Kinder in Ecuador

Kinder in Ecuador

Kinderrechte in Ecuador verwirklichen

Auch wenn sich die Situation der Kinder in Ecuador in den letzten Jahren sehr verbessert hat, bleibt insbesondere in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Gleichstellung der Geschlechter und den Lebensbedingungen der Kinder allgemein noch einiges zu tun.

Den Statistiken von 2014 nach machen Kinder und Jugendliche in Ecuador 37% der Gesamtbevölkerung aus. Dabei ist es wissenswert, dass Ecuador ein multiethnisches Land ist, in dem 9% der Kinder indigen sind, 8% Afro-Ecuadorianer, 7% Montubios und 76% Mestizen.

Fehlende politische Maßnahmen zugunsten der Kinder im Schulalter und Regierungsprogramme zum Schutz der Jugendlichen gehören zu den Problemen, an denen vorrangig gearbeitet werden muss, um die Situation zu verbessern.

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Index der Realisierung von Kinderrechten : 7,64 /10
Orange Stufe : Wahrnehmbare Probleme

Bevölkerung : 16,3 M.
Bev. 0-14 Jahren : 30,1%

Lebenserwartung : 76,5 Jahre
Kindersterblichkeit : 18 ‰

Hauptprobleme der Kinder in Ecuador:

Armut

Die Armut begrenzt die Entfaltungsmöglichkeiten der Kinder beträchtlich, besonders hinsichtlich der Bildung, der Unterkunft und der Gesundheit.

Die chronische Mangelernährung ist aktuell eine der größten Herausforderungen für die Behörden: Trotz der Maßnahmen zur Reduktion der Armut und der Programme zur Erhöhung des Bildungs- und Gesundheitsgrads, sind die Zahlen der Mangelernährung bei Müttern immer noch alarmierend.

In manchen Regionen, insbesondere auf dem Land, leben über 50% der Kinder und Jugendlichen in armen Familien ohne Zugang zu Trinkwasser, Sanitäranlagen oder Gesundheitseinrichtungen. Rund 35% der Ecuadorianer in ländlichen Gebieten wohnen zudem in überfüllten Häusern.

Heirat und Schwangerschaft im jugendlichen Alter

22% der jungen Mädchen werden unter 18 Jahren verheiratet. Wobei diese Praxis vollkommen legal ist, da das Gesetz die Heirat bei Mädchen ab 12 Jahren und bei Jungen ab 14 Jahren erlaubt.

Kinderheirat stellt jedoch eine Verletzung der Kinderrechte und insbesondere der Mädchen dar: Diese haben nicht die Möglichkeit, ihre Kindheit zu genießen, und haben zudem weder die ausreichende Reife, noch das ausreichende Verständnis, um eine solche Verbindung begreifen und eingehen zu können.

In den letzten Jahren hat die Zahl der Mütter, die im Alter zwischen 15 und 19 Jahren ein Kind geboren haben, zugenommen. Diese Jugendlichen sind Opfer soziokultureller Klischees, da sich ihre Rolle in der Gesellschaft für sie als Frauen auf die Fortpflanzung und die häuslichen Aufgaben beschränkt.

Darüber hinaus ist in Ecuador der Anteil schwangerer Mädchen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren erhöht. Dies liegt an dem Brauch der Familien, ihre Töchter reicheren Familien oder Personen ohne eine Vereinbarung oder Verhandlung anzuvertrauen, um die Ernährung oder Unterkunft der Mädchen sicherzustellen.

Recht auf Gesundheit

Auch wenn die letzten Berichte einen großen Einsatz der Regierung darlegen, eine effektive Verbesserung in der Deckung des Gesundheitssystems und eine Erhöhung der Gesundheit der Bevölkerung zeigen, lässt die Situation der Kinder und Jugendlichen weiterhin zu wünschen übrig.

Vorgeburtliche Infektionen stellen die Hauptursache von Kindersterblichkeit dar. Die Zahl der Kinder unter fünf Jahren, die sterben, ist noch immer hoch, und der Großteil dieser Fälle ist auf schlechte medizinische Versorgung oder unbekannten Ursachen (ca. 16%) zurückzuführen.

Der hohe Anteil an chronischer Mangelernährung bei indigenen Kindern (über 50%) zeigt die Schwächen des ecuadorianischen Gesundheitssystems auf.

Die Mangelernährung geht auch mit Problemen wie Übergewicht einher. So leiden nahezu 9% der Kinder im Vorschulalter, 30% im Schulalter und 26% der Jugendlichen an Übergewicht

Bildung

Rund 97% der Kinder zwischen fünf und 17 Jahren besuchen eine Schule, was einen großen Fortschritt im Kampf gegen den Analphabetismus und auch gegen die Kinderarbeit darstellt. Das Land möchte darüber hinaus, den Anteil der Kinder reduzieren, die aufgrund ihrer Rassenzugehörigkeit vom Zugang zu Bildung ausgeschlossen werden.

Schulabbruch stellt nach wie vor ein Problem dar, das einer Lösung bedarf. Studien zufolge, sind die am meisten gefährdeten Gruppen schwangere Jugendliche und die indigene Bevölkerung, die auch die niedrigste Abschlussquoten in der Sekundarstufe aufweisen.

