Die Kinder Sambias

Die Kinder Sambias

Die Verwirklichung der Kinderrechte in Sambia

Kinder, die in Sambia auf die Welt kommen und aufwachsen, führen in der Regel kein besonders glückliches oder glückverheißendes Leben. Schon in jungen Jahren müssen sie stets um die grundlegendsten Rechte kämpfen: um ihr Recht zu essen, zu schlafen, zur Schule zu gehen oder einfach nur zu überleben. Spielen ist ein Luxus, den sie sich kaum erlauben können.

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Index der Realisierung von Kinderrechten
: 5,57/10
Schwarze Stufe: sehr Schwierige Situation

Bevölkerung: 14,2 Millionen

Bev. 0-14 Jahren: 46,2 %

Lebenserwartung: 58,1 Jahre

Kindersterblichkeit: 43 %

Hauptprobleme der Kinder in Sambia:

Armut

Sambia hat mit der weltweit mit Abstand höchsten Armutsrate zu kämpfen. Schätzungen gehen davon aus, dass 86 % der sambischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben.

Diese wirtschaftliche Situation hat verschiedene negative Auswirkungen auf die Leben der Kinder. Aufgrund der grassierenden Armut können viele Eltern ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Stattdessen müssen sie Vollzeit arbeiten, um die Familie finanziell zu unterstützen. Das führt dazu, dass sie nicht ausreichend Nahrung, Gesundheitsfürsorge, grundlegende Bildung und vernünftige Unterkunft zur Verfügung haben; auch Freizeit bleibt ihnen fast vollständig verwehrt.

Gesundheit

Sambias Gesundheitssektor ist extrem schlecht entwickelt. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt nur bei 46 Jahren – weltweit die Zweitniedrigste. Entsprechend befindet sich auch die Kindersterblichkeitsrate auf einem beklagenswerten Niveau.

Aufgrund einer unzureichenden Infrastruktur und einem Mangel an Material und Personal befindet sich das Gesundheitswesen in einem desaströsen Zustand. Tausende Kinder haben keinen Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgung. Darüber hinaus bieten die meisten Häuser sehr ungesunde Lebensbedingungen; fehlende Sanitäranlagen und eine Vernachlässigung einfachster Hygienemaßnahmen bieten optimalen Nährboden für Viruserkrankungen wie Masern. Dies führt häufig zu Epidemien. Trotz jüngster nationaler Kampagnen, Impf- und Immunisierungsmaßnahmen sind die meisten jungen Sambier nicht geschützt.

Bildung

Das Bildungssystem Sambias muss noch große Fortschritte machen, um auch nur ansatzweise die Bedürfnisse der Kinder zu befriedigen.

Obwohl der freie Zugang zur Schule eine starke Zunahme an Schulanmeldungen mit sich gebracht hat, ist der Besuch einer Schule nicht obligatorisch. Aus diesem Grund besucht eines von fünf Kindern immer noch keine Schule. Darüber hinaus halten die Zusatzkosten für einen Schulbesuch, wie etwa für Lernmaterial, Uniformen und Anfahrtskosten, viele Familien davon ab, ihren Kindern Bildung zu ermöglichen. Auch die Notwendigkeit, dass Kinder die Familie mitfinanzieren, ist nach wie vor ein Hindernis.

Hinzu kommt, dass die Bedingungen in den meisten Schulen alles andere als ideal sind. Die Gebäude sind baufällig, überfüllt und unsicher; oftmals sind keine Sanitäranlagen vorhanden; die vorhandenen Lernmaterialien sind ungeeignet; die Lehrmethoden sind antiquiert und die Lehrer nicht immer qualifiziert. Auch Fälle körperlicher Züchtigung, Misshandlung und sogar sexuellen Missbrauchs geben Anlass zur Sorge.

AIDS

Schätzungen gehen davon aus, dass über eine halbe Million Sambier HIV-positiv sind; davon sollen etwa 95.000 unter 14 Jahre sein. Die Auswirkungen von HIV auf das Wohlergehen von Kindern betreffen nicht nur ihre Gesundheit. Diese Krankheit hat dazu geführt, dass ca. 600.000 Kinder durch die Erkrankung ihrer Eltern verwaist wurden. Die Kinder sind auf sich allein gestellt und ohne Zugang zu unterstützenden Systemen. Sie wachsen mit Aussicht auf eine dunkle und tragische Zukunft auf.

Kinderarbeit

Über 40 % der sambischen Kinder befinden sich in einer wirtschaftlichen Aktivität. 2009 hat die Internationale Arbeitsorganisation die Anzahl arbeitender Kinder über 1,2 Millionen geschätzt. Diesen Kindern mangelt es an Bildung, an Fertigkeiten und an Schutz und sie sind Opfer von Ausbeutung. Sie führen ein miserables Leben mit langen Arbeitszeiten unter mittelalterlich anmutenden Bedingungen, bei denen es häufig zu Unfällen kommt; sie erhalten niedrige Löhne, sind mangelernährt, haben keine Unterkunft etc. Ferner sind sie nicht nur schutzlos den Elementen und Krankheiten ausgeliefert, sondern auch Gefahren wie Prostitution, Diskriminierung, Misshandlung, illegalem Handel und Substanzmissbrauch.

