Kinder Kanadas

Kinder Kanadas

Umsetzung von Kinderrechten in Kanada

Die Verhältnisse der Kinder in Kanada sind weltweit unter den besten. Dennoch profitieren nicht alle Kinder gleichermaßen von diesen Rechten. So erfahren Kinder, die in ländlichen und abgelegenen Gebieten leben oder zu indigenen Gruppen gehören, größere Ungleichheiten. Auch sind diese Kinder im Vergleich zu denjenigen in anderen Teilen Kanadas häufiger Diskriminierung, Armut und Gewalt ausgesetzt.

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Index der Realisierung von Kinderrechten: 8,70/10
Grüner Bereich : Guter Zustand

Bevölkerung : 34,5 M.
Bev. 0-14 Jahren : 15,5%

Lebenserwartung :  81,5 Jahre
Kindersterblichkeit : 4 ‰

Gegen Kinder aus indigenen Gruppen

Gegen Kinder aus indigenen Gruppen

Indigene Kinder sind oft das Ziel schwerwiegender rassistischer Angriffe. Sie werden häufig von denjenigen, die Unterschiede nicht tolerieren können, belästigt, bedroht oder sogar geschlagen. Dennoch ist die Diskriminierung der indigen Bevölkerung ein bekanntes Problem. So entschuldigte sich die kanadische Regierung öffentlich für die Behandlung, die diese Kinder in „residential Indian schools” ertragen mussten. Des Weiteren hat die Regierung in den letzten Jahren 10 Milliarden Dollar für Programme zur Unterstützung von indigenen Bevölkerungsgruppen bereitgestellt. Außerdem hat die Regierung versprochen, spätestens im September 2014 ein Gesetz zur Bildung in den First Nations einzuführen. Dieses Gesetz, das sich noch in der Entwurfsphase befindet, zielt auf ein stärkeres und verantwortungsbewussteres Schulsystem in den Reservaten ab, um indigenen Kindern größere Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt zu bieten.

Gegen Behinderte

Artikel 38-1 des Gesetzes über Einwanderung und den Schutz der Flüchtlinge hält fest, dass „Migranten, deren Gesundheitszustand eine übermäßige Belastung für Sozial- oder Gesundheitsdienste darstellen könnte, aus gesundheitlichen Gründen die Einreise nach Kanada verweigert wird.“ Dieser Artikel wurde bekanntlich im Barlagne-Fall angewandt, in dem ein junges Mädchen mit Behinderung aus Kanada abgeschoben wurde, weil sie eine „übermäßige Belastung“ für die Sozialdienste darstellte. Obwohl ihre Geschichte gut ausging und sie in Kanada bleiben durfte, stellt schon allein die Tatsache, dass ein solcher Artikel besteht, eine offenkundige Diskriminierung von Kindern mit Behinderungen dar.

Gesetzgebung in Bezug auf Kinder

Ein Bericht des kanadischen Senats von Juni 2007 hat ergeben, dass das Land auf nationaler Ebene bislang wenig dafür getan hat, um die Sicherstellung der Umsetzung und Einhaltung der Kinderrechtskonvention zu garantieren. Auch die grundlegenden gesetz- und verfassungsgebenden Strukturen sind zur Beachtung dieser Rechte unzulänglich. So wird das Kindeswohl in den meisten kanadischen Gesetzen nicht berücksichtigt; daher stehen nur wenige rechtliche Maßnahmen für diesen Zweck zur Verfügung.

Zusätzlich unterscheiden sich diese Gesetze in den verschiedenen Provinzen. So sind beispielsweise das Pflichtschulalter oder die Altersstufen, in denen Kindern verschiedene Schutzmaßnahmen gewährt werden, von Provinz zu Provinz unterschiedlich. Schließlich wendet Kanada nur ein Mindestbudget für die Auswertung der Verhältnisse der Kinder im Land auf, was den Schutz ihrer Rechte behindert.

