Kinder in Tansania

Kinder in Tansania

Die Verwirklichung der Kinderrechte in Tansania

Tansania ist ein sehr armes Land. Obwohl einige Anstrengungen unternommen wurden um Diskriminierung, vor allem gegenüber behinderten Kindern, zu bekämpfen, ist das Land trotzdem noch weit davon entfernt, die Anforderungen der internationalen Kinderrechtskonvention zu erfüllen.

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Index der Realisierung von Kinderrechten: 6,42/ 10
Rote Stufe: Schwierige Lage

Bevölkerung: 12 M.
Bev. 0-14 Jahren: 42,3 %

Lebenserwartung: 64,1 Jahre
Kindersterblichkeit: 31 ‰

Die Hauptprobleme, mit denen die Kinder in Tansania konfrontiert sind:

Armut

Obwohl das Land über eine signifikante Menge an natürlichen Ressourcen verfügt und einen bemerkenswerten Zustrom an Touristen verzeichnen kann, ist die wirtschaftliche Situation Tansanias nicht zufriedenstellend. Ein großer Teil der Bevölkerung, vor allem in den ländlichen Gebieten, lebt immer noch in extremer Armut.

Diese Armut hat einen negativen Effekt auf die Lebensbedingungen der jungen Tansanier, insbesondere auf deren Recht auf Nahrung. Tatsächlich leidet eine erhebliche Zahl an Kindern an Unterernährung. Mehr als 70% leiden an einer mehr oder weniger schwerwiegenden Anämie.

Bildung

In Sansibar, einem halbautonomen Teilstaat Tansanias, sind Kinder verpflichtet 10 Jahre lang eine Schule zu besuchen: 6 Jahre Grundschule und 4 Jahre auf einer weiterführenden Schule. Allerdings ist durch kein Gesetz sichergestellt, dass die Kinder tatsächlich die Schule besuchen können. Kinder in ländlichen Gegenden sind häufig nicht in der Lage zur Schule zu gehen, weil keine Transportmöglichkeiten zur Schule vorhanden sind oder sie nicht über die finanziellen Möglichkeiten verfügen, einen solchen Transport zu bezahlen.

Darüber hinaus werden die ärmsten Kinder durch zusätzliche Kosten, wie zum Beispiel für die Schuluniform und weitere Gebühren, von der Teilnahme am Schulunterricht ausgeschlossen. Die Kosten für die Bildung führen des Weiteren zu hohen Zahlen bei Schulabbrechern und Kindern, die dem Unterricht fernbleiben. Auch die Infrastruktur ist nicht ausreichend, um einen qualitativen Unterricht gewährleisten zu können. Diese verschiedenen Faktoren haben dazu geführt, dass die früher hohen Zahlen von Kindern, die eine Grundschule besuchen von 90% im Jahr 1980 auf nur noch 77,8% in 2006 gefallen sind.

Zusätzlich bleiben 20% der Kinder zwischen 10 und 14 dem Unterricht fern, viele von ihnen, um zu arbeiten.

Gesundheit

Auch wenn die Regierung große Anstrengungen unternommen hat, um den Zugang zur Gesundheitsfürsorge zu verbessern, sind die Qualität und Verfügbarkeit von Leistungen im Gesundheitsbereich nach wie vor ein Problem, hauptsächlich aufgrund von fehlendem Personal und nichtvorhandener Infrastruktur.

Jedes Jahr sterben 250.000 Kinder an normalerweise nicht schwerwiegenden Krankheiten, weil ihr Immunsystem durch Mangelernährung geschwächt ist und Behandlungszentren zu weit entfernt sind.

Daraus resultiert eine sehr hohe Kindersterblichkeitsrate, besonders bei den jüngsten Kindern. 29% der Kinder, die vor ihrem 5. Lebensjahr sterben, sind Neugeborene. Die Hauptgründe für die hohe Sterblichkeit sind – in absteigender Reihenfolge – Malaria, Pneumonie, pränatale Gesundheitsprobleme, Diarrhoe und HIV/AIDS.

HIV/ AIDS führte ebenfalls dazu, dass viele Kinder zu Waisen geworden sind: im Jahr 2008 hatten fast 11% der Kinder unter 18 Jahren, insgesamt 1,3 Millionen Kinder, mindestens einen Elternteil verloren.

