Lesothos Kinder

Lesothos Kinder

Die Rechte der Kinder in Lesotho verwirklichen

Die stetige Anzahl von HIV/Aids-Erkrankungen und die sinkenden wirtschaftlichen Ressourcen haben Lesotho zugesetzt, was die Verbesserung der Situation der Kinder erschwert. Trotz der Anstrengungen des Königsreiches leben 3 von 5 Kindern in bedauernswerten Konditionen, und beinahe 25% der Minderjährigen sind Waisen. Diese Kombination aus Krankheit, Hunger, Armut und der schlechteren wirtschaftlichen Situation verringert die soziale Sicherheit für die Kinder

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Index der Realisierung von Kinderrechten:
5,93 / 10
Schwarz Stufe:
sehr Schwierige Situation

Bevölkerung: 1,94 M.
Bev. 0-14 Jahren: 33,1 %

Lebenserwartung: 49,5 Jahre
Kindersterblichkeit: 69 ‰

Hauptprobleme der Kinder in Lesotho

Armut

Wie die meisten seiner Nachbarn muss sich auch Lesotho einem wirtschaftlichen Kampf und einer wachsenden Armut stellen. 43% der Bevölkerung lebt unter der Armutsschwelle mit weniger als 1,25 $ pro Tag.

Viele von ihnen wachsen in gesundheitsschädlichen Unterkünften auf, ohne wenigstens das Minimum an Nahrung zu haben, was für eine gute Entwicklung notwendig wäre, und es fehlen auch viele andere wichtige Sachen für ihr Wohlergehen.

Recht auf Gesundheit

Die Situation der Kinder in Hinsicht auf ihre Gesundheit ist katastrophal in Lesotho. Das erklärt sich zum Teil aufgrund der Armut und der geografischen Situation des Landes (Gebirgslandschaft), wo die Familien oft keine medizinische Infrastruktur oder auch keinen Arzt in ihrer Nähe haben.

Diese Art von Gebiet erlaubt es nicht, im Notfall eine sofortige Betreuung oder eine regelmäßige medizinische Kontrolle, die für eine gute Entwicklung wichtig wäre, zu garantieren. Das erklärt, warum bei den Minderjährigen eine beunruhigende sinkende Impfrate zu verzeichnen ist.

Die Lebensbedingungen der Kinder sind im Allgemeinen sehr prekär. Diese Armut bringt Unterernährung und Krankheiten, die durch mangelndes Trinkwasser verursacht werden, vor allem in ländlichen Gebieten mit sich.

Andererseits steht Lesotho an dritter Stelle der Länder, die am stärksten von HIV betroffen sind. Die Übertragung von Mutter auf Kind ist praktisch genauso hoch wie die Übertragung auf sexuellem Weg und stellt somit die zweithäufigste Übertragungsmöglichkeit dar. Eine Untersuchung hat ergeben, dass 27,7% der schwangeren Frauen, die bei einer Vorsorgeuntersuchung waren, bereits mit HIV infiziert waren. Laut dem Ministerium für Gesundheit und Soziales werden von den 55.000 Säuglingen, die jedes Jahr geboren werden, 15.235 von seropositiven Müttern geboren.

Auch wenn Lesotho Vorsorgemaßnahmen ergriffen hat, um die Übertragung von HIV/Aids einzuschränken, bleibt dies allerdings unzureichend, wenn man betrachtet, welches Ausmaß das Problem hat.

Misshandlung von Kindern

Obwohl die Prügelstrafe in Schulen gesetzlich verboten ist, wird diese Praxis immer noch in schulischen Einrichtungen angewendet. Sie existiert auch immer noch im Kreis der Familie sowie in Einrichtungen für sozialen Schutz, im Justizsystem für Minderjährige und im Allgemeinen in der Gesellschaft.

Das Zurückgreifen auf die Prügelstrafe gegenüber Kindern wird von der Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert, was die Abschaffung dieser Praxis als Erziehungsmethode deutlich verzögert.

