Kinder im Kongo

Kinder im Kongo

Die Verwirklichung von Kinderrechten im Kongo

Der Kongo war zwischen 1993 und 2002 von zahlreichen Konflikten betroffen, die das Land zerstörten. Nun versucht sich das Land wieder aufzubauen. Trotz einiger Fortschritte bleibt die Lage der Kinderrechte schwach und besorgniserregend. Insbesondere Kinder leiden unter verschiedenen Arten von Diskriminierung.

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red

Index der Verwirklichung von Kinderrechten: 6,24/10
Rote Stufe: Schwierige Lage

Bevölkerung: 4,5 M
Bev. 0-14 Jahren: 45,3 %

Lebenserwartung: 58,8 years
Lebenserwartung: 75 ‰

Die größten Herausforderungen für Kinder im Kongo:

Armut

Trotz des wirtschaftlichen Fortschritts des Landes in den Jahren 2010/11 lebt noch immer die Hälfte der kongolesischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Zudem haben sie nur einen schlechten Zugang zu gesundheitlicher und sozialer Fürsorge.

Gerade Kinder in ländlichen Gegenden können oftmals nicht dieselben Leistungen in Anspruch nehmen wie Kinder aus städtischen Gebieten. Grund hierfür ist vor allem die Ungleichheit im Zugang zu solchen Diensten. In städtischen Gebieten haben z.B. 84% der Bevölkerung Zugang zu Trinkwasser, während hingegen in ländlichen Gebieten lediglich 27% darüber verfügen.

Gesundheitsfürsorge

Für die kongolesische Regierung ist die Gesundheitsfürsorge ein besonders besorgniserregender Bereich. In der Tat ist der Zugang zur Gesundheitsfürsorge ein großes Problem für die Mehrheit der Bevölkerung.

Medikamente und spezielle Behandlungen kommen hauptsächlich aus dem Ausland. Trotz der Fortschritte hinsichtlich medizinischer Einrichtungen gibt es nach wie vor nicht ausreichend Personal. Zudem ist eine qualitative Gesundheitsfürsorge sehr kostenaufwändig. Aus diesen Gründen ist der Zugang zu gesundheitlicher Fürsorge für die Bevölkerung sehr schwer.

Des Weiteren sind das Personal und gesundheitliche Einrichtungen nicht gleichermaßen im Land verteilt. In Brazzaville, der Hauptstadt des Landes, befinden sich mehr als 66% der Ärzte, 42% des paramedizinischen Personals und 28% der Krankenhausbetten. Dementsprechend ist der Zugang zu gesundheitlichen Einrichtungen für Personen aus ländlichen Gegenden schwierig.

Bildung

Im Kongo besteht die Schulpflicht vom 6. bis zum 16. Lebensjahr.

Neben der gesundheitlichen Fürsorge ist auch der Bereich der Bildung eine Priorität der kongolesischen Regierung. Dennoch sind die Ergebnisse, trotz aller Bemühungen, nicht zufriedenstellend.

Obwohl der Kongo eine besonders hohe Einschulungsrate hat (80% der kongolesischen Kinder besuchen eine Schule) und demnach zu den afrikanischen Ländern mit der höchsten Rate zählt, ist es schwierig sicherzustellen, dass die Bevölkerung eine qualitativ gute Bildung erhält.

Bildung an öffentlichen Institutionen ist keine hochwertige Bildung, da die kongolesischen öffentlichen Schulen unterversorgt sind und es große Unterschiede zwischen Städten und ländlichen Gebieten gibt.

Flüchtlingskinder

Die meisten Flüchtlingskinder im Kongo kommen ursprünglich aus Ruanda und sind aufgrund der Konflikte von dort geflüchtet.

Diese Kinder haben weder Zugang zu Bildung noch zu gesundheitlicher Fürsorge. Sie werden zum Überleben zu Zwangsarbeit gedrängt und sind zudem oftmals Opfer von Gewalt. Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) arbeitet eng mit den Autoritäten zusammen, um die Situation zu verbessern. Immer mehr Flüchtlingskinder können deshalb regelmäßig kongolesische Schulen besuchen.

Dies zeigt die Bereitschaft der kongolesischen Regierung, die Rechte von Flüchtlingen zu respektieren. Dennoch existieren weitere Probleme, die einer Verbesserung bedürfen, vor allem in Bezug auf die Zuschreibung der kongolesischen Nationalität.

Diskriminierung gegenüber Mädchen

Mädchen werden vor allem in der Schule aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert. Sie sind oftmals Belästigung und sexueller Misshandlung durch ihre Lehrer ausgesetzt.

Kinder von Minderheiten

Im Kongo werden die Einheimischen, die 10% der Gesamtbevölkerung des Landes ausmachen, noch immer abwertend „Pygmäen“ genannt. Sie sind Ungerechtigkeiten und systematischer Diskriminierung ausgesetzt. Die Einheimischen leben im Einklang mit der Natur und werden deshalb von anderen oft als „Wilde“ angesehen. In den meisten Fällen haben sie keinen Zugang zu Bildung oder gesundheitlicher Fürsorge.

