St. Kitts und Nevis

Die Kinder in St. Kitts und Nevis

Die Kinderrechte in St. Kitts und Nevis verwirklichen

 

In den letzten zehn Jahren hat der Inselstaat St. Kitts und Nevis auf den Kleinen Antillen große Fortschritte bei der Förderung und der Wahrung der Rechte der Kinder gemacht. Die Fortschritte sind spürbar, es verbleiben aber noch Aufgaben beim Schutz der Sicherheit und Gesundheit der Kinder. Nun geht es darum, die Kinder gegen Gewalt zu schützen, insbesondere durch ein wirksames Strafsystem, durch die Förderung der elterlichen Pflicht und schließlich, indem Jugendlichen der Zugang zu Sexualerziehung erleichtert wird.

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Index der Realisierung von Kinderrechten : 7,86/ 10
Orange Stufe : Wahrnehmbare Probleme

Bevölkerung : 51.134
Bev. 0-14 Jahren : 21,9 %

Lebenserwartung : 73,6 Jahre
Kindersterblichkeit : 8 ‰

Die Hauptprobleme der Kinder auf St. Kitts und Nevis :

Jugendgerichtsbarkeit     

Mindestalter für strafrechtliche Haftung

Im Justizsystem von St. Kitts und Nevis sind Kinder ab dem Alter von acht Jahren strafrechtlich verantwortlich. Mit dem Gesetz in Konflikt geratene Minderjährigen, müssen sich sehr langwierigen Gerichtsverfahren stellen, in deren Verlauf oft ihr Recht auf Vertraulichkeit verletzt wird.

Kinder werden in Erwachsenengefängnissen inhaftiert

Auf St. Kitt und Nevis fehlt es an angemessenen Haftanstalten für verurteilte Kinder. Zudem verfügt das Strafrechtssystem nur über eine begrenzte Zahl qualifizierter Mitarbeiter, die mit den Kindern arbeiten.

Minderjährige werden daher in Gewahrsamseinrichtungen für Erwachsene untergebracht, die meistens überfüllt sind. Sie verkehren dann mit Schwerverbrechern, sind im Gefängnismillieu möglichem Missbrauch ausgesetzt und werden Opfer von Einsamkeit und Isolierung.

 Körperliche Züchtigung

Körperliche Bestrafung ist vom Gesetzbuch von St. Kitts und Nevis erlaubt. Das Recht erlaubt den Richtern, Minderjährige zu Prügelstrafe zu verurteilen.

Die Kinder werden vor Vollstreckung des Schiedsspruchs einer medizinischen Untersuchung unterzogen. Die Peitschenhiebe werden von einem Polizisten in Anwesenheit von Beamten und den Eltern/Vormund des Kinds erteilt.

Körperliche Bestrafung ist auch in den Gefängnissen eine übliche disziplinarische Maßnahme.

Mangelnde Hilfe bei der Rehabilitierung

Inhaftierte Kinder haben haben normalerweise keinen Zugang zu Stellen für gesellschaftliche Wiedereingliederung oder gar zu Erziehungsprogrammen.

Gewalt

Im Durchschnitt werden den Stellen für Kinderschutz jedes Jahr 200 Fälle von Misshandlung gemeldet (laut den von l’UNICEF im Jahr 2009 veröffentlichten Angaben).

Körperliche und sexuelle Gewalt machen jeweils 20% und 8% dieser Fälle aus. Eine zunehmende Zahl von Kindern wird aufgrund dieser Gewalt in Institutionen untergebracht.

Obwohl die Regierung Organisationen wie Bewährungshilfe und Kinderschutz eingerichtet hat, besteht ein Mangel an Standardisierung bei der Behandlung von Beschwerden von Kindern, die Opfer von Missbrauch, Verwahrlosung oder Vernachlässigung geworden sind.

Es fehlt auch an der Abstimmung der Dienste und an Klarheit über die Rolle der Polizei, des Departements für Gemeinschaftsangelegenheiten, der Gesundheitsdienste und der Lehrkräfte.

Sexuelle Gewalt

UNICEF beschreibt die Anzahl der sexuell missbrauchten Minderjährigen als alarmierend, insbesondere die hohe Rate von Mädchen, die sexueller Gewalt älterer Männer ausgesetzt sind. In den meisten Fällen ist der Täter der Stiefvater oder der Partner der Mutter. Die Frauen und ihre Töchter melden nur selten den sexuellen Missbrauch, der von Männern ihrer Familie begangen wird, weil sie finanziell von ihnen abhängen.

