung von familiären Schulden verheiratet und damit ausgebeutet.

Kinderhandel und Ausbeutung

Obwohl es das Abkommen über die schlimmsten Formen Kinderarbeit, unterzeichnet hat, hat Papua-Neuguinea nur unzureichende Maßnahmen ergriffen, um Kinder vor Kinderhandel zu beschützen. Nur sexuelle Ausbeutung wird durch das Abkommen untersagt und auch nur für Mädchen. Kinderhandel zum Zwecke der Ausbeutung als Arbeitskräfte ist damit nicht illegal. In allen Fällen werden die Menschenhändler selten verfolgt und noch seltener bestraft.

Die Ausbeutung von Kindern, auch für gefährliche Arbeit, ist sehr verbreitet. Es sind nur wenige Maßnahmen ergriffen worden, um diesem Phänomen entgegenzuwirken und die Opfer zu schützen. Daher ist die Prostitution junger Mädchen, manchmal ab dem Alter von 10 Jahren, eine verbreitete ökonomische Überlebensstrategie geworden, obwohl das Gesetz schwere Strafen für Fälle von sexuellen Beziehungen zu Minderjährigen vorsieht und Kinderpornographie verbietet.

Nicht selten nehmen die Eltern selbst an der Ausbeutung ihrer Kinder teil, indem sie sie wie Diener oder Prostituierte vermieten, wenn sie nicht selbst für sie sorgen können. Eine häufige Praxis besteht darin, eines seiner Kinder informell von einem reicheren Familienmitglied oder einer wohlhabenderen Familie „adoptieren“ zu lassen, oftmals als Begleichung einer Schuld. Dieses Kind findet sich dann in sklavenähnlichen Bedingungen wieder, in denen es stundenlang ohne Pause, Freizeit, Versorgung oder schulische Ausbildung arbeiten muss.

Straßenkinder

Häusliche Gewalt, der Zusammenbruch der Familie, die Arbeitslosigkeit der Eltern, Landflucht und Druck von Freunden sind die Hauptgründe, aus denen Kinder auf der Straße leben und/oder arbeiten.

Straßenkinder sind heute auf den Straßen der Hauptstadt und um die Baustellen von Bergleuten und Waldarbeitern herum zahlreich zu sehen, wo sie Zigaretten, CDs und Lebensmittel verkaufen, obwohl die Arbeit von Minderjährigen unter 16 Jahren gesetzlich verboten ist (außer unter gewissen Umständen und wenn es ihren Schulunterricht nicht stört). Die Mehrheit dieser Kinder hat nie eine Schule besucht oder diese sehr früh abgebrochen. Die Regierung arbeitet an der nationalen Bekämpfung dieses Phänomens, aber bislang sind noch keine konkreten Maßnahmen ergriffen worden.


Gerechtigkeit

Armut, Landflucht und der Zusammenbruch der Familieneinheit sind für die wachsende Zahl von Gesetzesübertretungen durch Minderjährige verantwortlich. Diese begehen 10 % aller Verbrechen in der Hauptstadt. Nicht weniger als 40 % der Jugendlichen, insbesondere Jungen zwischen 14 und 18 Jahren, befinden sich im Konflikt mit dem Gesetz.

Das Justizsystem wurde vor kurzem durch den Erlass eines Gesetzes in Bezug auf Ordnungswidrigkeiten und Sexualverbrechen gegen Minderjährige verstärkt, außerdem auch durch ein weiteres in Bezug auf den Schutz der Kindheit (Lukautim Pikinini). Die Entwicklung ist jedoch langsam und vieles muss noch getan werden. Das Strafmündigkeitsalter liegt nach wie vor bei 7 Jahren, was als Grenze viel zu niedrig ist.

Die Mehrheit der Jugendlichen wird für Kleinkriminalität verurteilt und ihrer fundamentalen Rechte beraubt, insbesondere des Zugangs zu medizinischer Versorgung. Viele werden von der Polizei, die für ihren Machtmissbrauch besonders gegenüber Straftätern, Prostituierten oder homosexuellen Minderjährigen bekannt ist, gewaltsam misshandelt.

Seit der Einrichtung von Jugendgerichten, sind minderjährige Straftäter vom traditionellen Justizsystem getrennt worden. Trotzdem werden erhaftete Jugendliche immer noch viel zu oft in Gefängnissen mit Erwachsenen inhaftiert, in denen sie einem hohen Risiko von Angriffen ausgesetzt sind. Die Verwahrungsbedingungen sind gleichermaßen ungeeignet für Kinder, insbesondere in Bezug auf Hygiene und Gesundheitsversorgung.

Zwangsenteignungen

Gewisse skrupellose rohstoffausbeutende Konzerne zögern nicht, die in ihren Abbaugebieten lebenden Gemeinschaften gewaltsam zu enteignen, ohne dafür irgendeine finanzielle Kompensation anzubieten. Die Zerstörung von Dörfern, Massenvergewaltigungen und andere Menschenrechtsverletzungen wurden berichtet. Da es an einer Regulierung durch die Regierung mangelt, haben die Brutalität dieser Zwangsenteignungen sowie die daraus folgende Entwurzelung und Mittellosigkeit gravierende Folgen für Kinder.

Diskriminierung

Soziale Diskriminierung gegenüber Mädchen und bestimmten Gruppen verwundbarer Kinder hält an. Dies ist beispielsweise bei behindert oder unehelich geborenen Kindern der Fall. Darüber hinaus enthält die Verfassung des Landes kein Verbot von Diskriminierung aufgrund von Behinderungen.

Mädchen und Frauen, vor allem in ländlichen und isolierten Gemeinschaften, sind besondere von bestimmten diskriminierenden Praktiken in Bezug auf Eheschließung, deren Aufhebung sowie Beziehungen innerhalb der Familie, speziell was Erbfragen angeht, betroffen.