Andere Gewaltakte gegenüber Kindern werden zudem mit Straffreiheit von Mitgliedern der öffentlichen Macht begangen, ohne dass das Strafjustizsystem eine Untersuchung eröffnet oder reagiert.

Genitalverstümmelungen

In Lesotho sind nach wie vor Genitalverstümmelungen an jungen Mädchen und Jungen zu verzeichnen. Diese Praxis, die entgegen der menschlichen Würde ist, raubt dem Kind verschiedene Rechte, inbegriffen das Recht auf Leben und das Recht auf Schutz gegen jede grausame, unmenschliche und verschlechternde Behandlung.

Die Beschneidung, eine Genitalverstümmelung, die noch in mehreren Regionen von Lesotho angewendet wird, kann aufgrund von schlechten Hygienebedingungen, unter denen die Verstümmelungen stattfinden, schlimme Gesundheitsfolgen für die jungen Mädchen haben. Häufig kommt es nach diesem Ritual zu Infektionen oder Blutungen. Diese Praxis kann auch zu schweren psychologischen Problemen bei den Mädchen führen.

Auch die Beschneidung bei Jungen kann, wenn sie unter schlechten sanitären Bedingungen stattfindet, eine Gefahr für die Gesundheit darstellen.

Außerdem ist es beunruhigend, eine Verringerung des ausgebildeten Gesundheitspersonals, das sowieso schon beschränkt war, zu sehen, was einen Mangel im Bereich der angebotenen Grunddienstleistungen zur Folge hat.

Recht auf Bildung

Die Ressourcen, die der Bildung zugeschrieben werden, sind in abgelegenen und isolierten Regionen quasi nicht existierend. Denn eine große Zahl von Kinder aus Schäferfamilien, von Kindern, die in Armut leben oder von Kindern, die zu ländlichen isolierten Gemeinschaften gehören, hat immer noch keinen Zugang zu Bildung.

Das erklärt sich auch durch die Tatsache, dass die extreme Armut einiger Bevölkerungen die Kinder dazu verpflichtet, zu arbeiten, um ihren Familien zu helfen und nicht zur Schule zu gehen.

Was die allgemeine Situation des Unterrichtswesens betrifft, stellt man einen Mangel an qualifizierten Lehrern, eine mittelmäßige Infrastruktur und einen enormen Mangel an Material fest. Zudem sind die Schulen überlaufen, wodurch ein guter Unterricht nicht möglich ist und eine hohe Durchfall- bzw. Wiederholungsrate zu verzeichnen ist.

Schließlich werden junge Mädchen, die während der Ausbildung schwanger werden, von den Schulen ausgeschlossen. Eine solche Maßnahme ist nicht nur diskriminierend gegenüber diesen jungen Mädchen, sondern bedeutet auch eine Verletzung ihres Rechts auf Bildung.

Recht auf Nichtdiskriminierung

Obwohl das Prinzip der Nichtdiskriminierung in der Verfassung von Lesotho verankert ist, stellt man das Andauern schlimmer diskriminierender Praktiken fest, die eine verhängnisvolle Folge auf die Rechte der Kinder und im Besonderen auf die jungen Mädchen haben.

Die Hauptopfer der Diskriminierung sind Kinder, die unehelich geboren wurden, was für die Familien viele Probleme nach sich zieht. Viele dieser Kinder, besonders jene, die zu verwundbaren Gruppen gehören, haben keinen Zugang zu Bildung oder Gesundheitsdienstleistungen.
Das erklärt sich durch die Schwierigkeiten und die Demütigungen, denen die Mütter der unehelichen Kinder ausgesetzt sind, wenn sie versuchen, Papiere für die Kinder zu erhalten.

Die zweiten Opfer der Diskriminierung sind die Kinder, die HIV/Aids haben. Diese Kinder werden oft von den Personen, die nicht an HIV/Aids leiden, an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Viele andere Brandmarkungen auf Kinder, die in ländlichen zurückgezogenen Gegenden leben, auf Kinder aus Inzestbeziehungen, auf schwangere Mädchen, auf behinderte Kinder, auf Straßenkinder oder auf Kinder, die ethnischen Minderheitsgruppen angehören, müssen genannt werden.