Zu Mobbing und Gewalt an Schulen ist zu erwähnen, dass nahezu ein Drittel der Kinder und Jugendlichen unter Misshandlungen oder disziplinarischer Bestrafung leiden. Das stellt im Vergleich zu den Zahlen aus dem Jahr 2005 einen Anstieg um 10 Prozentpunkte dar. Dieser Anteil steigt unter der Gruppe der Mestizen oder indigenen Kindern noch deutlicher an, unter denen 42% der Kinder diese Art von Gewalt erleiden.

Kinderarbeit

2004 arbeiteten 14% der Kinder zwischen fünf und 17 Jahren und besuchten keine Schule, oder taten weder das eine noch das andere, und waren somit Opfer einer verborgenen Art von Sklaverei in der Hausarbeit. Bis heute ist diese Zahl auf 8% gefallen.

Dennoch sind die Zahlen für do Arbeit von Kindern unter elf Jahren immer noch erhöht. In ländlichen Gebieten arbeiten 15,5% der Mädchen, die durchschnittlich 14 Stunden pro Woche Arbeiten im Haushalt verrichten, während diese Zahl in den Städten bei nur 4,3% liegt. Unter der indigenen Bevölkerung erstreckt sich dieser Anteil auf 29%.

56% der Kinderarbeit beschäftigen sich mit einer gefährlichen Tätigkeit, was ungefähr 200.000 Kinder und Jugendliche betrifft, 66% unter ihnen Jungs. Dagegen sind 7 von 10 Kindern, die von Haushaltsarbeiten betroffen sind, Mädchen.

Eine der gefährlichsten Arbeiten, zu denen Kinder herangezogen werden, ist die Arbeit in den Bananen-Plantagen, in denen sie schädlichen Giftstoffen ohne jeden Schutz ausgesetzt sind.

Gewalt gegenüber Kindern

Das Fortbestehen einiger gesellschaftlicher Normen, wie z.B. der Akzeptanz körperlicher Züchtigungen als Disziplinarmaßnahme, ist Teil der Gewalt und behindert die Schaffung eines schützenden Umfelds, das sich auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen positiv auswirkt.

Die neue Verfassung Ecuadors untersagt nun jede Form von Gewalt gegenüber Kindern. Hingegen ist in ihr die körperlichen Züchtigungen im Rahmen der Familie und Schule, sowie bei der Inhaftierung von Kindern, nicht ausdrücklich verbannt.

So wird die Misshandlung, die fest in den Traditionen der Bevölkerung verwurzelt ist, weiterhin stark praktiziert.

Was die Gewalt gegenüber Frauen betrifft, fielen 7 von 10 Frauen einmal in ihrem Leben zum Opfer der Gewalt.

In Ecuador sind die hauptsächlichen vermeidbaren Todesursachen unter Jugendlichen Autounfälle, Selbstmorde und Morde.

Kinderhandel

Kinderhandel ist ein in Ecuador besonders verbreitetes und beunruhigendes Phänomen. Obwohl die Regierung versucht, dem ein Ende zu setzen, sind immer noch viele Kinder davon betroffen. Diese werden wirtschaftlich oder sexuell ausgebeutet. Prostitution, Pornographie, Zwangsbettelei und häusliche Leibeigenschaft sind nur einige Beispiele dafür, womit diese Kinder konfrontiert werden. Einige Eltern verkaufen ihre Kinder sogar an Menschenhändler und nähren so ein illegales und unmenschliches Netz.

Rechte der Kinder der Minderheiten

Die Verfassung erkennt inzwischen den multiethnischen und interkulturellen Charakter des Landes an, auch wenn die Kinder indigener oder afro-ecuadorianischer Eltern im eigenen Land immer noch der Diskriminierung zu Opfer fallen.

Für die indigene Bevölkerung im Allgemeinen und insbesondere für die Frauen ist der Zugang zu wesentlichen Einrichtungen, zu Bildung und zu gesunder Ernährung erschwert.

Der deutliche Unterschied der indigenen Kinder sticht als Problem hervor. So sind 6 von 10 Kindern aus indigenen Gemeinden nicht altersgerecht entwickelt und leiden an Mangelernährung.

Die Armutsquote der indigenen Kinder liegt bei 51,1% und nimmt je nach ethnischer Herkunft ab: 44,2% bei Montubio-Kindern, 35,9% bei afro-ecuadorianischen Kindern und 14,3% bei Kindern europäischer Herkunft.

In Ecuador leben 40,7% der Kinder und Jugendlichen in Armut und 15,1% in extremer, multidimensionaler Armut, weshalb das Land unter Berücksichtigung der ethnischen Unterschiede in Südamerika im obersten Mittelfeld liegt.

Recht auf Identität

2005 waren 15 % der Säuglinge bei der Geburt und Kinder unter fünf Jahren nicht registriert. Rund die Hälfte der nicht eingetragenen Kinder war unter einem Jahr alt. Dieses Phänomen bringt große Schwierigkeiten mit sich, da diese Kinder in den Augen der Gesellschaft als unsichtbar erscheinen und somit ihre Rechte nicht wahrnehmen können.

Ecuador hat zur Lösung dieses Problems Agenturen geschaffen, um die Kinder in den Geburtskliniken und anderen Gesundheitseinrichtungen anzumelden, wodurch die offiziellen Eintragungen beachtlich zugenommen haben.