Die Umsetzung von Kinderrechten in Ruanda

Die Umsetzung von Kinderrechten in Ruanda

Ruanda auf einen Blick

Ruanda ist ein kleines Land in Ostafrika, das im Westen an die Demokratische Republik Kongo (DRK), im Osten an Tanzania, im Norden an Uganda und im Süden an Burundi grenzt. Ruanda hat die höchste Bevölkerungsdichte in Afrika mit einer jungen, hauptsächlich ländlichen Bevölkerung, die auf 12.3 Millionen geschätzt wird. Der politische, soziale und wirtschaftliche Kontext Ruandas ist tiefgreifend von dem Bürgerkrieg in den frühen 1990er Jahren und dem Genozid von 1994 geprägt. Nichtsdestotrotz hat Ruanda in den letzten zwei Jahrzehnten einen signifikanten Fortschritt in Richtung wirtschaftlichen Wohlstand und menschlicher Entwicklung zu verzeichnen.
Im Hinblick auf die Realisierung des Entwicklungsplans Vision 2020 hat Ruanda zwei Fünf-Jahres-Strategien zur wirtschaftlichen Entwicklung und Armutsreduzierung (EDPRS I & EDPRS II) implementiert. Politische Stabilität, starke Regierungsführung, fiskale und administrative Dezentralisierung und Nulltoleranz bei Korruption gehören zu den Schlüsselfaktoren, die zu dem wirtschaftlichen Wachstum des Landes beigetragen haben. Ungeachtet dieser Erfolge sieht sich Ruanda nach wie vor mehreren Entwicklungsherausforderungen gegenüber gestellt, die einen Einfluss auf den Schutz von Kindern haben. Dazu zählen chronische Unterernährung (Verkümmerung), frühkindliche Entwicklung, Säuglingssterblichkeit, hochwertige Bildung, sowie Gewaltprävention an Kindern.

 

Der Status der Kinderrechte

Kinder repräsentieren einen großen Prozentsatz der Bevölkerung Ruandas. 42,9% der Bevölkerung sind zwischen 0 und 14 Jahren alt und das Durchschnittalter liegt bei 18,8 Jahren. Hinzu kommt, dass Kinder 83,5% der ländlichen Bevölkerung Ruandas stellen und oft in prekären Situationen leben.
Kinder in ländlichen Gebieten haben oft nur einen eingeschränkten Zugang zu fundamentalen Bedürfnissen, wie etwa dem Zugang zur Gesundheitsversorgung, Bildung und Schutz.
Die sehr junge Bevölkerung Ruandas ist eine Folge des furchtbaren Genozids, der 1994 stattfand und bei dem ca. 1 Millionen Menschen in nur 4 Wochen umgebracht wurden. Die negativen Folgen des Massakers und die gleichzeitigen aktuellen Entwicklungsherausforderungen beeinträchtigen die Kinder Ruandas nach wie vor in vielerlei Hinsicht. Das Gesetz N.54, das 2011 verabschiedet wurde, hat die Kinderrechte in Ruanda. schon wesentlich vorangebracht. Die Verabschiedung dieses Gesetzes beinhaltete die Schaffung der Nationalen Kommission für Kinder; eine Regierungsorganisation speziell für die Förderung von Kinderrechten. Es ist klar, dass die Förderung von Kinderrechten eine Priorität der Regierung ist, da diese auch in der Verfassung verankert ist und von der Gesetzgebung geschützt wird. Trotz allem können Kinder und Jugendliche ihre Rechte aufgrund von Lücken und Ungleichmäßigkeiten in der Umsetzung und Vollstreckung von Kinderrechtsgesetzen und -richtlinien noch nicht umfangreich in Anspruch nehmen. Mit Hinblick auf den prozentualen Anteil von Kindern und der jährlich steigenden Geburtenzahl in Ruanda ist es erforderlich, dass die Rechte dieser Säuglinge und Kinder im Allgemeinen geschützt sind.

 

Index der Umsetzung von Kinerrechten:

red

Index der Verwirklichung von Kinderrechten:

6,56 / 10
Rote Stufe: Schwierige Lage

Bevölkerung: 12 M
Bev. 0-14 Jahren: 42,9 %

Lebenserwartung: 65,2 years
Lebenserwartung: 32 ‰

 

