Kinder in Argentinien

Kinder in Argentinien

Kinderrechte in Argentinien durchsetzen

fille de l'argentine © fillette-argentine-xuoan   Garçon argentine ©garcon-argentine-mccopa 

Argentinien, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eines der reichsten Länder der Welt, wird heute als Schwellenland eingestuft. In der Folgezeit erlebte Argentinien zahlreiche Wirtschaftskrisen, die in der Argentinien-Krise zwischen 1998 und 2002 kulminierten. Die Konsequenzen dieser schweren Krise führten zu einer Polarisierung zwischen arm und reich und trafen die Kinder aus einfachen Verhältnissen am schwersten. Sie leiden noch heute unter Diskriminierung und der Verletzung ihrer fundamentalen Rechte.

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Index der Realisierung von Kinderrechten : 8,65/10
Gelb: : recht gute Lage

Bevölkerung : 42.6 M.
Bev. 0-14 Jahren : 25,1 %

Lebenserwartung : 76,3 Jahre
Kindersterblichkeit : 11 ‰

1. Situation der Kinder

Den Kindern in Argentinien werden fundamentale Rechte verwehrt

Armut

In Argentinien leben etwa 37% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Familien mit geringem Einkommen haben Schwierigkeiten ihre Kinder korrekt großzuziehen. Zahlreich sind die Fälle von (sexuellem) Missbrauch.

8 Millionen Kinder leben unter der Armutsgrenze. 24,7% der Kinder in Argentinien haben keinen Zugang zu Trinkwasser oder zu Toiletten.

Bildung

Die Bildung und Einschulungsrate an Grund- und weiterführenden Schulen hat sich in den letzten Jahren bedeutend verbessert. Jedoch gibt es Indikatoren, dass es immer noch einen hohen Anteil an Kindern gibt, die von der Schule ferngehalten werden oder ihre Ausbildung abbrechen.

Nach dem Zusammenbruch der argentinischen Wirtschaft Ende der neunziger Jahre wurden die  Finanzierungsmittel für Bildung reduziert. Kinder aus armen Familien waren die ersten, die davon betroffen waren. Aus finanziellen Gründen mussten viele Kinder die Schule abbrechen. Tatsächlich gehen 19% der Kinder nicht zur Schule.

Dieser Ausschluss von Bildung verstößt gegen das Grundrecht auf Bildung in der Kinderrechtskonvention, die das Recht auf öffentliche und kostenfreie Bildung fordert.

Gesundheit

Ein von der Regierung in 2006  verabschiedetes Gesetz schreibt die Einrichtung von Gesundheitsdiensten vor sowie Unterstützungsprogramme für Familien und Informationskampagnen über die Kinderrechte.

Dieser Fortschritt auf legislativer Ebene hat allen Kindern Zugang zu Gesundheitspflege und Medikamenten eröffnet. Allerdings leben viele Kinder noch unter schwierigen Bedingungen, wie ein Indikator der frühen Kindheit anzeigt: rund 17% der Kinder befinden sich in den ersten Lebensjahren in einer Situation von emotionaler und intellektueller Verletzlichkeit (2017).

Kinder der indigenen Bevölkerung

Die Menschenrechtssituation der indigenen Bevölkerungsgruppen ist generell prekärer als die der europäisch stämmigen Einwohner: Armut, Analphabetismus, Arbeitslosigkeit sind höher als im Rest der Bevölkerung und ihre Kulturen sind nur unzureichend geschützt. In der Provinz Tucumán z.B. leben indigene Familien in extrem armseligen Verhältnissen. Sie haben rechtswidrige Vertreibungen von ihrem angestammten Land erlitten oder leben unter der ständigen Bedrohung von Zwangsräumungen. Konsequenz: die indigenen Völker können ihre traditionelle Lebensweise, wesentlich für ihr Wohlergehen und Überleben, nicht beibehalten. Sie können ihre Menschenrechte nicht verteidigen. Ihre Kinder sind Gewalt, Unterernährung und Krankheiten ausgesetzt und werden um ihre Chance auf eine ausreichende Schulbildung gebracht.

Gewalt

99% der argentinischen Kinder haben Zugang zu Bildung, was sehr positiv ist. An den Schulen hat sich jedoch eine neue Form von Gewalt entwickelt: Gewalt in der Bildung. Kinder, die ihren Lehrern nicht gehorchen, können geschlagen werden. Das geschieht auch mit Kleinkindern und Säuglingen im Kindergarten.