Als Folge davon wird die ökonomische Situation der Familien sehr schwierig, und die Verpflichtungen sind für die Überlebenden, insbesondere für die Kinder, schwer zu tragen.

Missbrauch

Trotz Tansanias Bemühungen gegen den Missbrauch von Kindern anzukämpfen, sind die Präventionsbemühungen bislang grundsätzlich unzureichend. Tatsächlich sind viele Kinder psychologischer, physischer und sexueller Gewalt ausgesetzt, oft begangen durch Bekannte in der eigenen Gemeinde, der Schule oder von zu Hause.

Die Ermittlungsergebnisse zu Kindesmissbrauch legten 2009 307 Fälle offen. 29% der Fälle betrafen sexuellen Missbrauch, 26% Gewalt und körperlichen Missbrauch, 32% Vernachlässigung und 13% psychologischen Missbrauch. Mädchen sind besonders stark von Missbrauch betroffen, wegen der weit verbreiteten Diskriminierung von Frauen und dem größeren Risiko von sexuellem Missbrauch.

Des Weiteren wurde festgestellt, dass in ungefähr 50 Schulen körperliche Bestrafung zur Praxis gehört. Die Täter dieser Gewalt ignorieren die Vorgaben des Bildungsministeriums, und traumatisieren durch ihr Handeln ihre Schüler, manchmal bis zu dem Punkt, dass diese die Schule abbrechen.

Körperliche Bestrafungen sind durch ein Gesetz von 1930 immer noch erlaubt, und gehören zu den am häufigsten verhängten Strafen vom Gericht für Personen unter 18 Jahren für beinahe alle Arten von Straftaten. Diese Strafe ist einfach anzuwenden und bedarf keiner Aufsicht. Ein Minderjähriger (unter 16 Jahren) kann mit bis zu 12 Stockschlägen bestraft werden, über 16 Jahre mit bis zu 24 Stockschlägen.

Die Ermittlungsergebnisse zu Kindesmissbrauch legten 2009 307 Fälle offen. 29% der Fälle betrafen sexuellen Missbrauch, 26% Gewalt und körperlichen Missbrauch, 32% Vernachlässigung und 13% psychologischen Missbrauch. Mädchen sind besonders stark von Missbrauch betroffen, wegen der weit verbreiteten Diskriminierung von Frauen und dem größeren Risiko von sexuellem Missbrauch.

Des Weiteren wurde festgestellt, dass in ungefähr 50 Schulen körperliche Bestrafung zur Praxis gehört. Die Täter dieser Gewalt ignorieren die Vorgaben des Bildungsministeriums, und traumatisieren durch ihr Handeln ihre Schüler, manchmal bis zu dem Punkt, dass diese die Schule abbrechen.

Körperliche Bestrafungen sind durch ein Gesetz von 1930 immer noch erlaubt, und gehören zu den am häufigsten verhängten Strafen vom Gericht für Personen unter 18 Jahren für beinahe alle Arten von Straftaten. Diese Strafe ist einfach anzuwenden und bedarf keiner Aufsicht. Ein Minderjähriger (unter 16 Jahren) kann mit bis zu 12 Stockschlägen bestraft werden, über 16 Jahre mit bis zu 24 Stockschlägen.

Verstümmelung der weiblichen Genitalien

In Tansania werden viele junge Mädchen immer noch Opfer von Genitalverstümmelung. Die Tradition schreibt vor, dass Frauen beschnitten sein sollen und darum werden 28% der Mädchen Opfer dieser Praktik ab dem Alter von einem Jahr.

Die Beschneidung wird meist unter schlimmen hygienischen Bedingungen durchgeführt, die zu Infektionen führen. Ferner kann dieser barbarische Akt zu einem psychologischen Trauma führen, das häufig unbehandelt bleibt.

Kinderehen

Es gibt eine Anzahl an gesundheitsschädlichen traditionellen Praktiken in Tansania. Diese Traditionen schließen Hochzeiten von zu jungen Kindern und Zwangsehen ein.