Eine kindgerechte soziale Sicherung

Soziale Sicherung ist wesentlich um Armut von Kindern und Familien zu verhindern und zu reduzieren, Ungerechtigkeiten anzugehen und Kinderrechte umzusetzen. Zusätzlich ist es erforderlich, dass soziale Sicherungsprogramme auf Kindesgefährdung durch die Optimierung positiver Effekte für Kinder und die Minimalisierung von potentiellen negativen Konsequenzen reagieren. Die Kinder Ruandas sehen sich oft Gefährdungen ausgesetzt, die sich durch eine Reihe von Risikofaktoren verschlimmern und erheblich auf ihr Wohlbefinden und die Kapzität Kinderrechte zu fördern und umzusetzen einwirken. Kindgerechtesoziale Sicherung bietet die Möglichkeit chronische Armut, soziale Ausgrenzung und Schocks, die irreperrablen Einfluss auf Kinder haben können, anzugehen. Die Regierung in Ruanda bemüht sich darum, das “Vision Umurenge Social Protection” (VUP) Programm so anzupassen, dass Optionen zur kindgerechten sozialen Sicherung mit dem Ziel auf Kinderarmut und Kindegefährdung zu reagieren, einbezogen werden. Trotzdem, sind viele Kinder und Familien Barrieren zum Zugang grundlegender sozialer Dienste ausgesetzt. Es ist somit wichtig, dass Richtlinien, Verordnungen und die Gesetzgebung die Sichtweise von Kindern, Jugendlichen und deren BetreuerInnen effektiv berücksichtigt, um Kinderrechte zu erfüllen.

 

Die Erfüllung der Bedürfnisse von Kindern

Das Recht auf Gesundheit

Das Recht auf Gesundheit eines Kindes ist in Ruanda ab dem frühesten Alter gefährdet. Schon vor der Geburt wird dieses Recht durch die hohe Rate der Säuglingssterblichkeit beeinträchtigt. Diese nähert sich der Rate von 30 Todesfällen auf 1.000 Geburten an. Die neonatale Sterblichkeit erreicht 20 Todesfälle auf 1.000 Geburten und erschwert somit den  Zugang zu dem essentiellen Recht bis zur Geburt zu überleben. Diese Sterblichkeitsrate gründet oft in neonatalen Krankheiten, die 29% der Todesfälle in medizinischen Einrichtungen repräsentieren. Trotz der steigenden Zahl von medizinischen Einrichtungen im ganzen Land sind Kinder zahlreichen Gesundheitsproblemen ausgesetzt, wie z.B. Malaria, die für 6% aller Todesfälle in Krankenhäusern die Ursache ist, oder HIV mit einer Rate von 3%. Der vollständige Genuß des Rechtes auf Gesundheit ist für die Kinder Ruandas eine ernsthafte Sorge.

 

Das Recht auf Bildung

Das Bildungssystem Ruandas gilt als eines der Progressivsten in Afrika. Es umfasst einen kostenlosen und verpflichtenden Zugang zum Primär- und unterem Sekundarbildungssystem (bis zur 9. Klasse).
Beinahe 100% der Kinder Ruandas sind in die Grundschule eingeschult und 73% der 15-Jährigen und Älteren gelten als alphabetisiert. Trotzdem bleibt die Anwesenheitsquote in der Sekundarschule erheblich niedrig und repräsentiert nur 23% der Kinder. Hinzu kommt, dass 77% der Kinder die Sekundarschule in einem unangemessenen Alter besuchen. Der Zugang zur Bildung ist in einem Entwicklungsland wie Ruanda existentiell. Die Aufnahme in der Schule ermöglicht nicht nur die Flucht vor oder die Verhinderung von Kinderarbeit, sondern entwickelt zudem das Wissen und die Fähigkeiten der Kinder, die zu der Gesellschaft und ihrer Entwicklung beitragen.

 

Das Recht auf Identität und Nationalität

91% der Kinder Ruandas werde in medizinischen Einrichtungen geboren. Nur 50% dieser werden in das Personenstandsregister eingetragen und haben somit Zugang zu einer Geburtsurkunde. Als Folge dessen sind die Dreiviertel der Verbleibenden nicht registriert und somit der Gefahr ausgesetzt nicht von der Regierung geschützt zu werden. Geburtenregistrierung ist ein fundamentals Recht, welches das Kind mit einem Namen, einer Abstammung, einer Nationalität und einem Alter versorgt. Sie repräsentiert zudem den Beweis einer Identität und ein Zeichen der Existenz in den Augen der Gesellschaft. Sie  gewährt dem Kind auch einen automatischen Schutz von Seiten der Regierung vor Menschenhandel und Zwangsarbeit.