Den Angaben von UNICEF zufolge, besuchen 65% der „Pygmäen”-Kinder im Alter zwischen 12 und 15 keine Schule. Auf der nationalen Ebene sind es im Vergleich 39%. Grund hierfür ist vor allem die Tatsache, dass Eltern oftmals Probleme haben, eine Geburtsurkunde, die für die Schulanmeldung des Kindes notwendig ist, zu erhalten. Oftmals sind die Geburtsregistierungszentren zu weit weg und selbst, wenn die Eltern diese Zentren erreichen, werden ihnen in vielen Fällen keine Geburtsurkunden ausgestellt. Dies verletzt eindeutig das Recht ihrer Kinder auf eine Identität.

Einheimische Kinder und ihre Familien sind vermehrt Opfer von Sklaverei, Zwangsarbeit und oftmals auch Zielscheibe von physischem und sexuellem Missbrauch. An Schulen werden die Kinder in vielen Fällen aus dem Klassenraum verwiesen oder die Eltern nicht-einheimischer Kinder nehmen ihre Kinder aus dem Unterricht, damit diese nicht mit den einheimischen Kindern verkehren.

Ein Maßnahmenplan, um die Lebensqualität dieser Personengruppe zu verbessern, wurde 2009 ins Leben gerufen. Die Regierung erhofft sich, dass im Jahr 2013 50% der einheimischen Kinder eine qualitativ hochwertige Schulausbildung erhalten und dass 60% einen Zugang zu HIV/AIDS Prävention und Pflegediensten haben. Zudem sollen 90% dieser Kinder staatlich registriert sein.

Kinderarbeit

Kinderarbeit ist im Kongo rechtlich verboten. Das legale Arbeitsalter beträgt 16 Jahre. Dennoch arbeiten in der Realität, gerade in ländlichen Gegenden, viele Kinder oftmals mit ihren Familien auf Farmen oder in kleinen Familienunternehmen. Auf Märkten ist es nicht ungewöhnlich, dass Kinder lange und unter schwierigen Bedingungen arbeiten und im Gegenzug fast nichts dafür erhalten.

Die kongolesische Regierung hat keine Berichte zu diesen Praktiken veröffentlicht. Eine Umfrage der Internationalen Arbeiterorganisation (ILO) aus dem Jahr 2005 zeigte jedoch, dass 85% der Kinder in ländlichen Gegenden für niedrige Löhne arbeiten.

Straßenkinder

Im Kongo leben viele Kinder auf der Straße. Die meisten sind in den Städten Brazzaville und Pointe-Noire, den zwei größten Städten des Landes, zu finden. Diese Kinder haben keinerlei Schutz und sind deswegen sehr angreifbar. Sie sind oftmals Opfer sexueller Ausbeutung oder fallen in die Hände von Drogenhändlern. Um zu überleben, müssen diese Kinder betteln oder verkaufen die Gegenstände, die sie geklaut haben.

Grund hierfür sind hauptsächlich die Verarmung von Familien, Scheidung oder missbräuchliche Situationen sowie Krisen und bewaffnete Konflikte.

Im Jahr 2003 wurde ein Zentrum für Integration und Rehabilitation von gefährdeten Kindern (CIREV) eröffnet. Dieses Zentrum gehört zu fünf Waisenhäusern, die vom Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen finanziert werden. Ziel ist es, den Kindern Häuser, Nahrung, Bildung und Schutz zugänglich zu machen.

Staatliche Maßnahmen werden von einem Team aus Sozialarbeitern kontrolliert. Zudem sind Pädagogen und Psychologen für die Beobachtung der Kinder in allen Phasen der Integration und Rehabilitation zuständig.

Kinder mit speziellen Bedürfnissen

Zwischen 7-10% der kongolesischen Bevölkerung haben eine Behinderung und in 66,3% der Fälle sind diese Behinderungen bereits seit der Geburt vorhanden.

Kinder mit speziellen Bedürfnissen leiden unter sozialer Ausgrenzung. Ohne einen Zugang zu Bildung und die Unfähigkeit zu arbeiten, müssen diese Kinder oft auf der Straße betteln, um zu überleben.
Allerdings garantiert Art. 30 der kongolesischen Verfassung das Recht auf speziellen Schutz für behinderte Personen. Es wurden zwar Initiativen für die Verbesserung der Pflegedienste für diese Personengruppe durch die Regierung durchgeführt. Die Resultate sind jedoch nicht zufriedenstellend.

Kinder und AIDS

Im Kongo sind 7,9% der Kinder im Alter zwischen 0-14 Jahren an HIV/AIDS erkrankt. Laut dem Komitee für die Rechte des Kindes werden Personen, die von HIV/AIDS betroffen sind, diskriminiert, vor allem wenn es sich bei den Personen um Frauen und Kinder handelt.

Kinder, die HIV-positiv sind, haben demnach Probleme sich in die Gesellschaft einzugliedern. Sie werden von der Gesellschaft zurückgewiesen, unabhängig davon, ob es innerhalb ihrer Familien, ihrer Gemeinschaft oder sogar in bestimmten Gesundheitszenten ist.

Dieses Problem ist nur schwer zu lösen, da sich einige von dem Virus betroffene Personen, sowohl Kinder als auch Erwachsene, oftmals weigern, ihre Medikamente einzunehmen, um innerhalb der Gesellschaft nicht aufzufallen. Die Regierung versucht die Rechte von HIV-positiven Personen zu schützen, sodass sie nicht zur sozialer Ausgrenzung verurteilt werden.