Kenias Kinder

Kenias Kinder

Durchsetzung der Kinderrechte in Kenia

Kenia hat zwar die Internationale Kinderrechtskonvention (KRK) ratifiziert, muss diese aber erst noch vollständig umsetzen. Zu den vielen Faktoren, die eine Durchsetzung fast aller KRK-Prinzipien im Land verhindern, zählen Armut, Dürre, starkes Bevölkerungswachstum, interne Konflikte, politischer Stillstand und die zunehmende Flüchtlingsproblematik.

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Index der Realisierung von Kinderrechten : 6,15/ 10
Rote Stufe : Schwierige Lage

Bevölkerung : 44,03 M.
Bev. 0-14 Jahren : 42,5 %

Lebenserwartung : 61,7 Jahre
Kindersterblichkeit : 36 ‰

Hauptprobleme die Kinder in Kenia

Armut

Ganz Kenia leidet unter extremer Armut. Die Hälfte der Bevölkerung lebt mit durchschnittlich 2 USD pro Tag oder weniger unterhalb der Armutsgrenze. Es bestehen starke Unterschiede bezüglich Einkommen und Lebensstandard. Die zunehmende Ungleichheit ist besonders im Hinblick auf Kenias Position als kommerzielles und finanzielles Zentrum dieser Region Afrikas bemerkenswert.

Das Problem wir noch dadurch verschärft, dass Kenias Bevölkerung jährlich um 2,69 % wächst. Staatliche und nichtstaatliche Hilfsleistungen stoßen an ihre Grenzen, besonders da die höchste Geburtenrate in den Bevölkerungsgruppen mit den niedrigsten Einkommen zu verzeichnen ist. Über die Hälfte der wachsenden Bevölkerung ist unter 18 Jahre alt.

Unter der hohen Armutsrate leidet vor allem das Wohl der Kinder. Ihr Recht auf sauberes Wasser, gesundes Essen, medizinische Versorgung und Bildung sowie der Schutz ihrer Grundfreiheiten wird erheblich eingeschränkt.

Gesundheit

Kenia leidet unter Dürre, steigenden Lebensmittelpreisen und einem Zustrom somalischer Flüchtlinge, so dass die angemessene Ernährung der Kinder bislang nicht sichergestellt werden konnte. Durch die zunehmende Mangelernährung konnten sich Krankheiten wie Masern oder Polio weiter verbreiten.

Ein weiteres komplexes Problem stellt die Verbreitung von AIDS dar. Nahezu 3 % der Bevölkerung leiden an einer HIV-Infektion. Ein Großteil der Opfer sind Kinder, die entweder direkt (Virusinfektion) oder indirekt (Verwaisung durch Tod der Eltern) betroffen sind.

Die rasche Verbreitung von HIV und anderen Krankheiten wird durch den Mangel an Aufklärung, Hygiene, Infrastruktur, Medikamenten und qualifiziertem medizinischen Personal noch verstärkt. Die Auswirkungen lassen sich an der außerordentlich hohen Kindersterblichkeitsrate erkennen: Über 8 % aller Kinder sterben noch vor Erreichen des fünften Lebensjahres.

Bildung

Viele Kinder werden durch Armut, Arbeit, die unzulängliche Infrastruktur oder Kinderheirat von einer Schulbildung abgehalten. Schätzungsweise 30 % aller Kinder besuchen keinen Schulunterricht.

Ein Land kann jedoch nur dann der Armut entfliehen, wenn allen Kindern eine angemessene Bildung ermöglicht wird.

Gewalt gegen Kinder

Gewalt gegen Kinder tritt in Kenia in vielen Formen auf: physisch, mental, sexuell und moralisch. Weder zu Hause noch in der Schule sind die Kinder davor sicher. So ist es nicht selten vorgekommen, dass Kinder von ihren Lehrern misshandelt und sogar vergewaltigt wurden. Durch Vergewaltigungen geschwängerte Mädchen mussten daraufhin oft die Schule verlassen.

