Kinder in Niger

Kinder in Niger

Die Verwirklichung der Kinderrechte in Niger

Zwischen Nordafrika und dem sub-saharischen Afrika gelegen, ist Niger (auch Republik Niger genannt) ein weites und trockenes Land. Die Lebensbedingungen sind dort, insbesondere für Kinder, sehr schwierig. Deshalb hat das Komitee für die Rechte des Kindes seine Bedenken geäußert und das Land weiterhin dazu aufgefordert, die erforderlichen Schritte zu unternehmen, damit die Kinder Nigers in den vollen Genuss ihrer Rechte kommen.

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Index der Realisierung von Kinderrechten
: 4,61/10
Schwarze Stufe: sehr Schwierige Situation

Bevölkerung: 16,9 Millionen

Bev. 0-14 Jahren: 50,1 %

Lebenserwartung: 58,4 Jahre

Kindersterblichkeit: 57 %

Die Hauptprobleme der Kinder in Niger:

Armut

Die Armut, welche die große Mehrheit der Bevölkerung von Niger betrifft, hat ernsthafte Auswirkungen für die Kinder und erschwert ihren Zugang zu gesunder Nahrung, finanziellen Ressourcen, Gesundheitsdiensten, Bildung etc.

Um ihre Bedürfnisse zu decken, nehmen insbesondere Straßenkinder schlecht bezahlte Jobs an, wobei für sie die Arbeit wichtiger als der Schulbesuch ist.

Sexuelle Ausbeutung

Aufgrund der extremen Armut in Niger enden Minderjährige oft als Straftäter oder sind selbst in Prostitution verwickelt. Letzteres betrifft besonders Mädchen. Viele junge Mädchen sind gezwungen, ihre Körper zu verkaufen, damit sie ihre Bedürfnisse decken können. In den meisten Fällen haben sie keinen Zugang zu Kontrazeptiva, weil diese Dinge von der Gesellschaft Nigers als Symbol für ein ausschweifendes Leben angesehen werden. Deshalb sind ungewollte Schwangerschaften häufig und führen zu einer erhöhten Zahl von Kindstötungen.

Niger hat Schritte unternommen, das Problem zu lösen. So hat es zum Beispiel einen Aktionsplan vorgelegt, der die Bedeutung der Unterstützung, der Entwicklung und des Schutzes zum Gegenstand hat und in welchem bewusstseinsbildende Maßnahmen eine bedeutende Rolle spielen. Dennoch bleibt die Mordrate erschreckend hoch.

Gesundheit

In den ländlichen und städtischen Gebieten Nigers bleibt Unterernährung ein ernsthaftes Problem. Familien haben einfach nicht die Mittel, um eine gute Ernährung zu gewährleisten. Der Mangel an ausreichender Ernährung führt zu Mängeln und Wachstumsproblemen. Die Kinder Nigers leiden sehr unter dem Mangel an Spurenelementen und an Unregelmäßigkeiten, die auf den Mangel an Jod zurückgehen. Diese Ernährungsdefizite verschlimmern die Kindersterblichkeit, welche insbesondere durch die starke Verbreitung von HIV/AIDS schon erheblich hoch ist.

Zudem belasten Probleme, die mit Wasser zusammenhängen, fundamental die Situation der Kinder. Durch den Mangel an Trinkwasser und ein nicht ausreichendes Wasserreinigungssystem leiden viele Kinder Nigers an Durchfall. Meist ist es sehr schwierig, hierfür eine angemessene medizinische Behandlung zu bekommen, was damit zusammenhängt, dass die Regierung nicht in der Lage ist, die finanziellen Ressourcen zu stellen, welche nötig sind, um Personal zu rekrutieren, Ausrüstung zu kaufen, die Dienste zu verbessern etc.

Was Impfungen betrifft, existieren große Unterschiede: Kinder aus ländlichen Regionen bekommen seltener Impfungen als jene aus städtischen Gebieten. Weiterhin führt der Mangel an Informationen über die Notwendigkeit der Impfungen dazu, dass ein großer Teil der Kinder nicht von ihnen profitiert, was nach wie vor sehr problematisch ist.

Das Recht auf Identität

Die Registrierung von Geburten ist in Niger verpflichtend. Dennoch ist sich die Bevölkerung ländlicher Gegenden – trotz Kampagnen zur Sensibilisierung des öffentlichen Bewusstseins – nicht vollständig im Klaren darüber, dass die Nichtregistrierung von Geburten bei den jeweiligen Behörden zu einer Strafe führen kann.

Kinder werden ohne die jeweiligen öffentlichen Papiere nicht als Mitglieder der Gesellschaft angesehen und kommen nicht in den Genuss ihrer Rechte. Als Folge existieren sie in den Augen der Gesellschaft faktisch nicht.

