Die Kinder von Mosambik

Die Kinder von Mosambik

Die Realisierung der Kinderrechte in Mosambik

Die Situation in Mosambik ist sehr dramatisch. In diesem Land, wo die grundsätzlichen Kinderrechte wieder und wieder verletzt werden, ist jedes Kind ein Überlebenskünstler.

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Index der Realisierung von Kinderrechten: 5,85 / 10
Schwarz Stufe:
sehr Schwierige Situation

Bevölkerung: 24,1 M.
Bev. 0-14 Jahren: 45,6 %

Lebenserwartung: 50,3 Jahre
Kindersterblichkeit: 57 ‰

Die größten Probleme der Kinder in Mosambik:

Armut

In Mosambik herrscht ein hohes Maß an Armut und 70 Prozent der Bevölkerung lebt unter dem Existenzminimum. Diese schwierige ökonomische Situation hat ernste Folgen für die Situation der Kinder. Oft hindert der Mangel an finanziellen Ressourcen die Wahrnehmung ihrer grundsätzlichen Rechte. Auch werden sie mit vielen Problemen konfrontiert und haben beispielsweise keinen Zugang zur Schule, zu Gesundheitsdiensten und zu Wohnraum…

Das Recht auf Gesundheit

Mit einer Lebenserwartung von 48 Jahren, einer Kindersterblichkeit von 42% und einer Frühgeburtenrate von 15% sind die Gesundheitsindikatoren in Mosambik alarmierend. Hauptursache des Sterbens ist postnatale Malaria. Eine frühzeitige Behandlung kann sich den Verlauf dieser Krankheit mildern.

Der Mangel an Sanitäranlagen und Hygiene ist verantwortlich für die Verbreitung vieler Krankheiten (Durchfall, Cholera). Es gibt nur wenige Toiletten und Leute haben keine klare Vorstellung über die Bedeutung und Notwendigkeit von Hygienemaßnahmen. Unterernährung trägt dazu bei, dass sich der Gesundheitszustand der Kinder verschlechtert. Und wenn sie an Hunger leiden, sind sie viel anfälliger für Krankheiten, und das oft mit einem schwereren Verlauf.

Zusätzlich wirkt sich der unzureichende Zustand des Gesundheitswesens und der Mangel an Personal in Krankenhäusern insbesondere in ländlichen Gebieten negativ auf die Kindergesundheit aus.

AIDS

Die Verbreitungsrate von AIDS ist in Mosambik die vierhöchste in der Welt. Bei dem Kampf gegen diese Geißel hat das Land einen wirklichen Fortschritt in der Verhütung, Information und dem Screening gemacht. Trotzdem bleibt AIDS ein Problem für die Gesundheit von Kindern. In Beira (der zweitgrößten Stadt des Landes) wird geschätzt, dass fast eine von drei schwangeren Frauen HIV-positiv ist. Mutter-Kind-Übertragungen sind zu häufig, und eins von zehn Kindern stirbt vor dem Alter von 10 Jahren. Auch sind geschätzte 400.000 Kinder in Mosambik Waisen aufgrund von AIDS geworden.

AIDS hat nicht nur eine ernste Auswirkung auf die Gesundheit der Kinder, sondern ist auch eine Hauptursache der Diskriminierung in Mosambik. HIV-positive Kinder werden ignoriert und durch den Rest der Bevölkerung schlecht behandelt.

Das Recht auf Bildung

Eines von fünf Kindern geht in Mosambik nicht zur Schule. Der Schulbesuch ist weder verpflichtend noch kostenfrei.

Die Lernbedingungen in Schulen sind völlig anders als in den entwickelten Ländern. Der Zustand der Gebäude ist entsetzlich, die Schulausrüstung (Stühle, Tische, Pulte) schlecht erhalten oder fehlend.

Auch zeugen die Zahlen von einer unterschiedlichen Bildungssituation von Jungen und Mädchen. In den Klassen gibt es eine Mehrheit von Jungen. Der Grund hierfür liegt in der häufig vorkommenden Belästigung und sexuellen Gewalt gegenüber Mädchen in den Schulen.