Kinderprostitution ist in Kenia zwar gesetzlich verboten, besteht aber weiterhin mit allen begleitenden Übeln. Die Lösung dieses Problems wird durch die stetig ansteigende Anzahl in Armut lebender und durch AIDS verwaiste Kinder erschwert. Zusammen mit dem Problem des Sextourismus führten diese Faktoren in der Vergangenheit zu einem verstärkten Aufkommen von Kinderprostitution.

Kinderarbeit

Aufgrund einer ineffektiven Legislatur und extremer Armut bleibt der Anteil der Kinder, die zugunsten der Arbeit auf ihre Schulbildung verzichten müssen, hoch. Betroffen sind 26 % aller Kinder zwischen 5 und 14 Jahren.

Viele Kinder arbeiten unter kläglichen Bedingungen auf Plantagen, andere sind als Haushilfen angestellt. Diese Tätigkeiten erschöpfen die Kinder physisch wie auch moralisch und schüren Apathie und Hoffnungslosigkeit. Kinder, die keine Arbeit finden können, betteln zur Unterstützung ihrer Familien und steuern so einer unproduktiven Existenz in den Straßen der größeren Städte entgegen.

Minderjährige Flüchtlinge

Dieses Jahr litt Kenias unmittelbares Nachbarland Somalia an einer der verheerendsten Dürren der jüngeren Geschichte. Unzählige Familien suchen seitdem Zuflucht und Unterstützung in Kenia. Die erhoffte Unterstützung lässt jedoch auf sich warten und kommt vor allem für die Kinder, die den Großteil der Flüchtlinge ausmachen, oft zu spät.

Viele der Flüchtlinge, die im Flüchtlingslager von Dadaab ankommen, sind geschwächt, dehydriert und stark unterernährt. Die lokal und international geförderten Hilfsleistungen sind zur Bewältigung der Krise bei weitem nicht ausreichend. Viele Kinder kämpfen daher Tag für Tag ums Überleben.

Schätzungsweise 2 Millionen Kinder dieser Region sind chronisch unterernährt.

Inhaftierung von Kindern

Bei der Sicherheitsverwahrung von Straftätern werden Kinder oft in den gleichen Einrichtungen festgehalten wie Erwachsene und müssen sich Zellen mit Männern und Frauen teilen. Physischer und sexueller Missbrauch inhaftierter Kinder ist deshalb nicht selten.

Besonders alarmierend ist die große Anzahl von Kindern unter 4 Jahren, die in kenianischen Gefängnissen leben müssen. Viele weibliche Insassen bringen ihre Kinder mit ins Gefängnis, wenn sie ihre Haftstrafe verbüßen, da während ihrer Abwesenheit niemand auf sie aufpassen kann.

Weibliche Genitalverstümmelung

Die weibliche Genitalverstümmelung wird noch heute in mehreren Teilen Kenias praktiziert. Die Prozedur selbst ist nicht nur schmerzhaft und erniedrigend, sondern auch unhygienisch und extrem gefährlich. Viele junge Mädchen, die diese barbarische Behandlung über sich ergehen lassen mussten, erleiden Blutungen und verschiedene Infektionen. Auch Todesfälle sind häufig zu verzeichnen. Überlebende sind oft bleibenden physischen und psychischen Schäden ausgesetzt.

Kinderheirat

Die Kinderheirat ist in bestimmten ethnischen Gruppen weiterhin verbreitet. Über 25 % der kenianischen Mädchen werden noch vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet. Diese jungen Mädchen können die Tragweite einer Ehe noch nicht verstehen und sind zwangsläufig einem Leben voller Elend und ständigen Mühen ausgesetzt. Kinder solcher Ehen beginnen ihr Leben mit erheblichen Nachteilen.

Recht auf Identität

Nur 60 % aller Geburten in Kenia werden offiziell gemeldet und verzeichnet. 40 % aller kenianischen Kinder besitzen also keine offizielle Identität oder Nationalität. Sie wachsen als staatlose Personen auf und können selbst die grundlegendsten Menschenrechte nicht für sich beanspruchen. In den Augen der Gesellschaft existieren sie überhaupt nicht.