Die Kinder in Swasiland

Kinder in Swasiland

Die Verwirklichung der Kinderrechte in Swasiland

In diesem kleinen Land, in dem Armut herrscht, Gefahren hinsichtlich der Lebensmittelsicherheit bestehen und HIV/AIDS für die Bevölkerung verheerende Auswirkungen hat, ist die Situation für die Kinder sehr problematisch.

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Index der Realisierung von Kinderrechten: 6,07/ 10
Rote Stufe: Schwierige Lage

Bevölkerung: 1,4 M.
Bev. 0-14 Jahren: 36,9 %

Lebenserwartung: 49 Jahre
Kindersterblichkeit: 45 ‰

Hauptprobleme der Kinder in Swasiland:

Extreme Armut und Mangelernährung

Im Land betrug die Lebenserwartung im Jahr 2010 nur 48 Jahre und etwa zwei Drittel der Bevölkerung lebt in extremer Armut. Tatsächlich leben 70% der Bevölkerung von Swasiland von weniger als einem Dollar pro Tag.

Die Wetterbedingungen sind instabil: Dürren und die Probleme hinsichtlich der Lebensmittelsicherheit, die sie auslösen, haben negative Auswirkungen auf die Nahrungsmittelversorgung und damit die Gesundheit der Jugend.

Eine große Zahl von Gemüsesorten, die resistent gegen Dürren sind, werden nicht mehr kultiviert und das Land hängt weitgehend von Mais ab. Dieser erlebte große Preiserhöhungen, die zu hoch für die Haushaltsbudgets waren.

Zusammen mit der allgemeinen Konjunkturabschwächung in allen Ländern und einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit können zahlreiche Haushalte durch diese Faktoren ihre eigenen Kinder nicht mehr ernähren – und weisen Waisen oder andere bedürftige Kinder ab, die in anderen Zeiten im Namen der „Großfamilie“ aufgenommen worden wären.

Obwohl einige Schulen dank externer Finanzhilfen tägliche, angemessene Lunchpakete für Kinder anbieten können, gibt es immer noch viele, die weiterhin hungern, vor allem auf dem Land.

Es sollte beachtet werden, dass die Regierung bereits einige Monate mit der Zahlung von Beihilfen für bedürftige Kinder im Verzug ist, doch der König führt einen Lebensstil im Luxus.

HIV/AIDS

Trotz seiner Bemühungen ist Swasiland eines der Länder, das am stärksten von der HIV/AIDS-Epidemie betroffen ist: Einer von fünf Einwohnern ist infiziert. Dieses Phänomen hat negative Auswirkungen auf die Situation der Kinder, einerseits durch den Tod ihrer Eltern (etwa 10% haben mindestens ein Elternteil durch HIV/AIDS verloren), aber auch durch eigene Krankheiten, was häufig zu schwerwiegenden Komplikationen führt – ein Thema, das nicht leicht zu besprechen ist. Die Krankheit tötet vorzeitig, und es ist aufgrund des Mangels an qualifiziertem medizinischen Personal, dem fehlenden Zugang zur Behandlung und der Komplexität der Erkrankung und deren Schweregrad sehr schwierig, mit ihr zu leben.

Leider sind 42% der schwangeren Frauen mit HIV/AIDS infiziert und nur sehr wenige von ihnen profitieren von der Behandlung zur Verhinderung der Übertragung des Virus auf ihr Kind. Dies deutet auf eine Verschlechterung der Situation hin. Ein Hilfszentrum für infizierte Säuglinge wurde gegründet, aber es gibt zu viele Fälle, so dass nicht alle davon profitieren können.

Das Gesundheitssystem und Dekontamination

Die Gesundheit, Hygiene und die Wasserversorgung sind in schlechtem Zustand und führten zu einem Ausbruch von Krankheiten, wie Cholera und Durchfallerkrankungen – Krankheiten, die immer noch viele Kinder töten.

Waisen

Die Zahl der Waisen erreicht Rekordhöhen in Swasiland, besonders aufgrund der zahlreichen elterlichen Todesfälle durch HIV/AIDS und der Abreise des verbleibenden Elternteils auf der Suche nach Arbeit oder Geld. Es existieren nur sehr wenige Waisenhäuser, und es gibt keine Richtlinien zu deren Reglementierung.

Deshalb ist heute in 10-15% der Familien in Swasiland ein Kind das Familienoberhaupt. Wenn möglich, kümmern sich die die Großeltern um die Kinder. Es gibt auch „Kagogo“-Zentren – traditionelle „Großmutter-Häuser“ – die zu sozialen Dienstleistungszentren für gefährdete Kinder geworden sind.

Bildung

In Swasiland ist etwa eines von fünf Kindern nicht in einer Grundschule eingeschrieben. Faktoren wie Armut, die HIV/AIDS-Pandemie, der sexuelle Missbrauch und das Geschlecht oder die Diskriminierung wegen einer Behinderung schränkt den Zugang zur Bildung der Kinder ein.

Trotz der verfassungsrechtlichen Bestimmungen und eines Urteils des Obersten Gerichtshofs ist die Grundschule noch immer nicht kostenlos für die Kinder in Swasiland. Einige werden von den Direktoren der Schulen sogar physisch bedroht, wenn sie versuchen, die Schule zu besuchen, ohne dafür zu bezahlen.

Mehr als 10% der Abmeldungen von Schulen geschehen innerhalb der ersten paar Monate, da die Familien der Kinder das Geld, das ursprünglich für Gebühren für die Schule verwendet werden sollte, dafür nutzen, die ständig steigenden Kosten für Nahrung und Wasser zu zahlen.

