Die Kinder Somalia

Die Kinder Somalias

Realisierung der Kinderrechte in Somalia

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Die Republik Somalia liegt am Horn von Afrika. Die Armut und die Instabilität des Landes wirken sich negativ auf die Entwicklung und die Bildung der Kinder aus.

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Index der Realisierung von Kinderrechten:
3,60 / 10
Schwarz Stufe:
sehr Schwierige Situation

Bevölkerung: 9.925 M.
Bev. 0-14 Jahren: 45 %

Lebenserwartung: 55,1 Jahre
Kindersterblichkeit: 85 ‰

Hauptprobleme der Kinder in Somalia
Das trockene Klima und die politische Instabilität machen Somalia zu einem der Länder mit den schwierigsten Lebensbedingungen. Diese Probleme werden von den Kindern besonders akut wahrgenommen, die dadurch schon in jungem Alter Gefahren und Benachteiligungen ausgesetzt sind.

Armut

Laut Statistiken leben 60 % der Somalier unterhalb der Armutsgrenze, was bedeutet, dass sie weniger als 2 Dollar pro Tag verdienen. Somalia ist eines der ärmsten Länder der Welt.
Die Hälfte der somalischen Kinder ist gezwungen zu arbeiten um sich und ihre Familie zu ernähren. Kinderarbeit bedeutet in Somalia normalerweise, dass die Kinder als Putzhilfe oder im eigenen Familienunternehmen (zum Beispiel in der Landwirtschaft) arbeiten.

Unterernährung

Ca. 40 % der Kinder in Somalia leiden an Unterernährung. 33 % essen nur einmal am Tag. Ackerbau ist die größte Einkommensquelle, aber Dürren und Überflutungen, genau wie der Krieg, reduzieren den Ernteertrag. Nur aufgrund humanitärer Hilfe herrscht in Somalia keine Hungersnot.

Fast ein Drittel der Neugeborenen leidet an niedrigem Geburtsgewicht. Grund dafür ist die fehlende Fürsorge während der Schwangerschaft und die mangelnde Bildung der Mütter. Nur 9 % der Babys in diesem Land werden ausschließlich gestillt. Kampagnen, die das Stillen populärer machen sollen, indem sie werdende Mütter über den Nutzen des Stillens informieren, zielen darauf ab, Fälle von Unterernährung und Kindersterblichkeit zu reduzieren. Durch das Stillen werden wichtige Nährstoffe an das Baby übertragen und das Risiko stark gesenkt, dass das Baby an ernsthaften Krankheiten wie Pneumonie erkrankt.

Zugang zu Trinkwasser

Somalia ist ein besonders trockenes und heißes Land. In diesem feindlichen Klima ist es lebenswichtig, Zugang zu Wasser zu haben. Allerdings ist nur im Norden und Süden des Landes ausreichend Regenwasser vorhanden. Darum ist Wasserknappheit in Somalia weit verbreitet. Viele Kinder verbringen einen Großteil des Tages damit, nach Wasser zu suchen und ihre schwere Last viele Kilometer nach Hause zu tragen.
Durchfall und andere Infektionskrankheiten treten häufig auf, da das benutzte Wasser nicht immer sauber ist. Jedes Jahr sterben viele Kinder an Dehydrierung.

Zugang zu medizinischer Versorgung

Die Rate der Kindersterblichkeit ist in Somalia besonders hoch, da durchschnittlich 180 von 1000 geborenen Kindern vor ihrem 5. Lebensjahr sterben. Typische Todesursachen somalischer Kinder sind Dehydrierung und Krankheiten wie Durchfall, Malaria, und Pneumonie (oder andere Atemwegsinfektionen). Cholera-Epidemien ereignen sich in Somalia jedes Jahr. Um die Sterblichkeitsrate zu reduzieren ist es entscheidend, den Zugang zu Trinkwasser und ausreichender Ernährung sicherzustellen, sowie die örtliche Hygiene zu verbessern.

