Die Kinder von São Tomé und Principe

Die Kinder von São Tomé und Príncipe

Kinderrechte in São Tomé und Príncipe in die Realität umsetzen

São Tomé und Príncipe ist ein Staat, der aus zwei kleinen Inseln besteht und vor der afrikanischen Küste im Golf von Guinea liegt. Er wird von den Vereinten Nationen als eines der „am wenigsten entwickelten Länder“ eingestuft. Das Land ist stark abhängig von internationaler Hilfe, Kakao macht 80% seiner Exporte aus. Die Bevölkerung von São Tomé und Príncipe ist relativ jung: 2012 waren 44,4% der Bevölkerung zwischen 0 und 14 Jahre alt. Das Land ist ein relativ junger Staat mit starkem Entwicklungspotenzial, zählt derzeit allerdings zu den ärmsten Ländern der Welt.

Carte-droits-de-l'enfant-dans-le-monde-2014-MINI (2) Carte-Sao Tome et Principe

Index der Realisierung von Kinderrechten: 7,36/10
Rote Stufe : Schwierige Situation

Bevölkerung: 186 817
Bev. 0-14 Jahren: 44 %

Lebenserwartung: 66,3 Jahre
Kindersterblichkeit: 35 ‰

Hauptprobleme der Kinder von São Tomé und Principe:
Armut

2011 stieg das BIP von São Tomé und Príncipe um 4,3%. Einen großen Anteil daran hatten die Aufstockung der öffentlichen Entwicklungshilfe, der Einzelhandel sowie die Tourismusbranche. Die Lebensbedingungen der Bevölkerung verbesserten sich durch den wirtschaftlichen Aufschwung jedoch nicht: Das Bruttonationaleinkommen gemessen an der Kaufkraftparität lag bei 1.918 US-Dollar pro Kopf und der Human Development Index für São Tomé und Príncipe betrug 0,488 im Jahr 2010, womit das Land im weltweiten Vergleich auf Platz 127 landete. Der Norden des Landes ist von Armut noch stärker betroffen als der Süden. Die Regierung schätzt, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt, 29% sogar in extremer Armut.

Das Recht auf Bildung

Niedrige Einkommen und schlechte Berufsaussichten wirken sich negativ auf die Motivation der Schüler aus. Dies führt zu schlechter Ausbildung, hohen Abbrecherquoten und hohen Zahlen von Schülern, die eine Klasse wiederholen müssen. Statistiken zeigen beispielsweise, dass 98% der Mädchen und 97% der Jungen die Grundschule besuchen, aber nur 38% eine weiterführende Schule. Ein weiteres Problem ist, dass es in São Tomé und Príncipe nur wenige Schulen gibt. Oft sind diese in den großen Städten angesiedelt, sodass es große regionale Unterschiede hinsichtlich der Ausbildung gibt.


Die Regierung hat Bildung zu einer ihrer Prioritäten erklärt.
Bereits angestoßene Programme zeigen erste positive Ergebnisse wie eine erhöhte Ausbildungsquote bei den Jungen. Die Vereinten Nationen weisen aber darauf hin, dass sich die Abbrecherquoten bei den Mädchen seit 2004 nicht verändert haben. Ein häufiger Grund für den Schulabbruch sind frühe Schwangerschaften. Gemeinsam mit Partnerorganisationen wie dem Roten Kreuz hat die Regierung deshalb ein Ausbildungsprogramm ins Leben gerufen, das soziale Ungleichheiten ausgleichen soll. Im Rahmen dieses Programms erhalten Mütter mit mehr als drei Kindern finanzielle Unterstützung, damit eine Mindestausbildungszeit von sechs Jahren gewährleistet werden kann.

Insgesamt ist die Lage im Bildungssektor sehr ernst: Der Anteil der Analphabeten ist sehr hoch, junge Mädchen müssen oft eine Klasse wiederholen oder brechen die Schule ab, die Qualität der Bildung ist schlecht und Kinder, die in entlegenen Regionen leben, haben oft gar keinen Zugang zum Bildungssystem.

Das Recht auf Gesundheit

Die Bürger von São Tomé haben im Vergleich zu anderen Staaten in der Region eine geringe Lebenserwartung. Mit durchschnittlich 68,32 Jahren liegt das Land weltweit auf dem 149. Platz.

