Kinder auf Jamaika

Kinder auf Jamaika

Die Verwirklichung von Kinderrechten auf Jamaika

 

Jamaika, wo die täglich stattfindende Gewalt meist verherrlicht wird, findet sich regelmäßig im Zentrum der Kritik im Hinblick auf Menschenrechte. Das Land hat trotzdem gute Fortschritte bei dem Schutz dieser Rechte gemacht, hauptsächlich durch die Annahme der internationalen Kinderrechtskonvention, wie auch durch das Gesetz über die Betreuung und den Schutz von Minderjährigen.

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Index der Realisierung von Kinderrechten: 8,42 / 10
Gelbe Stufe: Zufriedenstellende Situation

Population: 2,9 Millionen
Bevölk. 0-14: 29 %

Lebenserwartung: 73,5 Jahre
Kindersterblichkeitsrate: 14 ‰

 

Hauptprobleme, mit denen jamaikanische Kinder konfrontiert werden:

Armut

Die jamaikanische Wirtschaft ist hauptsächlich auf dem tertiären Sektor aufgebaut, der 60% des Bruttoinlandsproduktes darstellt. Tourismus ist die wichtigste einkommensgenerierende Aktivität des Landes und zieht pro Jahr durchschnittlich zwei Millionen Besucher an.

Leider sind die luxuriösen Hotelkomplexe für Touristen auf der Insel weit von der Realität der 2,8 Millionen Landesbewohner, die in Armut leben, entfernt. Die hohe Arbeitslosenquote Jamaikas verstärkt die Unsicherheit der Bevölkerung, wie auch Probleme durch Kriminalität, Gangs und denen des Drogenhandels.

Das Recht auf Bildung

Obwohl bereits Fortschritte gemacht wurden, muss Jamaika weiterhin viele Hürden überwinden, um allen Kindern die gleichen Chancen beim Zugang zur Bildung erfolgreich zu ermöglichen. Minderjährige, die vom Land oder aus den städtischen, benachteiligten Slums stammen, haben stark reduzierte Möglichkeiten um zur Schule zu gehen.

Das Hauptproblem ist einfach: In Jamaika, abgesehen von den Grundschulen, müssen weiterführende Schulen bezahlt werden, was sehr hohe Schulgebühren für die vielen benachteiligten Kinder bedeutet. Daher ist es einigen jungen Jamaikanern mit guten Noten unmöglich, ihre Bildung auf höherem Niveau weiterzuführen. Ein extremer Mangel an Klassenraumausstattung kommt noch erschwerend hinzu.

Das jamaikanische Bildungssystem muss immer noch Fortschritte machen, um seinen Kindern gleichwertigen Zugang zur Bildung zu verschaffen.

Straßenkinder

Wenn sich jamaikanische Kinder dazu gezwungen sehen, auf der Straße zu leben, dann ist der Hauptgrund dafür HIV/AIDS. Viele der Straßenkinder sind Waisen, da ihre Eltern an der Krankheit gestorben sind.

Armut, Gewalt und Migration erklären auch die soziale Ausgrenzung dieser Kinder. Vernachlässigt und auf sich selbst gestellt, werden sie schnell zur einfachen Beute der Gangs, die im Land ihr Unwesen treiben, da das soziale System zu schwach ist, um ihnen aus der Situation heraus zu helfen.

Die Kinder, die keinen Zugang zur Bildung haben, müssen um ihre Bedürfnisse zu decken, arbeiten und bringen damit ihre Gesundheit in Gefahr. Dies alles steht im kompletten Gegensatz zu ihren grundlegenden Rechten.

Sexuelle Ausbeutung von Kindern

Studien haben gezeigt, dass sexueller Missbrauch weiterhin häufig vorkommt auf Jamaika. So gibt zum Beispiel eines von zwei Mädchen an, zu ihrem ersten sexuellen Kontakt gezwungen worden zu sein. Nichtregierungsorganisationen haben des Weiteren angegeben, dass es die Anführer bestimmter Gangs und teilweise sogar die Väter der jungen Mädchen als ihr „Recht“ ansehen, den ersten sexuellen Kontakt der Mädchen für sich zu beanspruchen.