Obwohl die Zahl an Kinderehen in den letzten Jahren beständig abgenommen hat, werden junge Mädchen immer noch gezwungen zu heiraten, manchmal wenn sie erst 12 Jahre alt sind. Diese Hochzeiten haben ernste Folgen für die jungen Mädchen, die die Wichtigkeit dieser Verpflichtung nicht verstehen und die Pflichten, die damit verbunden sind. Manche werden von ihren oft älteren Ehemännern vergewaltigt und missbraucht.

Straßenkinder

In Dar es Salam leben geschätzt zwischen 3000 und 5000 Kinder auf der Straße. Es ist die größte Stadt des Landes, in die Kinder aus allen Richtungen strömen in der Hoffnung dem Elend und der Gewalt zu entkommen, der sie in den ländlichen Gebieten ausgesetzt waren. Dieses Phänomen hat konstant zugenommen aufgrund der schnellen Verstädterung.

Obwohl ihr Alter zwischen 5 bis 18 Jahren variiert, sind die meisten der Jugendlichen, von denen 80% Jungen sind, zwischen 7 und 14 Jahren alt. Die Mehrheit der Kinder ist unehelich geboren oder kommt aus zerbrochenen Familien. Sie leben auf der Straße.

Andere Faktoren, die zu diesem Phänomen beitragen, schließen Gewalt in der Familie, Armut, Desintegration von den Werten der Familie, Alkoholismus und in vergangenen Jahren häufig HIV/AIDS ein.

In der Stadt lauern viele Gefahren für die Kinder. Sie sind besonders gefährdet für Prostitution, sexuellen Missbrauch und, daraus resultierend, HIV/AIDS. Sie sind leichte Beute für Netzwerke des Kinderhandels.

Kinderarbeit

Nach tansanischem Recht ist es verboten für leichte Arbeiten Kinder unter 14 Jahren und für gefährliche Arbeiten Jugendliche unter 18 Jahren einzustellen. Trotzdem sind, in der Hauptstadt Sansibars, manche Familien durch die Aussicht auf leicht verdientes Geld dazu getrieben, ihre Kinder (meist unter 14 Jahren) eher zur Arbeit zu schicken als in die Schule. Andere Familien ziehen es vor, dass ihre Kinder zu Hause oder auf der Farm arbeiten.

In urbanen Gegenden, servieren die meisten Kinder Tee oder verkaufen Snacks. Andere sind in der Gastronomie oder der Tourismusindustrie angestellt. In ländlichen Gegenden arbeiten die Kinder unter schwierigeren Bedingungen: Sie arbeiten auf Nelkenplantagen, auf Seegrasfarmen oder in Mienen. In Dörfern, die in der Nähe von Mienen liegen, ist die Rate der Schulabbrecher sehr hoch: bei 30-40%.

Das Recht auf eine Identität

In Tansania ist es vorgeschrieben, dass alle in Tansania geborenen Kinder bei der Geburt registriert werden müssen, unabhängig ob es sich um Bürger des Landes, Einwanderer oder Flüchtlinge handelt. Trotzdem werden nur 19% der Geburten registriert mit großen Unterschieden zwischen ländlichen und urbanen Gegenden.

Heute haben nur 7% der Kinder eine Geburtsurkunde. Das liegt an dem Fehlen eines öffentlichen Bewusstseins für die Wichtigkeit von Geburtsregistrierungen. Außerdem schrecken die Kosten von einer Registrierung ab. Diese Kosten schließen, neben anderen Dingen, eine Strafzahlung für eine zu späte Registrierung, eine Gebühr für die Geburtsurkunde ($3.50) und Reisekosten ein.

Die Justiz

Zwischen 2008 und 2009 wurden 2692 Kinder unter 16 Jahren in Sicherungsverwahrung untergebracht; mehr als die Hälfte von ihnen wurden zusammen mit Erwachsenen eingesperrt, trotz rechtlicher Vorgaben, die getrennte Zellen vorsehen. Die Mehrheit der verhafteten Kinder wurde des Diebstahls oder des Raubs beschuldigt. Diese Haftanstalten haben viele Probleme und sind nicht für Kinder ausgelegt. Die Infrastruktur ist in schlechtem Zustand und die Qualität des Wassers und der Hygienebedingungen unzureichend. Außerdem sind die Zellen häufig überbelegt.