Auch wenn die Sterblichkeitsrate für Säuglinge und Kinder unter fünf Jahren gesunken ist (38 bzw. 63 Todesfälle auf 1.000 Geburten im Zeitraum 2008/2009), bleiben andere große Probleme wie HIV, Malaria und Nahrungsmittelknappheit bestehen. Auch der Zugang zu Trinkwasser und die Hygieneversorgung bleiben weiterhin Problemfelder.

Malaria
Die Zahl der Malariafälle konnte deutlich gesenkt werden (2002: 478 von 1.000, 2009: 34 von 1.000). Dennoch zählt Malaria auch heute noch zur vierthäufigsten Todesursache bei Kindern.

HIV und Aids

Der Weltbank zufolge werden 7% der Bevölkerung von HIV betroffen sein. Das größte Problem vor dem Nichtregierungsorganisationen stehen ist die zunehmende und schnelle Ausbreitung des Virus. Laut einer Studie aus dem Jahr 2005 lag der Anteil HIV-infizierter schwangerer Frauen bei 1,5%, während 2001 nur 0,1% der Frauen betroffen waren. Mit dem Virus sind außerdem 0,6% der Mädchen und 0,8% der Jungen im Alter von 15 bis 19 Jahren infiziert. Der häufigste Übertragungsweg sind heterosexuelle Kontakte (89,5%), aber auch Bluttransfusionen (4,8%) und die Übertragung von der Mutter auf ihr Kind (1,6%).

Die Infektionsraten sind in entlegenen ländlichen Gegenden höher als in Städten. Dies ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass es auf dem Land weniger Präventions- und Medizinzentren gibt.

Fehlende Aufklärung, auch im Schulunterricht, sowie der schwierige Zugang zu Verhütungsmitteln sind die Hauptgründe für die starke Verbreitung von AIDS.

Unterernährung

Die geografische Lage der Inseln von São Tomé und Príncipe verschärft die Armut der Bevölkerung. Zahlreiche Wirbelstürme, Überschwemmungen und Dürren haben der Landwirtschaft und der Verkehrsinfrastruktur zugesetztDies hat wiederum zu Ernährungsunsicherheit und schwerwiegenden Gesundheitsproblemen geführt.

Dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WEP) zufolge waren im Jahr 2006 34% der Kinder unter 5 Jahren chronisch unterernährt. Die Unterernährungsrate der Gesamtbevölkerung liegt bei 9%. Die Lebensmittelkrise von 2008 verschlimmerte die Situation noch und es ist schwierig, zuverlässige Zahlen zur aktuellen Situation zu bekommen.
Um die Lage zu verbessern, wurde im Rahmen des WEP ein Schulernährungsprogramm gestartet, welches seit 2013 läuft.

Frühe Schwangerschaften

Die Schwangerschaftsrate bei Jugendlichen ist sehr hoch. In São Tomé und Príncipe dürfen Kinder bis zum Alter von 16 Jahren einen Arzt nur in Begleitung ihrer Eltern besuchen.

Kinderhandel

Die Zunahme des Sextourismus in Zentral- und Westafrika hat auch in São Tomé und Príncipe zu einem Anstieg der Kinderprostitution geführt. Um die sexuellen Wünsche von Touristen bedienen zu können, nimmt der Menschenhandel mit Frauen und Kindern zu. Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass Kinderprostituierte dem Gesetz nach als Kriminelle und nicht als Opfer gelten.

Kinderarbeit

Grundsätzlich dürfen Kinder laut Gesetz ab einem Alter von 14 Jahren arbeiten. Die Zahlen zeigen jedoch, dass diese Untergrenze in der Praxis nicht eingehalten wird. Im Jahr 2000 arbeiteten beispielsweise 15,4% der Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren, beziehungsweise 17,2% der Jungen und 13,5% der Mädchen. Kinder werden meist in der Landwirtschaft, für illegale Geschäfte (z.B. Drogenhandel) oder als Hausangestellte eingesetzt. Außerdem dürfen Minderjährige in São Tomé und Príncipe einen Arbeitsvertrag unterschreiben und Lohn beziehen.
Die gesetzlichen Arbeitszeiten sind für Kinder unter 18 Jahren auf 7 Stunden pro Tag und maximal 35 Stunden pro Woche begrenzt. Und zumindest in der Theorie müssen Kinder ihre Arbeitsleistung freiwillig erbringen. Wehrdienst ist ab 18 Jahren verpflichtend. Mit Einverständnis der Eltern können Jugendliche aber auch schon mit 17 Jahren eingezogen werden.

Zugang zum Rechtssystem

Das Rechtssystem ist immer noch nicht an die Bedürfnisse von Kindern und Minderjährigen angepasst.