Gewalt gegen Kinder

Das Kinderrechtskomitee ist besonders über Anschuldigungen besorgt, dass die Polizei oftmals Gewalt gegen Kinder ausübt. Illegale Verhaftungen, Folter und Misshandlungen sind normal.

Missbrauch innerhalb der Familie und der Schule sind ebenfalls verbreitet in Mosambik. Die Prügelstrafe ist nicht wirklich untersagt und wird auch eingesetzt, z. B. als die vermeintlich beste Methode zur Kindererziehung. Ob zu Hause oder in der Schule, die Kinder leiden unter der Gewalt, die ihnen angetan wird. Manchmal hat deren Auswirkung ernste Folgen für ihre körperliche und geistige Gesundheit.

Waisenkinder

In Mosambik sind geschätzte 1,47 Millionen Kinder Waisen. Diese sind gänzlich sich selbst überlassen und Dienste, die diesen Kindern helfen könnten, sind fast nicht existent. Die meisten Kinder leben auf der Straße ohne eine Möglichkeit, diesem Leben zu entfliehen.

Sie leben in schwierigen Verhältnissen und müssen viele Gefahren fürchten. Auch sind sie viel anfälliger für kommerzielle und sexuelle Ausbeutung. Ihr Zugang zu Diensten wie Bildung und Gesundheit ist sehr beschränkt.

Kinderheirat

In Mosambik ist für Heiraten ein Mindestalter von 18 Jahren gesetzlich festgelegt, dennoch wird die Hälfte der Mädchen verheiratet, wenn sie noch minderjährig sind. Diese Praxis hat schwere Konsequenzen sowohl auf emotionaler als auch auf psychologischer Ebene. Mädchen werden gezwungen, nicht-einvernehmliche Beziehungen mit ihren Ehemännern einzugehen. Ihr Übergang zum Erwachsensein ist schwierig für sie, da sie ihre Jugend nicht wirklich erfahren.

Kinderarbeit

Fast ein Drittel der Kinder in Mosambik arbeiten. Viele dieser Kinder sind gezwungen im Familiengeschäft mit Vieh und auf Baumwoll-, Tabak- oder Teeplantagen zu arbeiten.

Auf gesetzlicher Ebene ist das Mindestalter für Arbeit unter nicht gefährlichen Bedingungen 15 Jahre. Es existiert jedoch keine Liste, in der die Gefahrenbedingungen aufgeführt sind. Daher ist die Wirkung des Gesetzes bedeutend geschwächt.

Dieses Thema betrifft insbesondere auch Waisenkinder, die in Pflegeverhältnissen aufwachsen. Viele von ihnen werden wie Sklaven ausgebeutet. Es gibt keinen wirklichen Ausweg für sie, und um zu überleben, werden sie manchmal zur Prostitution gezwungen.

Kindersoldaten

Die erzwungene Rekrutierung von Kindern in Armeen war während des jüngsten bewaffneten Konflikts geläufig. Heute, wo der Krieg zu Ende ist, besteht das Problem der Kindersoldaten weiterhin. Sie sind zwar nicht mehr in Kämpfe verwickelt, doch gibt es zahlreiche Auswirkungen, da sie ihre Kindheit in bewaffneten Gruppen verbracht haben. Die Konfrontation mit Gewalt, Folter und der Grausamkeit des Krieges machte ihre gesundheitliche und moralische Entwicklung problematisch und ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft ist sehr schwierig.

Kinderhandel

Trotz der jüngsten Bemühungen seitens der Regierung, diese Praxis auszumerzen, besteht in Mosambik nach wie vor Kinderhandel. Insbesondere in ländlichen Gegenden werden Kinder entführt und gezwungen, jede Art von Arbeit zu verrichten.

Mädchen werden oft in benachbarten Ländern sexuell oder in Haushaltsarbeit ausgebeutet. Auch einige Jungen werden Opfer des Sexhandels, bei dem sie Gewalt und extreme Folter erfahren.

Recht auf Identität

Nur 30 % der Geburten werden im öffentlichen Register erfasst. Nicht registrierte Kinder sind offiziell nicht als Mitglieder der Gesellschaft anerkannt und können deshalb nicht ihre Rechte geltend machen. Daher sind sie für die Gemeinschaft unsichtbar.