Diese Gewalt gegen Mädchen kommt hauptsächlich daher, dass die Männer und Jungen von St. Kitt und Nevis Mädchen und Frauen gegenüber herkömmlicherweise eine diskriminierende und negative Haltung einnehmen, trotz der lobenswerten Bemühungen der Regierung zur Förderung der Geschlechtergleichheit.

Zudem werden Kinder, die Opfer sexuellen Missbrauchs sind, oft stigmatisiert und wie Kriminelle behandelt. Ihr Recht auf Verschwiegenheit wird im Laufe von Gerichtsverfahren nur selten eingehalten.

Außerdem werden nur sehr wenige Maßnahmen zur Hilfe ihrer körperlichen und psychologischen Rehabilitation durchgeführt. Es mangelt auch an Unterkünften und Krisentelefonen.

Und schließlich gibt es auf St. Kitts und Nevis keine spezialisierten Gerichte auf Vergewaltigung und sexuelle Gewalt. Es gibt keine Struktur, um Pornografie, Prostitution und Kinderhandel zu bekämpfen.
Es besteht auch ein Mangel an Rehabilitationsprogrammen für sexuelle Straftäter.

Häusliche Gewalt

Oft zögern Kinder und ihre Mütter, bei Fällen von häuslicher Gewalt Anzeige zu erstatten oder auszusagen.

Ihre Nichtbereitschaft stammt von gesellschaftlichen Konventionen über Loyalität zur Familie (man darf seine Eltern nicht denunzieren) und die Privatsphäre (häusliche Gewalt wird als Familienangelegenheit angesehen).

Prügelstrafe ist gesetzlich nicht verboten und wird zuhause, ebenso wie in Heimen und anderen Institutionen sehr oft als disziplinäre Maßnahme verwendet.

Drogen und Kriminalität

Auf St. Kitts und Nevis sterben mehr Jugendliche durch Totschlag als durch Verkehrsunfälle oder Selbstmord (die beiden letzteren gehören im Allgemeinen zu den beiden hauptsächlichen Todesursachen bei Jugendlichen). Laut OPS / WHO beträgt Totschlag 46% der Todesfälle von Kindern zwischen 15 und 19 Jahren.

UNICEF vermeldete 1999 eine hohe Drogenabhängigkeit bei Minderjährigen von St. Kitts und Nevis. Auf den zunehmenden Drogenhandel im Land folgte eine ansteigende Zahl von Jugendlichen, die in Gangs verwickelt sind, in der Herstellung und dem Verkauf illegaler Drogen und dem Gebrauch von sogenannten leichten Waffen.

Laut UNICEF stiegen zwischen 1990 und 1998 Delikte Minderjähriger von 1,2% auf 17% aller auf St. Kitts und Nevis registrierten Verbrechen.

Jugendliche und sexuelle Aufklärung

Auf St. Kitts und Nevis gibt es eine hohe Schwangerschaftsrate bei Jugendlichen. UNICEF teilt 19% der registrierten Geburten jugendlichen Müttern zu.

Unter den 200 jährlich gemeldeten Fällen von Misshandlung auf St. Kitts und Nevis, sind 62% Fälle von Vernachlässigung und 1% Fälle von Kindesaussetzung.

Mangelnde Gesundheitsversorgung

Verantwortungsbewusstes sexuelles Verhalten wird in Schulen und generell in der Gesellschaft nicht genügend gefördert. Jugendliche haben sehr beschränkten Zugang zu Sexualerziehungsprogrammen und zu Diensten im Bereich der sexuellen Gesundheit.

Folglich haben sie wenig Wissen und Ressourcen bezüglich HIV/AIDS, STD, Abtreibung und sexueller Gewalt.

Im Allgemeinen bleibt bei jungen Männern die Ablehnung von Verhütungsmethoden wegen unzureichender Information über die Verwendung von Verhütungsmitteln weiter bestehen. Laut UNICEF haben 2008 nur 21,1% der sexuell aktiven Jugendlichen bei jedem Geschlechtsverkehr ein Präservativ verwendet.

Jugendliche Mütter

Die Quote der Teenager-Schwangerschaften auf St. Kitts und Nevis ist sehr hoch. UNICEF hat zwischen 2000. und 2010. durchschnittlich 67 Geburten auf 1000 Mädchen im Alter von 15 – 19 Jahren registriert.