 

Das Recht auf Nicht-Diskriminierung

Die Gesetze Ruandas garantieren allen StaatsbürgerInnen eine gleichberechtigte Behandlung und den Schutz vor Diskriminierung. Trotz des großen Fortschritts, den das Land hinsichtlich der Gleichberechtigung von ethnischen Minderheiten erreicht hat, verbleiben einiege Ungleichheiten.
Ein Beispiel ist die Gemeinschaft der Batwa, die 1% der Bevölkerung Ruandas ausmachen. Diese Gemeinschaft hat nach wie vor Zugangsschwierigkeiten zu (Dienst-)Leistungen mit einem direkten Einfluss auf ihr Recht auf Gesundheit und Bildung. Folglich weisen sie eine höhere Säuglingssterblichkeitsrate, mehr Krankheiten und Unterernährung auf und haben somit eine kürzere durchschnittliche Lebenserwartung. Zusätzlich sind sie direkt von dem Wachstum des landwirtschaftlichen Sektors im Land betroffen, der zu dem Verlust des Zugangs zu den Ländern ihrer Vorfahren ohne Entschädigungen geführt hat. Daraus folgend betracht man die Gemeinschaft als eine, die in goßer Not und unter extremer Armut und sozialer Ausgrenzung lebt.

Die LGBTQ+ ist auch eine Gemeinschaft, die eine Zielscheibe für Diskriminierung ist. Obwohl Ruanda eines der wenigen Länder Afrikas ist, das Homosexualität nicht kriminalisiert hat, stigmatisiert der soziale Kontext Menschen aus dieser Gemeinschaft stark. Die Stigmatisierung führt oft zu großen Schwierigkeiten bei dem Zugang zu und dem Genuss ihrer Rechte.

 

Risikofaktoren→Länderspezifische Herausforderungen

 

Armut, Unterernährung und Zugang zu Wasser

Eine adequate Ernährung und Zugang zu Wasser sind kritisch für die Gesundheit eines Kindes, da sie einen direkten Einfluss auf das Wachstum und die kognitive Entwicklung haben. Eine Mangelernährung der Mutter kann negative Folgen auf das Baby im Mutterleib haben, die sich bis in das Erwachsenenalter und weitere Generationen auswirken können. Unterernährung oder Mangelernährung sind nach wie vor verantwortlich für eine hohe Zahl an Todesfällen in Ruanda. Sie beeinträchtigen zudem Lernergebnisse und Produktivität. Armut ist eine der Hauptgründe für Unterernährung in Ruanda. 38,2% der Bevölkerung leben in Armut, davon 16% in extremer Armut. Die Folge ist, dass 38% der Kinder unter 5 Jahren unterentwickelt sind. 49% von ihnen gehören zu dem ärmsten Fünftel. Zusätzlich zu der Mangelernährung haben Kinder in Ruanda oft Schwierigkeiten bei dem Zugang zu Wasser. Obwohl viele Verbesserungen in diesem Bereich umgesetzt wurden, sind Probleme hinsichtlich der Verfügbarkeit und Qualität von Wasser nach wie vor vorhanden, insbesondere in ländlichen Gebieten. Im gesamten Land besteht ein deutlich ungleicher Zugang zu gereinigtem Wasser, wobei die Ärmsten der Bevölkerung diejenigen sind, die als Erstes betroffen sind. Es wird angenommen, dass ca. 74% der Bevölkerung Ruandas, die im ärmsten Fünftel leben im Vergleich zu 34% des wohlhabendsten Fünftel keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. Diese Ungleicheit hat einen direkten Einfluss auf die Gesundheit von Kindern. Aufgrund der Minimalisierung des Zugangs zu angemessener Hygiene steigt die Wahrscheinlichkeit von Krankeitsübertragungen.

Im Kontext von Nachkriegszeit und Zwangsarbeit/Menschenhandel

Eines der Hauptmerkmale der Bevölkerung Ruandas ist das niedrige Durchschnittsalter. Personen unter 15 Jahren repräsentieren mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung in der 52% 19 Jahre und jünger sind. Dies ist eine der direkten Folgen des Genozids von 1994. Dieses dunkle Kapitel in der Geschichte Ruandas hatte schreckliche Folgen für die Kinder. Mehr als 10% der 0 bis 17-Jährigen sind Waisenkinder. Viele Kinder wurden daher als Familienoberhaupt zurückgelassen und waren gezwungen ihre Bildung für die Arbeit aufzugeben um für den Rest der Familie zu sorgen.

