Kinder in Panama

Kinder in Panama

Die Verwirklichung der Kinderrechte in Panama

 

Trotz eines äußerst beachtlichen Wirtschaftswachstums zeichnet sich Panama durch starke wirtschaftliche Unterschiede aus, von denen zahlreiche Kinder und Jugendliche betroffen sind, insbesondere diejenigen in ländllichen Regionen sowie die indigene Bevölkerung. Obwohl Fortschritte bezüglich der Kinderrechte verzeichnet werden können, bleibt die Lage der Kinder und Jugendlichen in weiten Bereichen Panamas besorgniserregend.

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Index der Realisierung von Kinderrechten: 8,44 / 10
Gelbe Stufe: Zufriedenstellende Situation

Population: 3,5 Millionen
Bevölk. 0-14: 27,7 %

Lebenserwartung: 76,3 Jahre
Kindersterblichkeitsrate: 18,5 ‰

 

Die Hauptprobleme der Kinder in Panama:

Armut

Trotz eines positiven Wirtschaftswachstums gibt es in Panama starke wirtschaftliche Unterschiede; die Schere zwischen den Reichsten und den Ärmsten wird immer größer. Im Jahr 2008 lebte 32 % der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.

Zahlreiche Kinder und Jugendliche sind direkt von diesen Unterschieden betroffen. Dies gilt um so mehr für Kinder in ganz abgelegenen Gegenden sowie die Kinder der indigenen Bevölkerung.

Das Recht auf Identität

In Panama werden Kinder bei der Geburt oft nicht registriert, weil über die Wichtigkeit der Registrierung von Neugeborenen nicht ausreichend informiert wird. Dies kommt am häufigsten in den ländlichen Gebieten des Landes und unter den indigenen Bevölkerungsgruppen vor.

So ist es in der Tat von großer Bedeutung, ein Neugeborenes bei seiner Geburt regisitrieren zu lassen, um ihm seinen Status als Bürger zu gewährleisten und ihm zu ermöglichen, sämtliche Rechte und Pflichten wahrzunehmen, die sich daraus ergeben. Ein Kind, das bei den Behörden seines Landes nicht registriert wurde, bleibt für die Augen des Staates und der Gesellschaft unsichtbar.

In Panama versucht man daher, gegen diese Situation vorzugehen und die indigene Bevölkerung sowie diejenigen, die in entlegenen Gegenden wohnen, darüber zu informieren. Diese Initiativen müssen jedoch noch umfangreicher durchgeführt werden.

Das Recht auf Gesundheit

Die Gesundheitsversorgung für Kinder ist alarmierend, vor allem in ländlichen Gegenden und bei der indigenen Bevölkerung. Zahlreiche Kinder haben nämlich nur sehr begrenzt Zugang zur medizinischen Grundversorgung. Es fehlt oft an Trinkwasser und an den grundlegendsten Hygienemitteln. 12,4 % der Kinder in Panama leiden an Unterernährung. Außerdem ist der Prozentsatz der Kindersterblichkeit bei der indigenen Bevölkerung sehr besorgniserregend (zwischen 35,2 und 62,3 ‰). Dies lässt sich hauptsächlich dadurch erklären, dass im Gegensatz zur restlichen Region die Kinder nur selten gestillt werden.

Trotz der Bemühungen Panamas und verschiedener Aktionspläne zur Bekämpfung der Unterernährung von Kindern ist die Situation noch immer beunruhigend.

Ebenfalls besorgniserregend ist die hohe Anzahl schwangerer Jugendlichen. Dieser hohe Prozentsatz rührt von einem Mangel an Informationen über Sexualität und Verhütungsmittel her.

Auch der Mangel an Informationen über Geschlechtskrankheiten in Panama ist problematisch. Daher wurden in den vergangenen Jahren Anstrengungen unternommen, um kostenlose HIV/AIDS-Tests für junge Schwangere anzubieten.

Dank dieser Initiativen ist der Prozentsatz der Ansteckungen für junge Mütter und deren Kinder beachtlich zurückgegangen.

Dennoch gibt es in Panama keine Programme, die sich direkt an Kinder richten und ihnen den Zugang zu Informationen über das AIDS-Virus liefern.