Kinderheirat

19% der jungen Mädchen werden vor ihrem 18. Geburtstag in Lesotho verheiratet, was physisch und psychologisch für die jungen Mädchen schädlich ist, weil sie nicht unbedingt die Folgen einer solchen Verpflichtung ermessen können.

Zudem kommt es nicht selten vor, dass die jungen verheirateten Mädchen von ihrem Gatten vergewaltigt werden, obwohl sexueller Missbrauch in der Ehe seit einiger Zeit durch das Gesetz bestraft wird.

Die Heirat junger Minderjähriger erklärt sich zum Teil durch die Armut der Familien, die ein Kind weniger zum Ernähren haben möchten. Außerdem kann die Aussteuer, die die Eltern im Gegenzug zur Hand ihrer Tochter erhalten, ein rettendes Einkommen für die bedürftigen Familien darstellen.

Recht auf Identität

Obwohl die Registrierung von Geburten in Lesotho Pflicht ist, ist die Registrierungsrate noch gering (nur 45% der Kinder sind registriert). Das hängt damit zusammen, dass einige Registrierungsvorgänge manchmal unzugänglich sind (besonders für Familien, die in ländlichen oder gebirgigen Gegenden leben) und für die Bevölkerung zu teuer sind.

Die Kinder sind also nicht alle bei der Geburt registriert wurden und sind somit nicht als vollständiger Teil der Gesellschaft anerkannt. Sie haben also auch keine Möglichkeit, ihr Recht geltend zu machen.

Kinderarbeit

In Lesotho zählt man eine hohe und wachsende Rate an Kindern, die dazu verpflichtet sind, zu arbeiten. 10 bis 14% der Jungen im schulpflichtigen Alter müssen Viehherden bewachen und knapp 18% von ihnen werden nicht von der eigenen Familie beschäftigt. Der Schäferberuf ist die häufigste Form der Kinderarbeit, aber sie ist auch die gefährlichste.

Jungen sind auch als Straßenverkäufer oder Träger oder in der Textilindustrie angestellt. Außerdem werden die Kinder, die arbeiten, oft von ihren Arbeitgebern schlecht behandelt. Man stellt fest, dass diese Kinder eine höhere Analphabetismusrate haben, da sie weniger Zugang zu Bildung haben und seltener von den Angeboten und nationalen Programmen profitieren können.

Die Justiz der Kinder

Das Alter der strafrechtlichen Verantwortlichkeit der Kinder ist in Lesotho extrem niedrig (ab 7 Jahre), was entgegen der Internationalen Kinderrechtskonvention ist. Einige Minderjährige sind unter unmenschlichen Bedingungen (mangelnde Hygiene und überfüllte Gefängnisse) inhaftiert, was auch der Internationalen Kinderrechtskonvention widerspricht.

Meinungs- und Redefreiheit

Einige traditionelle Praktiken und Verhaltensweisen können die Anwendung des Rechts auf Redefreiheit von Kindern einschränken. Das trifft vor allem auf junge Mädchen zu, die nicht das Recht haben, ihre Meinung mitzuteilen oder nicht bei Entscheidungsprozessen teilhaben können.

Zudem legen die Gerichte nicht genügend Gewicht auf die Zeugenaussagen der Kinder. Dies zeigt, dass das Prinzip des Hauptinteresses des Kindes nicht respektiert wird und dass diese Situation verschlimmert wird durch die Lücken in der Anwendung des Gesetzes, nach dem das Kind angehört werden muss.

Für Lesotho ist es daher notwendig, den Respekt der Meinungen des Kindes zu fördern, besonders jener der Mädchen, in der Schule, in der Familie sowie im Gesundheits- und Rechtswesen und die Rechte des Kindes an der Teilnahme zu stärken.