Auch wenn Kanada Kinder unter 18 Jahre nicht in Kriegsgebiete entsendet, ist die Rekrutierung von Kindern ab 16 Jahren (mit Pflichtzustimmung der Eltern) für eine militärische Ausbildung erlaubt.

  • Sexuelle Ausbeutung

Die sexuelle Ausbeutung von Kindern ist eine der größten Sorgen des Landes. Nach staatlichen Umfragen aus dem Jahre 2003 stellen Kinder 60% aller berichteten Opfer sexueller und 20% aller berichteten Opfer körperlicher Misshandlungen. In Ländern, in denen das Internet weitreichend genutzt wird, gefährden sexuelle Straftäter immer mehr die Sicherheit der Kinder.

Obwohl Kanada bemüht ist, diese Misshandlungen zu beseitigen, bleibt es weiterhin schwierig, die Straftäter zu identifizieren und rechtlich gegen sie vorzugehen.

2012 wurde eine Abänderung des kanadischen Strafgesetzbuches zur Vorbeugung gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern veröffentlicht. Demnach gelten die Bereitstellung von sexuell freizügigen Inhalten an Kindern sowie die Benutzung von Telekommunikationsgeräten für sexuelle Zwecke, in die Kinder involviert sind, als gesetzlich strafbare Handlungen.

  • Misshandlung

Die Misshandlung von Kindern ist ein weiteres erhebliches Problem in Kanada. Hierzu wird im Artikel 43 des kanadischen Strafgesetzbuches Folgendes bestimmt:

„Alle Lehrer, Väter und Mütter, oder jegliche Personen, die den Vater oder die Mutter vertreten, sind berechtigt, zur Disziplinierung eines Schülers oder Kindes Gewalt anzuwenden, je nach Fall, die ihnen anvertraut wurden, solange die angewandte Gewalt den angemessenen Rahmen unter den gegebenen Umständen nicht überschreitet.“

Das Konzept des „angemessenen Rahmens“ ist sehr vage und seine Auslegung kann von einer Person zur anderen stark variieren. Auch die Verfassungsmäßigkeit dieses Artikels wurde schon oft in Frage gestellt. Dennoch hat die Regierung seine Aufhebung noch nicht in Erwägung gezogen. Obwohl Kanada sehr um das Wohlergehen von Kindern bemüht ist, weist es in diesem Punkt rechtliche Schwächen auf, was die Grundsätze der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen betrifft.

 

  • Umwelt

Mit jährlichen Kohlenstoffdioxidemissionen von 16,7 Tonnen pro Person weist Kanada einen der höchsten Grade an Umweltverschmutzung weltweit auf. Als direkte Folge dieser Verschmutzung bleibt Kindern ihr Recht verwehrt, in einem gesunden Umfeld aufzuwachsen und zu leben. Kanada hat noch einen langen Weg vor sich, um seinen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.

Die Anzahl der einkommensschwachen Haushalte ging von 18,4 % im Jahr 1996 auf 8,1 % im Jahr 2010 zurück. So überschritten beispielsweise 2009 47.000 Familien die Grenze zum geringen Einkommen. Trotz dieser vielsprechenden Statistik muss berücksichtigt werden, dass zwischen 1995 und 2005 die finanziellen Ungleichheiten in Kanada unter allen OECD-Mitgliedsstaaten am stärksten gestiegen sind. Dennoch legte die Regierung im gleichen Zeitraum Wert auf eine höhere soziale Mobilität. So verfügen kanadische Kinder dank der umgesetzten Maßnahmen zur Verbesserung der Bildung und zur Bekämpfung der Armut über mehr Möglichkeiten als frühere Generationen, ihren sozioökonomischen Status zu verbessern.

Kürzlich wurde ein Ausschuss für geistige Gesundheit einberufen und ein Programm zur Bekämpfung der Fettleibigkeit ins Leben gerufen. Außerdem wurde 2010 ein Fünfjahresplan zur Vorbeugung von Selbstmord unter der indigenen Jugendbevölkerung eingeführt.