Kinder im Sudan

Kinder im Sudan

Die Umsetzung der Kinderrechte im Sudan

Im Sudan haben zwei ausgeprägte Bürgerkriege Millionen Tote, Flüchtlinge und im Land Vertriebene gefordert. Für die Kinder des Landes, welche die Hauptopfer der Konflikte sind, hat dies drastische Folgen in Bezug auf Bildung, Gesundheit und Wohlbefinden.

 Carte-Soudan


Index der Realisierung von Kinderrechten
: 5,04/10
Schwarze Stufe: sehr Schwierige Situation

Bevölkerung: 34,8 Millionen

Bev. 0-14 Jahren: 41,4 %

Lebenserwartung: 62,1 Jahre

Kindersterblichkeit: 48 %

Die Hauptprobleme der sudanesischen Kinder sind:

Armut

Der Sudan ist eines der ärmsten Länder der Erde. 40% der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze und die Mehrheit der Sudanesen lebt unter fürchterlichen Bedingungen. Das raue Klima und der Mangel an natürlichen Ressourcen sind in erster Linie Grund für die vorherrschende Armut, jedoch haben die politische Instabilität und innere Konflikte die Situation weiter verschärft. Dadurch, dass Ihnen sogar die Befriedigung der Grundbedürfnisse verwehrt bleibt, raubt die Armut den sudanesischen Kindern ihre Kindheit.

Das Recht auf Gesundheit und Gesundheitsfürsorge

Der Zugang zu Gesundheitsfürsorge und sicherem Trinkwasser ist im Sudan begrenzt. Nach Angaben der Statistiken von UNICEF haben 40% der Bevölkerung keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser.

Medizinische Ressourcen sind sehr limitiert und werden durch die internen Konflikte des Landes immer weiter erschöpft. In Darfur muss beispielsweise die große Mehrheit der Krankenhäuser derzeit erst wieder aufgebaut werden. Es besteht ein dramatischer Mangel an medizinischen Materialien und Einrichtungen und bestehende Einrichtungen sind zu schlecht ausgestattet, um mit der hohen Anzahl der Kinder umzugehen, die medizinische Hilfe brauchen. Dabei handelt es sich größtenteils um Neugeborene, die an ernsthaften Krankheiten leiden, welche häufig von Mangelernährung und Dehydration hervorgerufen werden.

Das Recht auf Nahrung

Die Konflikte, die den Sudan über Jahrzehnte erschüttert haben, führten in Verbindung mit den harten klimatischen Bedingungen, wie Fluten und Dürren, zu einem schwerwiegenden Mangel an Lebensmitteln. Die sudanesische Bevölkerung ist weiterhin stark von Lebensmittelhilfen abhängig, da sie sich nicht vollständig auf eigene Ernten verlassen können.

Insbesondere Kinder sind von Nahrungsmittelknappheit bedroht. Die Kindersterblichkeitsrate ist deshalb besonders hoch, da 30% der Babys bei der Geburt an Untergewicht leiden.

Das Recht auf Bildung

Nahezu die Hälfte der sudanesischen Kinder besuchen keine Schule. Obwohl theoretisch eine Schulpflicht besteht, sieht die Realität ganz anders aus. Aufgrund von Armut und dem Mangel an Schutz und Sicherheit, schaffen es die Kinder in der Regel nicht, die Schule zu besuchen oder abzuschließen. Insbesondere Mädchen sind mit vielen Hindernissen konfrontiert, die sie davon abhalten, Zugang zu Bildung zu erlangen. Zu den Gründen gehören in einigen Gegenden Kinderheirat sowie mangelnde Aufklärung der sozialen Gemeinschaft bezüglich der besonderen Notwendigkeit, dass Mädchen in den Genuss von Bildung kommen.

Um die Rate der Schulabbrecher zu reduzieren, haben das Ministerium für Bildung und das World Food Programm ihre Bemühungen vereint, um sämtlichen Schülern eine Mittagsverpflegung bereit zu stellen. Dies bietet Eltern einen Anreiz, ihre Kinder zur Schule zu schicken, da sie wissen, dass sie dort Verpflegung erhalten.

Kindersoldaten

Der Sudan, ebenso wie der Süd-Sudan, hat viele Kinder zum Militärdienst eingezogen. Nach Angaben von UNICEF gibt es allein in Darfur an die 6000 Kindersoldaten. Offiziellen Berichten zufolge sind die Jüngsten unter ihnen erst 11 Jahre alt. Die Mädchen werden häufig Opfer sexuellen Missbrauchs, vor dem sie durch niemanden geschützt werden.

