Kinder im Tschad

Kinder im Tschad

Die Verwirklichung der Kinderrechte im Tschad

 

Obwohl der Tschad die UN-Kinderrechtskonvention und die Afrikanische Charta der Rechte und des Wohlergehens des Kindes ratifiziert hat, hat sich ihre Umsetzung als sehr problematisch erwiesen. Eine Mehrheit der Bevölkerung des Tschads respektiert keine Kinderrechte, wodurch das Heranwachsen von Kindern stark beeinträchtigt wird.

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Index der Realisierung von Kinderrechten
: 4,64/10
Schwarze Stufe: sehr schwierige Situation

Bevölkerung: 11,2 Millionen

Bev. 0-14 Jahren: 45,2 %

Lebenserwartung: 51,2 Jahre

Kindersterblichkeit: 85 ‰

Hauptprobleme der Kinder im Tschad:

Armut

Der Tschad, ein Kreuzpunkt zwischen dem subsaharischen Afrika und Nordafrika, ist eines der ärmsten Länder der Welt.

Armut betrifft eine große Mehrheit der jungen Tschader und hat starke Auswirkungen auf deren Zugang zu gesunder Ernährung, angemessenen finanziellen Ressourcen, Gesundheitsfürsorge usw.

Gesundheit

Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren ist bedenklich hoch. Aus Mangel an Sanitäranlagen, Trinkwasser und Gesundheitsfürsorge in ländlichen Gegenden des Tschads sterben jährlich 209 von 1000 Kindern.

Auch Mangelernährung ist ein besorgniserregendes Problem. Aufgrund schlechter Ernährung leiden viele Kinder unter starken Wachstumsstörungen.

Bildung

Die Bevölkerung des Tschads ist so ungleich, dass der Zugang zu Bildung für Kinder gefährdet ist. Darüber hinaus schicken viele Eltern ihre Kinder nicht in die Schule. Somit wird nur ein kleiner Prozentsatz der tschadischen Kinder unterrichtet.

Obwohl Schulbildung im Tschad verpflichtend ist, gehen nur wenige Kinder – vor allem Jungen – nach der Grundschule auf weiterführende Schulen. Geschlechtergleichheit und Gleichheit zwischen ländlichen und städtischen Gegenden sind anhaltende Probleme im Land.

Meinungs- und Redefreiheit

Bezüglich Adoptionen und Scheidungen haben tschadische Kinder in der Regel das Recht, ihre Meinung zu äußern. Zu Hause ist dies jedoch meist nicht der Fall. Innerhalb der Familie werden Kinder noch nicht als Rechtssubjekte angesehen, weshalb Eltern oder Erziehungsberechtigte häufig Entscheidungen in ihrem Namen treffen.

Kindesmissbrauch

Manche Kinder erfahren in ihren Familien Gewalt, was laut tschadischer Tradition erlaubt ist.
Weiterhin werden Kinder häufig in der Schule, in Haft oder auf der Straße misshandelt, da Gewalt im Tschad alltäglich ist und Kinder oftmals die Opfer sind.

Kinderehen

Da das Erreichen der Volljährigkeit in verschiedenen Dokumenten unterschiedlich dargestellt wird, ist es gängige Praxis, junge Mädchen zu verheiraten. Rechtlich gesehen wird die Volljährigkeit mit 21 Jahren erreicht, während das rechtliche Heiratsalter für Mädchen mit 15 und für Jungen mit 18 Jahren festgesetzt ist. Im Brauchtumsrecht wird das heiratsfähige Alter jedoch entgegen der UN-Kinderrechtskonvention mit 13 Jahren erreicht.

Kinderehen haben negative Auswirkungen auf die Gesundheit, Entwicklung und Rechte. Früh verheiratete Mädchen sind in ihren sozialen Interaktionen beschränkt, da sie früh die Schule verlassen. Darüber hinaus unterliegen sie dem Risiko früher Schwangerschaften, die sowohl für sie als auch für ihr Kind gefährlich sein können.

Straßenkinder

Die Anzahl tschadischer Kinder, die auf der Straße umherziehen und leben, wächst aufgrund der instabilen finanziellen Situation ständig. Ihr Recht auf Unterkunft, Gesundheit, Bildung und Nahrung wird häufig verletzt.

Auch das Spielen auf der Straße birgt viele Gefahren: sexuelle und wirtschaftliche Ausbeutung, Gesundheitsprobleme, Mangelernährung usw. Da sie ohne Bildung sind, haben Straßenkinder praktisch keine Möglichkeit, Arbeit zu finden und dauerhaft von der Straße wegzukommen.

Kinderarbeit

Das Mindestalter für eine Beschäftigung liegt bei 14 Jahren. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten sind jedoch viele Familien dazu gezwungen, ihre Kinder arbeiten zu schicken.

Ohne Bildung müssen sie allerdings unter sehr harten Bedingungen arbeiten: lange Schichten, schlechte Bezahlung, kein Essen usw. Außerdem sind sie den Risiken ausgesetzt, die u. a. mit Prostitution, Diskriminierung und Missbrauch zusammenhängen.

Kindersoldaten

Bewaffnete Gruppen und Streitkräfte im Osten des Landes nutzen Kinder, insbesondere Jungen. Sie werden als Kämpfer rekrutiert, tschadischen oder sudanesischen Oppositionsgruppen oder der tschadischen Armee angeschlossen. Diese Kinder wurden entführt oder als Rache für den Tod einer nahestehenden Person genutzt. Andere sehen in der Armee einen Ausweg aus der Armut.

Obwohl die UN-Kinderrechtskonvention Kindersoldaten verurteilt, setzt der Tschad sie nach wie vor in bewaffneten Konflikten ein. Sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren, ist oftmals sehr schwierig, vor allem mangels politischer Anstrengungen seitens der Regierung und dafür notwendiger Ressourcen, aber auch aufgrund anhaltender Unruhen im Land.

Jugendstrafrecht

Im Tschad beginnt der Freiheitsentzug zwar recht früh in den Ermittlungen, in der Mehrzahl der Fälle werden straffällige Kinder jedoch wieder ihren Eltern übergeben.

Wenn die Eltern allerdings nicht auffindbar sind, werden junge Menschen mit Erwachsenen inhaftiert, da es keine ausreichenden Räumlichkeiten gibt, um sie separat unterzubringen.

Kinderhandel

Im Tschad gibt es das Phänomen der „Kinderhirten“: Kinder aus ländlichen Gegenden werden rekrutiert, um die Herden wohlhabender arabischer Hirten zu hüten.

Diese Arbeit birgt viele Risiken: Identitätsverlust, Mangel an Schulbildung und Krankheiten sind nur einige davon. Daher wird diese Praxis von internationalen und Nichtregierungsorganisationen als neue Form der Sklaverei betrachtet und klar verurteilt.