Dieser Informationsmangel sowie fehlende Sensibilisierungskampagnen sind beunruhigend, denn vor allem die junge Generation ist diesem Virus ausgesetzt.

Kinderehen

Das gesetzliche Mindestalter für eine Heirat liegt bei 16 Jahren für Jungen und 14 Jahren bei Mädchen. Zusätzlich zu einer klaren Diskriminierung zwischen Mädchen und Jungen ist dieses gesetzliche Mindestalter sehr niedrig und ermöglicht Kinderehen, oft gegen den Willen der Kinder.

Diese Praxis ist eine Verletzung der entsprechenden Kinderrechte und beraubt Kinder ihrer Freiheit und freien Entscheidungsfindung, nach eigenem Ermessen über ihren Körper zu verfügen und über ihre Zukunft entscheiden zu können.

Das Recht auf Bildung

Eine beunruhigend hohe Anzahl an Schülern bricht sehr früh die Schule ab und wird danach nie mehr ins Schulsystem integriert. Der Schulabbruch ist besonders unter den jungen Mädchen aufgrund des hohen Prozentsatzes an Schwangerschaften bei Jugendlichen alarmierend. Es gibt zwar ein Gesetz, das die Wiedereingliederung der jungen Mädchen nach einer Schwangerschaft vorsieht, doch in der Praxis wird diese Maßnahme nicht ergriffen und die jungen Mädchen sind im Schulsystem außen vor.

Die Regierung in Panama müsste für die Jugendlichen ohne Schulabschluss Möglichkeiten zur Wiedereingliederung und ein Berufsbildungssystem schaffen, das allen zugänglich ist, auch denen, die früh die Schule abgebrochen haben.

Kinderstrafrecht

Das System der Jugendgerichtsbarkeit in Panama ist in vielerlei Hinsicht besorgniserregend. Zu allererst wurde das Alter für die Haftbarkeit bei Straftaten von 14 auf 12 Jahre heruntergesetzt. Außerdem werden Jugendliche, bei denen man einen Verstoß vermutet, vorsorglich unter nicht kindgerechten Bedingungen inhaftiert.

In Panama werden Kinder nicht hinreichend geschützt und es gibt keinerlei Inspektionen der Haftungsbedingungen bei Minderjährigen. Somit ist dies eine offene Tür für zahlreiche Verletzungen der Kinderrechte.

Kinderarbeit

Es ist besorgniserregend, wenn man sieht, dass Kinder manchmal, vor allem in ländlichen Regionen, ab 5 Jahren arbeiten müssen. In Panama wurde das gesetzliche Mindestarbeitsalter auf 15 Jahre festgesetzt. In der Praxis wendet der Staat weiterhin das vom vorherigen Gesetz festgelegte Mindestalter von 14 Jahren an.

Darüber hinaus gewährt der Staat für Kinder zwischen 12 und 14 Jahren regelmäßig Ausnahmen in der Landwirtschaft und bei häuslichen Arbeiten.

Trotz einiger Initiativen durch die Regierung in Panama zur Bekämpfung dieser Praxis, kommt Kinderarbeit häufig vor. In Panama gibt es übrigens keine Arbeitsinspektion und man kann daher die Kinder nicht hinreichend schützen.

Kinderhandel

Der Handel von Frauen und jungen Mädchen ist in Panama leider Realität. Obwohl der Menschenhandel gesetzlich verboten ist, wird er weder strafrechtlich verfolgt noch wirkungsvoll bestraft. Die für den Menschenhandel Verantwortlichen werden nur selten für ihre Vergehen verklagt und bestraft.

Diskriminierung der indigenen Bevölkerung und von behinderten Kindern

Die Kinder der indigenen Bevölkerung sowie Kinder mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung sind oft Opfer von Diskriminierung was den Zugang zur Gesundheitsversorgung, zur Bildung und sonstiger Grundversorgungen angeht. Außerdem leiden diese Kinder unter zahlreichen Vorurteilen gegenüber ihrer Situation und werden von den Polizeikräften oft als potentielle Straftäter angesehen.

Kindesmissbrauch

Gewalt innerhalb der Familie ist ein ständiges Problem in Panama. Prügelstrafen für Kinder sind gesetzlich nicht verboten und werden als integraler Bestandteil der Kindererziehung angesehen.