Hinzu kommt, dass der bewaffnete Konflikt zwischen Chad und dem Sudan, welcher eng verbunden mit dem Konflikt in Darfur ist und bereits seit Jahren andauert, dazu geführt hat, dass die Zahl der rekrutierten Kindersoldaten im Sudan angestiegen ist. Junge Sudanesen, die nach Chad geflohen sind, um dem Konflikt in ihrem eigenen Land zu entkommen, wurden teilweise in den Flüchtlingslagern des Chad aufgegriffen und dazu gezwungen, im chadischen Militär gegen den Sudan zu kämpfen.

Vertriebene und flüchtende Kinder

Der Sudan verfügt über die größte Anzahl intern vertriebener Menschen auf der Welt. Angesichts der Gewalt, die der Konflikt mit sich bringt, sind viele Familien gezwungen, aus ihrem Wohnort in eine düstere Zukunft zu fliehen. Die Flucht in die Auffanglager kann langwierig und lebensgefährlich sein und endet für viele tödlich.

Nach der Ankunft in den Auffanglagern sind Nahrung, Gesundheit und physische Sicherheit noch immer nicht gewährleistet. Bewaffnete Gruppen sind dafür bekannt, sich insbesondere zivile Regionen auszusuchen, um die Wirkung ihrer Angriffe zu maximieren. Hinzu kommt, dass die Lebensbedingungen in den Camps schlecht sind. Humanitäre Organisationen mit dem Ziel der Hilfeleistung für Flüchtlinge sind nicht immer in der Lage, Unterstützung zu leisten, da sie die Camps teilweise nicht erreichen.

Kinderheirat

Im Sudan werden 12,4% der Mädchen gezwungen, vor ihrem 15. Lebensjahr zu heiraten. Hochzeiten werden durch ein Sharia-basiertes Gesetz reguliert, welches 1991 durch das islamistische Regime des Präsidenten Omar Ali Bashir eingeführt wurde. Laut diesem Gesetz gilt eine Hochzeit als legal ab dem Alter der “Tamyeez”, das als die Zeit verstanden wird, in welcher ein Kind die Fähigkeit besitzt, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Dieser Entwicklungsschritt ist festgelegt ab einem Alter von 10 Jahren.

Die Praxis der Kinderhochzeit ist sehr bedrohlich für die jungen Mädchen und ihre Gesundheit. In diesem jungen Alter ist der Körper der Mädchen nicht voll entwickelt und somit nicht ausreichend vorbereitet auf Schwangerschaft oder Geburt.

Weibliche Beschneidung

Der Sudan rangiert an zweiter Stelle bei der Anzahl weiblicher Beschneidungen in Afrika. 90% der Sudanesinnen werden an ihren Genitalien vor dem Alter von 10 Jahren beschnitten. Im Sudan wird eine der verheerendsten Formen der weiblichen Genitalbeschneidung betrieben: Infibulation beinhaltet die vollständige Entfernung der Klitoris sowie das Wegschneiden und Vernähen der Schamlippen.

Diese Praxis wird mit vielen, unterschiedlichen Argumenten begründet. Die am häufigsten Vorgebrachte versteht die Beschneidung als ein Symbol des Anstands, der Würde und der Fruchtbarkeit von Mädchen im heiratsfähigen Alter. Die sozio-ökonomische Sicherheit, die eine Heirat bietet, bedeutet für die Mädchen einen massiven sozialen Druck von Seiten der Familie, sich sowohl der Heirat, als auch der Praxis der weiblichen Beschneidung zu unterwerfen.

Die Prozedur der weiblichen Beschneidung ist extrem schmerzhaft und wird ohne Betäubung durchgeführt. Sie stellt ein Risiko für Leben und Gesundheit dar, und ist eine furchtbare Verletzung der Menschenrechte der Mädchen. Durch die Gefahr des Verblutens und möglicher Infektionen gefährdet sie Leben und Gesundheit der Mädchen.

Kinder als Angehörige von Minderheiten

Kinder, die Minderheitengruppen angehören, leiden besonders unter den Auswirkungen von Unruhen. Infolge der Unabhängigkeit des christlich geprägten Süd-Sudans, stellen nicht Muslime im Rest des Landes eine Minderheit dar, welche besonders anfällig für Diskriminierung ist. Die Nuba, welche sich aus verschiedene afrikanischen Stämmen zusammensetzen, die vorrangig in den Bergen des Süd-Sudan leben, sind hierfür ein gutes Beispiel.

Im Jahre 2011 veröffentlichte die NGO “Sudan Democracy First Group” einen Bericht, in welchem sie staatliche Kräfte einer Vielzahl von Verbrechen und Verletzungen gegen die Menschenrechte bezichtigt, welche hauptsächlich gegen die Nuba-Bevölkerung in der Provinz Süd-Kurdufan verübt wurden. Nuba-Kinder sind derzeit direkt bedroht und erhalten keinen Schutz von staatlicher Seite.

Das Recht auf Leben

Laut eines Berichts von Amnesty International hat der Sudan in jüngster Zeit auch Kinder zum Tode verurteilt. Die Kinder werden in Todeszellen festgehalten.