Kinderprostitution

Unter anderem zwingt die Armut junge Mädchen dazu, sich zu prostituieren, vor allem in den sehr touristisch geprägten Gebieten der Insel. Studien haben eine sehr hohe Anzahl an Minderjährigen nachgewiesen, die ihre Dienste gegen Geld oder sogar gegen Nahrung anbieten. Eine Studie der Internationalen Arbeitsorganisation hat festgestellt, dass sich bereits sehr junge Kinder ab 10 Jahren prostituieren.

Unter den Kindern, die sich auf der Straße prostituieren, finden sich Waisen, formell prostituierte Kinder, sich gelegentlich prostituierende Kinder und andere junge Leute, die als Gogo-Tänzer oder Masseure/Masseurinnen eingestellt werden.

Die Gefahren, die diese Kinder bedrohen sind groß: die fehlende Benutzung von Kondomen steigert die Risiken für ungewollte Schwangerschaften und für sexuell übertragbare Krankheiten, gar nicht zu reden von dem psychologischen Trauma, welches die Kinder erfahren.

Kinder und AIDS

Jamaika ist ebenfalls stark von HIV/AIDS betroffen. Tatsächlich, entgegen vieler Anstrengungen auf nationalem Niveau, ist gezwungenermaßen festzustellen, dass die Epidemie weitergeht. 10% der Personen, die sich mit der Krankheit infiziert haben sind Kinder unter 18 Jahren (dies sind circa 20 000 Kinder, darunter 5 000 Waisen). In den meisten Fällen findet die Übertragung von der Mutter auf das Kind statt.

Die Risiken für eine soziale Ausgrenzung dieser Kinder ist sehr groß. Ihr Großteil wird nie in die Gesellschaft eingegliedert werden.

Um dies zu beheben, wurden viele Aktionen ins Leben gerufen. Heute werden diese Kinder mehr und mehr systematisch betreut und können von einer passenden Behandlung profitieren. Unter anderem wurden die Aufklärungsinterventionen für Jugendliche erweitert, um sexuelle Risiko-Praktiken einzudämmen.

Kinder und Gewalt

Mit der höchsten Kriminalitäts- und Mordrate in Amerika, hat die tägliche Gewalt auf Jamaika verheerende Auswirkungen auf die Kinder.

Es ist ihnen unmöglich, sich frei zu bewegen, da selbst schulische und freizeitliche Aktivitäten oft durch öffentliche Streitigkeiten unterbrochen werden. Als Zeugen der Aggression, von Raubüberfällen und Gang-Kriegen, werden die kleinen Jamaikaner traumatisiert und leiden sehr früh unter großen psychologischen Problemen. Einige unter ihnen werden sogar als Kampfkraft für die Gangs rekrutiert.

Es bleibt viel zu tun, um die Kinder zu schützen, die unter den Folgen der Straflosigkeit und der sehr gängigen Korruption leiden.

Inhaftierte Kinder

Laut der UNO, werden in Jamaika Kinder in den gleichen Zellen wie die Erwachsenen in den Haftanstalten untergebracht. Außerdem werden Kinder, die eine besondere Hilfe oder besonderen Schutz brauchen, nicht angemessen betreut. Diejenigen, die psychiatrische oder medizinische Betreuung brauchen, haben so gut wie keinen Zugang dazu. Es wurden mehrere Fälle aufgedeckt, in denen mit HIV-infizierte junge Mädchen nicht einmal einen Arzt zur Rate ziehen durften.

Das Recht auf Identität

In Jamaika werden 10% der Geburten nicht registriert, bevor das Kind ein Jahr alt ist. Dies stellt ein Problem dar, da Kinder, die für die Gesellschaft unsichtbar sind, ihre Rechte nicht geltend machen können, nicht einmal die grundlegendsten.