Sexuelle Ausbeutung

Um zu überleben, werden viele Kinder zu Prostituierten. Angesichts des Ausmaßes der Armut kommt es zu einem Anstieg von Ausbeutung und sexuellen Dienstleistungen. Das Fehlen von Maßnahmen zur Sensibilisierung und zur Verhinderung dieser Art von Praktiken gegenüber Kindern ist beklagenswert.

Gewalt

Die Verfassung gestattet „moderate Strafen“ und Gerichte erteilen als Sanktionen körperliche Strafen. Außerhalb der Legalität ist diese Art der Strafe akzeptiert und im Alltag verbreitet.

Trotz der Einrichtung eines Teams zum Schutz von Kindern gab es keine Sensibilisierungskampagnen noch Bildungsverordnungen zugunsten von anderen Formen der Disziplinierung, die die Achtung der Würde der Kinder respektieren.

Mädchen
Mädchen sind in der Familie oft untergeordnet, und sie sind anfällig für verschiedene Formen von Gewalt. Eine von drei Frauen werden in Swasiland Opfer von sexueller Ausbeutung in der Kindheit und eine von vier erleben körperliche Gewalt. Viele werden gleichermaßen von anderen Frauen in der Familie emotional misshandelt, die selbst misshandelt worden sind.

Diese Gewalttaten treten häufig in Häusern in ländlichen Gebieten auf und die Aggressoren sind in der Regel Väter oder andere nahe Familienangehörige. Nur 43% der Mädchen geben an, dass sie ihren ersten sexuellen Erfahrungen frei zugestimmt haben. Außerdem verstehen junge Mädchen nicht immer, dass sie sexuellen Missbrauch erlebt haben, und dass sie das Recht haben, sich öffentlich gegen den Missbrauch zu verteidigen und ihn anzuzeigen.

Diskriminierung

Viele diskriminierende Praktiken wurden von denjenigen dokumentiert, die mit HIV/AIDS infiziert sind: Albino-Kinder, außerehelich geborene Kinder und vor allem behinderte Kinder und kleine Mädchen.

Die Bevölkerung in Swasiland hat eine falsche Vorstellung von behinderten Kindern, die oft auf Angst basiert. Behinderungen werden in der Regel als Fluch oder Strafe für die Eltern betrachtet, denen es nicht gelungen ist, ihre Vorfahren zufriedenzustellen oder als Strafe für die Mutter, die während ihrer Schwangerschaft ein Tabu gebrochen hat.

Epileptikern werden durch ihre gewalttätigen Attacken als von bösen Geistern besessen wahrgenommen und damit ähnlich betrachtet als wären sie vom Teufel besessen. Deshalb erhalten sie einen geringeren Zugang zur Gesundheitsversorgung, Bildung, Sport und Umwelt – den täglichen Annehmlichkeiten.

Junge Mädchen sind überproportional von Gewalt, Armut und der HIV/AIDS-Pandemie betroffen. Jugendliche sind Opfer von Ausgrenzung und Stereotypisierung. Sie beenden die Schule selten. Frauen haben nicht das Recht, Land zu besitzen, was insbesondere im Hinblick auf Mädchen problematisch ist, die Waisen sind und als Familienoberhaupt agieren.

Zwangsehen

In Swasiland gibt es keinen rechtlichen Schutz gegen Zwangs- oder vorzeitigen Ehen. Sie sind als Kutekwa und Kwendziswa bekannt und können negative Auswirkungen auf die Gesundheit und Entwicklung von Kindern haben.

Das Rechtssystem und die Inhaftierung

Das Alter der strafrechtlichen Verantwortlichkeit beträgt in Swasiland 7 Jahre, was nach internationalen Standards sehr jung ist.

Maßnahmen zur Verbesserung des Systems wurden geschaffen, wie z. B. die Schaffung von lokalen Ausschüssen, doch trotzdem werden weniger als die Hälfte der Fälle von sexuellem Missbrauch und anderen Misshandlungen bei den Behörden gemeldet. Tatsächlich bitten Kinder nur in Fällen um Hilfe, in denen die Gewalt ein drastisches Niveau erreicht.

Die Kosten für Anwälte und das Fehlen eines wirksamen rechtlichen Beistands zur Erfassung, Überwachung und Vorbereitung eines Falles ermöglichen keinen einfachen Zugang zum Rechtssystem. Außerdem gibt es keine Hilfs- oder Wiedereingliederungsprogramme für jugendliche Straftäter.

Durch das Fehlen eines Inhaftierungssystems für minderjährige Kinder müssen sich diese Zellen mit erwachsenen Straftätern teilen.

Interessen des Kindes und das Recht auf Mitwirkung

Die Meinung des Kindes wird bei rechtlichen oder administrativen Verfahren nicht berücksichtigt, und obgleich Kinder häufig bei Versammlungen helfen, werden sie durch traditionelle Einstellungen davon abgehalten, sich frei zu äußern. Darüber hinaus haben die Menschen, die für oder mit Kindern arbeiten, keine geeignete Ausbildung dazu, vor allem in ländlichen Gebieten nicht.

Registrierung von Geburten

Die Registrierung der Geburten ist in Swasiland nicht einfach. Sie kostet Geld und ist in ländlichen Gebieten kaum verfügbar. Folglich werden wenige Kinder nach der Geburt registriert, und wenn sie älter sind, fühlen sie sich nicht dazu aufgefordert, dies nachzuholen.