Ruanda wurde in den letzten Jahren außerdem eine wichtige Quelle sowie Transit- und/oder Zielland für Personen, die der Zwangsarbeit oder Sex Trafficking ausgesetzt sind. Kinder wird die Bildung untersagt und sie werden in die Spirale der organisierten Kriminalität geworfen. Mädchen in Ruanda werden zu häuslichen Arbeiten gezwungen, misshandelt und im Moment der Schwangerschaft von ihrem Arbeitgeber entlassen. Aufgrund von Stigma und Schande bleibt ihnen kein anderer Weg als sich Sex Trafficking auszusetzen. Ähnliche Situationen treffen die Jungen Ruandas, die der Zwangsarbeit im häuslichen, landwirtschaftlichen oder industriellen Sektor ausgesetzt werden.
Die Regierung muss noch proaktivere Bemühungen unternehmen bei der Suche nach und Vehaftung und Verurteilung von Menschenhändlern. Dies muss mit dem Angebot langfristig angelegter Betreuungseinrichtungen für Opfer einhergehen.

 

Teenagerschwangerschaften, Stigma und Zugang zur Registrierung

Hinsichtlich der Registrierung von Kindern in Ruanada existieren viele Herausforderungen, die ein echtes Problem für das Land darstellen. Tatsächlich wird gemäß der Regierung ein nicht registriertes Kind als nicht existierendes Kind gesehen. Eine Geburtsurkunde gibt dem Kind die grundlegendsten Rechte, wie etwa das Tragen eines Namens, die Abstammung und Nationalität und das Alter. Sie ermöglicht zudem die Einschulung, die Bewerbung um einen Führerschein und andere offizielle Papiere, wie Pass order Personalausweis, wenn das Kind erwachsen wird. Die Registrierung ermöglicht dem Kind auch einen angemessenen Schutz durch den Staat, zum Beispiel im Fall von Kinderhandel oder Zwangsarbeit. Das Wissen über das Alter des Kindes ist wesentlich für die weitere Strafverfolgung. Der offizielle Beweis der Existenz eines Kindes vor den Autoritäten ermöglicht dem Kind Zugang zu Regierungsprogrammen wie “Inkongoro y’Umwana”, das sich auf die kostenlose Bereitstellung von Nahrungsmitteln an Kinder in armen Haushalten spezialisiert hat.

Nichtsdestotrotz bleibt die Registrierung in Ruanda erheblich unzureichend. 2016 wurden 17.500 Kinder von Teenagern geboren und die Mehrheit dieser wurde nicht vom Staat registriert. Die Wurzel dieses Problems liegt darin, dass die meisten Teenagerschwangerschaften aus sexuellem Missbrauch entstehen und deshalb nicht die Anforderungen der Anwesenheit des Ehemannes bei der ersten pränatalen Untersuchung erfüllen können. Hinzu kommt, dass die meisten minderjährigen Mütter keinen eigenen Personalausweis in dem Moment der Registrierung besitzen. Die rechtliche Voraussetzung für den Erhalt eines Personalausweises ist ein Mindestalter von 16 Jahren. Folglich registrieren die Mütter ihr Neugeborenes in dem Namen der Eltern order überhaupt nicht.

Die Voraussetzung der Anwesenheit des Vaters während medizinischer Besuche und vorallem währen der Registrierung ist ein maßgeblicher Grund für das Fehlen von Registrierungen. Alleinerziehende Mütter sehen sich oft Stigmatisierung ausgesetzt und fürchten die Verantwortung dafür übernehmen zu müssen, keinen durch den strikten Prozess anerkannten Vater zu haben.

Schließlich spielte der Zugang zu Registrierungseinrichtungen eine wichtige Rolle für die niedrigen Registrierungsraten. Allerdings hat die Regierung Ruandas kürzlich ihre Richtlinien geändert und ermöglichten Gesundheitseinrichtungen den vollständigen Prozess. 91% der Kinder in Ruanda werden in Gesundheitseinrichtungen geboren, weshalb die Möglichkeit der Registrierung in Krankenhäusern wichtig ist, da sie es Eltern erspart zu lokalen Verwaltungen zu reisen. Als ein weiteres Resultat dieses neuen Gesetzes können Eltern Strafen auferlegt werden, wenn sie ihr Kind nicht innerhalb von 15 Tagen nach der Geburt registrieren lassen.

 

Kultur und Geschichte Ruandas

Die Wurzel der ethnischen Diskriminierung in Ruanda liegt in bestimmten geschichtlichen und kulturellen Faktoren, die einen Einfluss auf die moderne Politik des Landes haben. Tatsächlich wurde als Folge des Genozids 1994 die Verfassung Ruandas geändert um ethnische Klassifizierungen zu verwerfen. Diese politische und legale Veränderung wurde mit dem Ziel durchgeführtn jegliche Art von Teilung und Diskriminierung zu eliminieren und die nationale Einigkeit zu fördern. Nichtdestotrotz hat die Nichtanerkunnung von Minderheiten einen direkten Einfluss auf den freien und uneingeschränkten Genuß jener individuellen Rechte und ignoriert ihre speziellen Bedürfnisse.