Auch der Zugang zu medizinischer Versorgung muss verbessert werden. In Somalia gibt es nur wenige Krankenhäuser und den meisten von ihnen fehlt es an notwendiger Ausstattung und geschultem Personal. In den letzten Jahren wurden regelmäßig groß angelegte Impfkampagnen durchgeführt, hauptsächlich für Impfungen gegen Polio, die schon jetzt viele Leben gerettet haben.

Bewaffnete Konflikte und Flüchtlingskinder

Für viele Jahre wütete in Somalia ein besonders gewalttätiger Bürgerkrieg, der auch viele Kinder das Leben kostete. In Mogadischu, der Hauptstadt, ereignen sich immer noch täglich bewaffnete Konflikte und terroristische Anschläge. Die Krankenhäuser der Hauptstadt sind zu einem großen Teil mit Kindern gefüllt, die von verirrten Geschossen getroffen wurden oder aufgrund von Minenexplosionen eine Behinderung haben.

Tausende somalische Familien sind aufgrund des Konfliktes geflohen. Ungefähr 1,4 Millionen Menschen leben als Vertriebene innerhalb der Grenzen Somalias, 600.000 Somalier leben als Flüchtlinge in Kenia und im Jemen. Diese Flüchtlinge leben mit ihren Kindern in nur schlecht versorgten Camps.

Kindersoldaten

Ungefähr 2000 bis 3000 Kinder, manche davon nur 9 Jahre alt, sind zurzeit als Teil der somalischen Miliz rekrutiert. Laut UNICEF verschlechtert sich die Situation momentan, seitdem die Miliz Schulen in Rekrutierungszentren umgewandelt hat und Lehrer gezwungen wurden, ihre Schüler zu Soldaten auszubilden. Aus Angst ihre Kinder könnten rekrutiert werden, ziehen es einige Eltern vor, sich von ihren Kindern zu trennen und diese in Flüchtlingslager an den Landesgrenzen zu schicken.

Bildung

In Somalia gehen etwa 75 % der Kinder nicht zur Schule. Nur jeder vierte Erwachsene kann lesen und schreiben. Seit Beginn des Bürgerkriegs 1991 wurden viele Schulen zerstört. Die meisten noch vorhandenen Schulen befinden sich in Städten. Das macht es für Schüler auf dem Land schwierig zur Schule zu gehen. Noch dazu ist es den meisten Familien nicht möglich die Kosten für die Schule zu bezahlen.

Für Mädchen sind die Chancen auf Schulbildung sogar noch geringer. Es wird geschätzt, dass nur ein Drittel der Schüler Mädchen sind. Viele Mädchen verlassen die Schule, wenn sie ihre erste Periode bekommen oder wenn sie heiraten, was oft schon vor dem 15. Lebensjahr geschieht.

Verstümmelung weiblicher Genitalien

Auch heute noch werden mehr als 90 % der jungen somalischen Mädchen der schmerzhaftesten Beschneidungsoperation unterzogen: der Infibulation. Das bedeutet, dass der gesamte Genitalbereich zugenäht wird, mit Ausnahme einer kleinen Öffnung, die es möglich macht, zu urinieren. Diese Verstümmelung der Geschlechtsorgane findet bei den Mädchen im Alter zwischen 4 und 14 statt. Die Beschneidung wird ohne Betäubung durchgeführt, oft mit einer Rasierklinge oder einem nicht sterilisierten Messer. Ungefähr eins von zehn Mädchen stirbt bei dieser Operation aufgrund von hohem Blutverlust oder Infektionen.

Die Praxis der Genitalverstümmelung wird in Somalia nicht durch Gesetze verboten, trotz dem extremen Schaden, der der Gesundheit der Frauen zugefügt wird. Aufgrund sozialen Drucks und einem Mangel an Aufklärung über dieses Thema widersetzen sich die meisten Mädchen nicht.

Verheiratung von Kindern

Zwischen 2000 und 2009 wurde 45 % der jungen Frauen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet. Arrangierte Ehen sind sehr verbreitet, oft ohne Wissen des zukünftigen Ehepaars. Manche Mädchen laufen von ihren Familien weg um der Zwangsverheiratung zu entgehen. Dies wird von der somalischen Gesellschaft sehr missbilligt.