Die Kinder von Äquatorialguinea

Die Kinder von Äquatorialguinea

Kinderrechte in Äquatorialguinea verwirklichen

Boy from Bateta © John & Mel Kots

Äquatorialguinea ist ein zentralafrikanisches Land, das aus zwei Teilen besteht: der eine ist kontinental und liegt zwischen Kamerun und Gabun, der andere besteht aus zwei Inseln, Bioko und Annobón. Das Nationales Komitee für die Rechte des Kindes wurde 1997 gegründet, es war jedoch bislang leider nicht sehr effektiv, und es besteht wenig Koordination zwischen den auf verschiedenen Ebenen stattfindenden Aktionen.

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Index der Realisierung von Kinderrechten:
5,52 / 10
Schwarz Stufe: sehr Schwierige Situation

Bevölkerung: 720 000
Bev. 0-14 Jahren: 41,3 %

Lebenserwartung: 53,1 Jahre
Kindersterblichkeit: 68 ‰

Die größten Probleme der Kinder in Äquatorialguinea

Zugang zu Bildung

Der internationale Ausschuss für die Rechte des Kindes wurde ins Land eingeladen, um ein Gesetz auf den Weg zu bringen, das den obligatorischen und freien zu Bildung garantiert. Es gibt jedoch noch immer zahlreiche Hindernisse bezüglich der Anerkennung dieses fundamentalen Rechts des Kindes. Tatsächlich bleiben die Quoten von Schulunterricht (57 %) und Alphabetisierung im Land ziemlich schwach. Beim der Schulbesuchsquote bestehen außerdem Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Die traditionelle und oftmals konservative Sichtweise auf Mädchen führt dazu, dass diese nicht immer einen Schulplatz erhalten. Während Jungen in vielen Familien sogar Hochschule besuchen dürfen, müssen Mädchen die Schule oft früher verlassen, weil sie sich mit ungeplanten Schwangerschaften konfrontiert sehen oder von ihren Familien zu Hausarbeiten gedrängt werden.

Auf der anderen Seite stehen generell nur geringe Mittel für die Bildung zur Verfügung; es ist deshalb schwierig, Erziehungsprogramme einzurichten. Dem Land fehlen außerdem qualifizierte Lehrkräfte, die ihr Wissen an die Kinder weitergeben könnten.

Kinderarbeit

Obwohl Kinderarbeit gesetzlich verboten ist, gibt es noch immer zahlreiche arbeitende Mädchen, vor allem auf der Straße oder als Bedienstete. In der Hauptstadt Malabo ist die Zahl von Prostituierten im Kindesalter in den letzten Jahren gestiegen.

Die Regierung muss deshalb dringend Maßnahmen ergreifen, um die bestehenden Gesetze gegen Kinderarbeit auch zur praktischen Anwendung zu bringen.

Kindersoldaten

Der Ausschuss für die Rechte des Kindes ist sehr beunruhigt, da das Land das Protokoll zum Verbot der Teilnahme von Kindern an bewaffneten Konflikten nicht unterzeichnet hat. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass Kinder in den Kriegen, in die Äquatorialguinea verwickelt ist, als Soldaten missbraucht werden.

Diskriminierung

Es gibt noch viele diskriminierende Praktiken in Guinea. Insbesondere der Zugang zu Dienstleistungen ist für bestimmte Gruppen stark beschränkt. Diese Diskriminierungen betreffen vor allem Mädchen, aber grundsätzlich auch außerhalb der Ehe geborene Kinder, Kinder aus armen Familien, behinderte Kinder und Kinder, die ethnischen Minderheiten angehören.

Leider scheint es nicht so, als ob der Staat konkrete und wirksame Maßnahmen ergreift, um diese Formen der Diskriminierung zu verhindern.

Das Recht auf Identität und Familie

Ein Kind hat das Recht auf eine Nationalität, die es aber nur erhält, wenn es nach der Geburt registriert wird. Das System für die Registrierung von Geburten funktioniert in Guinea nur unzureichend und verhindert oft, dass Kinder eine offiziell anerkannte Identität erhalten. Vielen Eltern ist nach wie vor nicht bewusst, wie wichtig die Anmeldung ihrer Kinder nach der Geburt ist.

Zusätzlich wird offenbar das Recht auf eine Familie für die Kinder nicht immer respektiert. So werden Vormundschaft und Erziehungsberechtigung im Falle einer Scheidung automatisch dem Vater der Familie übertragen, wodurch Kinder von ihrer Mutter getrennt werden. Es ist außerdem besorgniserregend, dass weniger als 50 % der Kinder mit beiden Elternteilen leben, was insbesondere durch Urbanisierung, Armut oder Tod durch HIV/AIDS bedingt ist. Darüber hinaus sorgt der Staat nicht für Kinder, die durch diese Krankheit zu Waisen werden.

Gesundheit

Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren beträgt 121 von 1000, und diejenige von Kindern unter einem Jahr, 81 von 1000. Von Beobachtern wurden bereits Bedenken gegenüber dem Standard des Gesundheitssystems von Guinea geäußert. Auch ist Mangelernährung bei Kindern sehr weit verbreitet. Dies liegt daran, dass arme Familien keinen Zugang zu fließendem Wasser oder sanitären Einrichtungen haben. Der Staat stellt für diese Angelegenheiten des Gesundheitswesens nur wenige Ressourcen zur Verfügung.

Gewalt gegen Kinder

Körperliche Züchtigung wird vom Gesetz nicht ausdrücklich verboten, wird immer noch angewendet und ist sozial akzeptiert.

Sexuelle Gewalt ist in Guinea ebenfalls sehr verbreitet. Es besteht eine hohe Toleranz gegenüber der Vielzahl von sexuellen Handlungen auch innerhalb der Familie. Inzestuöse sexuelle Beziehungen oder sexuelle Handlungen mit Minderjährigen, die zur Familie des Täters gehören, sind gesetzlich nicht Verboten, selbst wenn es leibliche Kinder betrifft.

Kinderheirat

Das Erwachsenenalter ist offiziell auf 18 Jahre festgelegt und das Gesetz verbietet Heiraten vor diesem Alter. Da traditionelle Praktiken noch sehr stark verbreitet sind, heiraten viele Mädchen dennoch sehr jung und weit vor Vollendung des 18. Lebensjahrs.

Höheres Interesse des Kindes

Die Meinung und Perspektive von Kindern werden traditionell innerhalb der Familie oder beim Erlass von Gesetzen nicht berücksichtigt. Es gibt noch immer viele traditionelle Bräuche, welche die Interessen von Kindern – insbesondere von Mädchen – nicht berücksichtigen oder ihnen sogar entgegen stehen. Auch bei der Einführung von Gesetzen ist das Interesse des Kindes nicht immer das erste Anliegen des Staates.

Gerechtigkeit für Minderjährige

In Guinea mangelt es an einem effektiven Justizsystem für Minderjährige. Eine Kinder- oder Jugendrechtsprechung existiert nicht und wenn Kinder polizeilich festgehalten werden, sind ihre Aufenthaltsbedingungen oft sehr schlecht. Sie werden gemeinsam mit Erwachsenen inhaftiert und haben keinen Zugang zu grundlegender Versorgung.