Die jugendlichen Mütter nutzen nur wenig pränatale Versorgungsstellen und haben schlechte Stillpraktiken. Die Statistiken zeigen, dass in den häufigsten Fällen von Kindersterblichkeit die Mütter Jugendliche sind (die Sterblichkeitsrate von Kindern unter 5 Jahren lag 2000. bei 16% und 2010 bei 8%).

Die Regierung führte Maßnahmen zur Wiedereingliederung von jugendlichen Müttern in das Schulsystem durch, diese werden aber nicht einheitlich auf beiden Inseln angewendet.

Kinder und alleinerziehende Eltern

Auf St. Kitts und Nevis gibt es eine große Anzahl alleinerziehender Eltern. Laut Bericht von UNICEF führten 2007. Frauen 45% der Haushalte. Diese Familienstruktur kann eine negative Auswirkung auf die psychologische, emotionale und finanzielle Situation der Kinder haben.

OPS hat festgestellt, dass zwischen 2004 und 2005 die Heiratsrate auf St. Kitts 20% und auf Nevis 35% betrug. Auf beiden Inseln betrug der Anteil der Familien wo der Vater im Haushalt wohnt 29% im Jahr 1990. und 39% im Jahr 1999.

Unter den 200 jährlich gemeldeten Fällen von Misshandlung hängen 5% mit Problemen des Zugangs zu Diensten und 4% der Fälle mit Unterhaltsproblemen zusammen.

Recht auf Schutz

Der Schutz der Rechte der Kinder auf Unterhalt und Erbschaft ist ungenügend.

Ebenso gibt es nicht genügend Maßnahmen um abzusichern, dass emigrierende Eltern weiterhin zum Unterhalt ihrer Kinder beitragen, die auf St. Kitts und Nevis geblieben sind.

Die Anzahl von Strukturen, die Eltern Hilfe und Rat anbieten, ist ungenügend, besonders was Fragen der elterlichen Pflichten belangt.

Aufgrund mangelnden Zugangs zu Rechtshilfe und langwieriger Gerichtsverfahren, ist es für Frauen sehr schwierig, Männer gerichtlich zu verfolgen und Unterhaltszahlungen zu erhalten. Dies kann eine negative Auswirkung auf das Wohlbefinden der Kinder alleinerziehender Eltern oder bei zusammenlebenden Paaren haben.

Obwohl Frauen 45% der Haushalte vorstehen, haben sie meist die schlecht bezahltesten Arbeitsplätze.

Selbst wenn ihr Bildungsniveau meist über dem der Männer liegt, spiegeln ihre berufliche Position und ihre Gehälter selten diesen Bildungsvorsprung wieder.

Es ist für ihre Kinder daher äußerst wichtig, dass die Justiz den Zugang zu Unterhaltszahlungen erleichtert.

Kinder und Bildung

Seit 1967 ist auf St. Kitts und Nevis der Schulbesuch für Kinder von 5 bis 16 Jahren obligatorisch. Der Staat übernimmt die allgemeine Bildung vom Junior-Kindergarten bis zur Sekundarschule.

Laut UNICEF belief sich die Nettoeinschulungsquote in der Grundschule zwischen 2007 und 2010 auf 92% für die Jungen und 95% für die Mädchen. Für den gleichen Zeitraum betrug die Nettoeinschulungsquote in der Sekundarschule 85% für die Jungen und 92% für die Mädchen.

Allerdings stehen den Schülern nicht genügend Lehrkräfte und angemessenes Material zur Verfügung und daher beruhen die Lehrmethoden fast ausschließlich auf Prüfungen.

Schulische Lücken bei Jungen

St. Kitts und Nevis hat bei Jungen in den letzten Klassen der Grundschulen eine hohe Quote von Schulabbrechern. Bei Jungen in der Grundschule verzeichnet man auch das Auftreten einer niedrigen Alphabetisierungsrate und hoher Absenzzahlen.

Körperliche Bestrafung

Im Rechtskodex von St. Kitts und Nevis ist körperliche Bestrafung erlaubt und ist bei den Lehrkräften gängige Praxis.

Behinderte Kinder

Es fehlt an geeigneten Strukturen, um behinderte Kinder im Schulsystem aufzunehmen. Die Bemühungen für ihre Eingliederung sind unzureichend.