Ernährung

Mangelernährung von Kindern hält sich in Sambia einigermaßen in Grenzen. Obwohl sie keinen großen Hunger leiden, fehlt es vielen sambischen Kindern in ihrer Ernährung dennoch an wichtigen Nährstoffen, die für ein gesundes Wachstum essenziell sind. Diese Defizite in der Nahrungsaufnahme haben Auswirkungen auf ihr Immunsystem und machen die Kinder anfällig für Krankheiten.

Darüber hinaus wirkt sich auch die unzureichende Ernährung von Müttern auf ihre Nachkommen aus. Über 10 % der Neugeborenen weisen ein zu niedriges Gewicht auf, was der erste Schritt in Richtung eines Lebens mit schlechter Gesundheit ist.

Straßenkinder

Aktuellen Erhebungen zufolge beträgt die Anzahl der Kinder, die in Sambia auf der Straße leben, zwischen 20.000 und 30.000. Eine weitere Schätzung besagt, dass eines von fünf Kindern nicht bei seinen Eltern lebt.

Die Lebensbedingungen dieser Kinder sind verzweifelt. Sie sind allen Gefahren der Straße ausgesetzt, was sie zu leichten Opfern für eine Vielzahl von Misshandlungen macht. Dazu zählen Gewalt, illegaler Handel, Prostitution, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit und ausbeuterische Arbeit.

Viel zu häufig fangen obdachlose Kinder aus Verzweiflung an zu betteln oder sich zu prostituieren, um Nahrung, Trinken, Unterkunft und Kleidung zum Überleben zu erwerben. Die sambische Regierung unterstützt einige von ihnen durch die Einrichtung von Unterkünften und Trainingsprogrammen. Diese Maßnahmen haben dem Großteil der obdachlosen Kinder jedoch nicht geholfen. Die meisten von ihnen leben immer noch auf der Straße und kämpfen ums Überleben.

Gewalt

In Sambia ist körperliche Züchtigung sowohl zu Hause als auch in der Schule ebenso wie in der Gesellschaft allgemein üblich. Kinder sind häufig Opfer körperlicher und sexueller Gewalt und seelischem wie moralischem Missbrauch ausgesetzt. Insbesondere Waisen und Straßenkinder werden tagtäglich damit konfrontiert.

Kinder im Gefängnis

Ganze 10 % der Gefangenen Sambias sind Kinder. Viele von ihnen sind noch sehr jung: Es ist nicht unüblich, dass Kinder unter vier Jahren gemeinsam mit ihren Müttern eingesperrt werden. Das Überleben dieser Kinder steht immer auf der Kippe; insbesondere, da sie keine Sonderbehandlung erhalten. Aufgrund mangelhafter Ernährung, Gesundheitsfürsorge und Mangel an Platz in Kombination mit der unhygienischen Umgebung sind diese kleinen Sambier unzähligen Risiken ausgesetzt. Dies hat tragische – und oftmals fatale – Konsequenzen für sie.

Weil Kinder in Gefangenschaft nicht von erwachsenen Gefangenen getrennt sind, werden sie regelmäßig Opfer grausamer Gewalt und der Verdorbenheit, die in den überfüllten Einrichtungen herrschen. Durch das Vorenthalten selbst der elementarsten Rechte werden aus den Überlebenden dieser brutalen Erfahrung unweigerlich entmenschlichte Individuen, die eine Gefahr für Recht und Ordnung darstellen.

Kinderheirat

Über zwei von fünf jungen Mädchen – über 40 % – werden verheiratet, bevor sie 18 Jahre alt sind. Häufig sind die Mädchen noch sehr jung und weit unter dem Alter von 16 Jahren (dem rechtlich heiratsfähigen Alter in Sambia). Die Vermählung von kaum pubertierenden Mädchen ist nicht unüblich. Obwohl diese Hochzeiten illegal sind, werden sie aufgrund der Gebräuche und Traditionen des Landes weitgehend toleriert.

Diese Praktik bringt ernsthafte negative Konsequenzen für die emotionale und psychische Entwicklung der Mädchen mit sich, die vorzeitig zu traumatischen sexuellen Beziehungen gezwungen werden, die nicht immer einvernehmlich sind. Sie müssen ohne die vorbereitende Phase der Adoleszenz von der Kindheit direkt ins Erwachsenenleben übergehen. Diese Hochzeiten sind für die jüngsten Bräute besonders schädlich, die absolut kein Entscheidungsrecht bezüglich ihres zukünftigen Ehemanns haben.

Recht auf Identität

Nur 14 % aller Geburten werden in Sambia offiziell den Behörden gemeldet. Dies liegt vor allem daran, dass die öffentlichen Registrierstellen nur schwer zugänglich sind. Auch die Gebühren für die Registrierung und weitere Ausgaben, die damit in Beziehung stehen, halten die meisten sambischen Familien davon ab, den Aufwand zu betreiben – insbesondere in ländlichen Gegenden.

Kinder ohne Registrierung haben keine offizielle Identität und Nationalität und können nicht von den Vorteilen einer Staatsangehörigkeit profitieren. Das führt zu großen Schwierigkeiten in allen Bereichen ihrer Bestrebungen und sozialer Interaktion, da diese Individuen in den Augen der Gesellschaft unsichtbar und unbedeutend sind, weshalb ihnen selbst die grundlegendsten Menschenrechte verweigert werden.