Kinder in Kolumbien

Kinder in Kolumbien

Die Verwirklichung von Kinderrechten in Kolumbien

Laut UNICEF „hat die in Kolumbien von Paramilizen verursachte Gewalt zu einer humanitären Krise geführt, unter der vor allem Kinder und Jugendliche leiden, für die keine sichere Zukunft gewährleistet ist“. Um die Situation der Kinderrechte ist es daher in diesem Land sehr schlecht bestellt.

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Index der Realisierung von Kinderrechten : 7,22/ 10
Rote Stufe : Schwierige Lage

Bevölkerung : 45,7 M.
Bev. 0-14 Jahren : 25,8 %

Lebenserwartung : 74 Jahre
Kindersterblichkeit : 14 ‰

Probleme, mit denen Kinder in Kolumbien hauptsächlich konfrontiert sind:

Armut

45% der kolumbianischen Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Obwohl das Land insgesamt als relativ wohlhabend angesehen werden kann, ist der Reichtum sehr ungleichmäßig verteilt. Die Situation in Kolumbien ist umso schwieriger, da das Land nicht nur regelmäßigen bewaffneten Konflikten ausgesetzt ist, sondern auch mit häufigen Naturkatastrophen klarkommen muss.

Die Verwundbarsten in diesen Zeiten sind vor allem Kinder, die ohne Hilfe oder Dach über dem Kopf in vielen Großstädten auf der Straße leben.

Das Recht auf Bildung

Etwa jedes zehnte Kind geht in Kolumbien nicht zur Schule. Zahlreiche Schulen bleiben zudem häufig über mehrere Monate geschlossen, da der Wiederaufbau nach einigen Katastrophen viel Zeit kostet und meist durch das Scheitern der Friedensverhandlungen verzögert wird.

Außerdem zwingt die Armut viele Kinder zur Kinderarbeit, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen.

Sexuelle Ausbeutung von Kindern

Hierbei handelt es sich in Kolumbien um ein weitverbreitetes Problem. So kommt es vor, dass sich Kinder im Alter von noch nicht einmal zehn Jahren zum Sex anbieten, um gegen die Armut zu kämpfen und um ein paar Pesos zu verdienen. Oft handelt es sich dabei um ausländische Touristen, die Sex mit Kindern haben, und so die Verzweiflung von Familien ausnutzen, die einer extremen Armut ausgesetzt sind.

Als Opfer von Geschäften mit Sex müssen diese Kinder Pornographie, sexuellen Missbrauch und Gewalt über sich ergehen lassen. Das kolumbianische Justizsystem versagt in diesem Punkt ganz besonders, auch wenn es kürzlich zu einigen Prozessen gekommen ist, die Anlass zur Hoffnung geben, dass diejenigen, die für die sexuelle Ausbeutung von Kindern verantwortlich sind, in Zukunft strenger bestraft werden.

Kinderheirat

Eine Umfrage ergab, dass 23 % der jungen Frauen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet werden. Betroffen sind hiervon vor allem Mädchen aus ländlichen Gebieten.

Schlimme Folgen hat dies für die Gesundheit der jungen Mädchen, die noch nicht verstehen, was eine Heirat nach sich ziehen kann. So tragen die häufigen Jugendschwangerschaften zu hohen Mütter- und Kindsterblichkeitsraten in Kolumbien bei.

Kindersoldaten

Mehr als 10 000 Kindersoldaten nehmen in Kolumbien an bewaffneten Konflikten teil. Diese Kinder sind dabei entweder direkt in bewaffnete Auseinandersetzungen verwickelt oder aber sie sind dafür zuständig, bestimmte Informationen zu beschaffen. In jedem Fall jedoch widerspricht ihre Situation der internationalen Kinderrechtskonvention, die im Übrigen auch von Kolumbien ratifiziert wurde.

Das Recht auf Schutz

In Kolumbien sind viele Kinder der Gefahr von Landminen ausgesetzt. Jedes Jahr werden etwa 15 000 Personen, darunter zahlreiche Kinder, von Minen und Sprengstoffen verletzt, die aus dem Krieg übrig geblieben sind. Manche sterben, andere tragen eine Behinderung davon. Nicht selten muss Kindern ein Fuß oder ein Bein amputiert werden, nachdem sie auf eine Mine gelaufen sind. Diese Explosionen haben für Kinder, die sie überleben, sowohl körperliche als auch seelische Folgen und verändern ihre Zukunft erheblich.

Gewalt gegen Kinder

Laut Paul Martin, dem Präsidenten der UNICEF, „ist Gewalt die größte Herausforderung für Kolumbien. Gewalt zu Hause, Gewalt in der Schule, Gewalt auf der Straße. Es handelt sich um ein Land, das von Gewalt komplett traumatisiert ist.“

Die Ausbreitung des Drogenhandels bringt eine immer größere Gewalt mit sich. Tatsächlich ist Kolumbien ein Hauptumschlagplatz für Drogen. Weltweit wird hier am meisten Kokain produziert. Der Drogenhandel beeinflusst die Situation der Kinder ganz erheblich. So werden sie in diesem Milieu häufig ausgebeutet oder zu Opfern der großen Aggressivität, die das Drogengeschäft mit sich bringt.

Schutz der Kinder der Ureinwohner

Um den Schutz von Kindern der Urbevölkerung ist es in Kolumbien besonders schlecht bestellt. Ein Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen hat die Situation der Grundrechte der Urbevölkerung als „schlimm, kritisch und zutiefst besorgniserregend“ eingestuft. Jedes Jahr werden Kinder und schwangere Frauen (v. a. des Volkes der Awàs) von Soldaten grausam ermordet.

Das Recht auf eine Identität

Etwa 10 % aller Geburten werden in Kolumbien nicht registriert. Geburten auf dem Land werden weniger häufig aufgenommen als Geburten in der Stadt. Mehr als 20 % der Kinder auf dem Land sind in keinem Geburtsverzeichnis registriert.

Dies führt zu großen Schwierigkeiten für diese Personen, da sie für die Gesellschaft offiziell nicht existieren und daher auch keine Rechte haben.