Diese körperliche Bestrafung ist leider nicht neu in Argentinien, stellt aber trotzdem ein Gesundheitsrisiko dar. Kinder können Verhaltensprobleme entwickeln oder glauben, dass Gewalt die Norm ist.

Ein anderes Problem in argentinischen Schulen ist das Mobbing und häufige Fälle von sexuellem Missbrauch durch Lehrer oder Autoritätspersonen im Allgemeinen.

In den meisten Fällen sexuellen Missbrauchs handelt es sich bei den Angreifern um Männer. Mädchen ab 5 Jahren sind die Hauptopfer. Die Statistiken der argentinischen Regierung zeigen, dass in 3 von 4 Fällen der Aggressor ein direkter Verwandter oder Vertrauter ist. 53% der Fälle passieren im Haus des Opfers, 18% im Haus des Aggressors und 10% im Haus eines Verwandten. Tatsächlich sind 40% der Aggressoren die biologischen Väter der Opfer.

Kinderarbeit

Die Wirtschaftskrise hat die Zwangsarbeit für Kinder vor allem in den ländlichen Gebieten verstärkt. Armut zwingt die Kinder zum Schulabbruch, um ihre Familie ökonomisch zu unterstützen. Etwa 7% der Kinder zwischen 5 to 14 Jahren arbeiten.

Die Kinderarbeit nimmt vielfältige Formen an: Kinder arbeiten als Hausangestellte für wohlhabende Familien, mit dem Risiko, “Haussklave” zu werden, in illegalen Textilwerkstätten, in Minen, im Baugewerbe oder in der Landwirtschaft. Die wirtschaftliche Ausbeutung geht oft Hand in Hand mit sexueller Ausbeutung.

Argentinien hat Gesetze und Sozialprogramme verabschiedet, um Kinderarbeit und -prostitution zu beenden. 2017 hat sogar eine Weltkinderarbeitskonferenz in Argentinien stattgefunden, aber die Anstrengungen zur Etablierung der Kinderrechte müssen weitergehen. Es gibt immer noch keine effektive Regelungen bezüglich gefährlicher Arbeit von Kinder. Zu viele Kinder sind in den Strassen von Argentinien, die zum Betteln und Arbeiten von skrupellosen Erwachsenen missbraucht werden.

Kinderhandel

Jährlich fallen lt. Unicef etwa 4,000 Personen dem Menschenhandel zum Opfer, vor allem junge Frauen und Mädchen. Kinder aus den nördlichen Provinzen oder Grenzländern, wie Bolivien, Paraguay und Brasilien sind am stärksten dem Risiko von Menschenhandel ausgesetzt. Wenn die Kinder nicht illegal adoptiert werden, landen sie in den Großstädten im Zentrum und im Süden des Landes, wo sie zur Prostitution oder zur Zwangsarbeit gezwungen werden und dem Risiko ausgesetzt sind, Opfer von Organhändlern zu werden.

Armut, Alkoholismus, familiäre Dysfunktionen und Gewalt, Drogenmissbrauch, sexueller Missbrauch – Kinder, die nicht in der Schule oder in anderen regulären Institutionen untergebracht sind, sind einem hohen Risiko ausgesetzt, Opfer von Verbrechen zu werden.

Im Jahr 2006 führte Argentinien ein Gesetz gegen Menschenhandel ein, das trotz hoher Strafandrohung dieses Verbrechen nicht effektiv eindämmen konnte.

 

Unterzeichnung der Konvention über die Rechte des Kindes (1989)

Datum der Unterzeichnung in Argentinien: 29. Juni 1990

Datum der Ratifizierung: 4. Dezember 1990

Erklärungen und Vorbehalte:

 

Argentinien äußerte einen Vorbehalt zu Artikel 21 der Konvention. Dieser Vorbehalt ermöglicht die Annahme der Konvention, ohne alle Anforderungen der internationalen Zusammenarbeit respektieren zu müssen.

Argentinien gab auch drei Erklärungen ab. In den ersten beiden Erklärungen heißt es, dass das Wort „Kind“ im Sinne der Konvention als „jeder Mensch zum Zeitpunkt der Empfängnis bis zum Alter von 18 Jahren“ zu verstehen ist. Es fügte hinzu, dass die Konvention in diesem Sinne „den Einsatz von Kindern in bewaffneten Konflikten formal verbieten“ müsse.