Dazu kommt, dass Kinder, die nicht registriert sind, nicht vor Missbrauch – erzwungener Arbeit, Drogenhandel, Kinderheirat, Prostitution oder anderen Formen des Sex-Handels – geschützt sind.

Deshalb ist es nötig, dass die Regierung von Niger aktiv wird, um Gelder für Kampagnen zu mobilisieren, welche zum Ziel haben, das Bewusstsein zu steigern.

Kindesmissbrauch

Obwohl körperliche Bestrafung in den Bildungseinrichtungen verboten ist, dauert sie in der Mitte der Familie noch an. Als Praxis bleibt sie gegenwärtig: Kinder erfahren verschiedene Formen von Gewalt und Vernachlässigung. Eltern züchtigen ihre Kinder oft mit Objekten, die sie gerade zur Hand haben.

Das Anzeigen physischer Gewalt gegen Kinder wird als unerwünschtes Eindringen in das Privatleben der Familien angesehen – viele von ihnen leben mit der Vorstellung, dass es ihnen körperliche Züchtigung erlaubt, ihre Kinder zu disziplinieren.

Das Recht auf Bildung

Bildung ist in Niger von nationaler Priorität; dennoch bleibt hier viel zu tun. Zwei Drittel der Kinder gehen nicht zur Schule; und aus kulturellen Gründen besuchen Mädchen die Schule noch seltener als Jungen.

Die Bildungsqualität ist nicht gut, da es dem System sowohl an Kontext als auch an festgesetzten Zielen mangelt. Auch ist es schlecht um die Infrastruktur bestellt: Oft gibt es keine sanitären Einrichtungen, es mangelt an Ventilatoren und an Licht etc.

Auch versteht die Bevölkerung nicht, wie wichtig Bildung ist. Arme Menschen möchten lieber, dass ihre Kinder einen Job finden, anstatt zur Schule zu gehen. Noch bedenklicher ist, dass die Regierung das Schulsystem gerne privatisieren möchte – dies bedeutet, dass Eltern nicht immer in der Lage sein werden, die Schulausbildung ihrer Kinder zu finanzieren.

Das Recht auf Nichtdiskriminierung

In bestimmten Regionen des Niger existieren große Unterschiede hinsichtlich des Zugangs zu Bildung und Gesundheitsdiensten.

In städtischen Gebieten ist die Bildungsrate höher als bei ländlichen und nomadischen Regionen. Auch gehen mehr Jungen als Mädchen zur Schule, weil zu viele Familien ihre Töchter nicht zur Schule schicken möchten. Ihre allgemeine Einstellung ist, dass Bildung nicht zu einer positiven Entwicklung der Mädchen, sondern eher zu ihrer Verdorbenheit beiträgt.

Kinderheirat

Die Verheiratung junger Mädchen wird in Niger immer noch praktiziert. Ein Drittel aller Mädchen werden vor Erreichen des 15. Lebensjahres verheiratet.

Die Kinderheirat hat negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit, ihre Entwicklung und die Möglichkeit, voll in den Genuss ihrer Rechte zu kommen. Die frühe Heirat in ihrem Leben hindert sie daran, mit anderen sozial zu agieren, da sie mehr oder weniger gezwungen sind, ihre Bildung aufzugeben. Auch haben sie das Risiko von Frühgeburten, was gefährliche Auswirkungen sowohl auf ihre eigene als auch auf die Gesundheit ihres Kindes haben kann.

Weibliche Genitalverstümmelung

In bestimmten Regionen von Niger wird weibliche Genitalverstümmelung noch immer praktiziert. Die schlechten Bedingungen und der Mangel an Hygiene, unter denen diese Eingriffe vorgenommen werden, führen oft zu ernsthaften Konsequenzen für die Gesundheit der jungen Mädchen. Diese speziellen Operationen ziehen oft Infektionen, Blutungen und andere Probleme als direkte Nachwirkungen nach sich.

Kinderarbeit

Aufgrund der extremen Armut sind Familien oft gezwungen, ihre Kinder arbeiten zu lassen. Meist finden sie im landwirtschaftlichen Bereich eine Beschäftigung, was der Hauptarbeitssektor in Niger ist.

Diese Kinder wachsen ungebildet unter sehr schlechten Bedingungen auf: lange Arbeitszeiten, niedrige Löhne, kein Essen. Außerdem laufen sie Gefahr, Opfer von Prostitution, Diskriminierung und Missbrauch zu werden.

Rede- und Meinungsfreiheit

Die Kinder in Niger haben selten die Möglichkeit, ihre persönlichen Meinungen zu äußern und an Entscheidungsprozessen sowohl zu Hause als auch in der Schule oder anderswo teilzunehmen. Das Recht der freien Meinungsäußerung wird von den Gemeinden Nigers als Ansporn angesehen, gegen die Eltern zu revoltieren. Auch stellt es die traditionellen Werte Nigers in Frage, was ein Problem für viele Menschen darstellt.