Kinder in Äthiopien

Kinder in Äthiopien

Die Verwirklichung der Kinderrechte in Äthiopien

Äthiopische Kinder leben in einer besorgniserregenden Situation. Die nationalen Behörden müssen enorme Schritte unternehmen, um das Wohlergehen der Kinder zu gewährleisten. Dürren und eine andauernde Hungersnot bedrohen jedoch ihre Existenz.

  ethiopie


Index der Realisierung von Kinderrechten
: 4,98/10
Schwarze Stufe: sehr Schwierige Situation

Bevölkerung: 91,7 Millionen

Bev. 0-14 Jahren: 44,6 %

Lebenserwartung: 63,6 Jahre

Kindersterblichkeit: 41 %

Die wichtigsten Probleme der Kinder in Äthiopien:

Armut

Äthiopien ist ein sehr armes Land: Mehr als 94,7% der Bevölkerung verdient weniger als zwei Dollar pro Tag. Dürren führen zu Nahrungsmittelknappheit im ganzen Land. Der größte Teil der Bevölkerung überlebt durch Nahrungsmittelhilfen von internationalen Organisationen.

Armut ist eine große Hürde für das Land. Sie behindert die normale Entwicklung und blockiert die Rechte sowie angemessene Lebensbedingungen für äthiopische Kinder.

Gesundheitswesen

Äthiopien hat eine hohe Kindersterblichkeit: Es gibt schätzungsweise 104 Todesfälle pro 1000 Geburten. Zu diesen Todesfällen kommt es in der Regel durch eigentlich behandelbare Krankheiten wie Lungenentzündung, Malaria, Drei-Tage-Fieber und Durchfall.

Unterernährung ist mit 54% immer noch die häufigste Todesursache bei Kindern. Die Geburtenrate ist ebenfalls sehr hoch. Sie führt zur Zunahme der Armut.

In den letzten Jahren wurden Fortschritte im äthiopischen Gesundheitswesen erreicht. Kinder erhalten in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen beispielsweise kostenlos Impfstoffe gegen sechs Kinderkrankheiten.

Bildung

Der Schulbesuch wurde im Jahr 1997 für Kinder von 7 bis 16 Jahren zur Pflicht erklärt. Bildung ist jedoch nicht kostenlos und die Schulgebühren sind teuer – nicht zu vergessen die Kosten für Schulmaterial und Uniformen. Bildung ist für viele Familien viel zu teuer, sodass einige Kinder einfach nicht zur Schule gehen können. Nur 13% der Kinder besuchen eine weiterführende Schule.

Die Klassen sind zudem überfüllt (zwischen 50 und 60 Kinder pro Klasse), sodass dadurch das Lernen erschwert wird. Die Alphabetisierungsrate der Menschen im Alter von über 15 Jahren beträgt deshalb nur 57%.

Diskriminierung

Viele Kinder verschiedener Gruppen sind Opfer von realen und gegenwärtigen Diskriminierungen. Dies gilt insbesondere für behinderte Kinder, Flüchtlinge, AIDS-Waisen und Kinder ethnischer Minderheiten. Äthiopische Mädchen sind die größten Opfer dieser Diskriminierung. Mehr als ein Drittel von ihnen geht nicht zur Schule, sondern arbeitet stattdessen als Hausangestellte.

Kinderarbeit

Wie es häufig in Afrika südlich der Sahara der Fall ist, lassen äthiopische Eltern ihre Kinder für unterschiedliche Zwecke arbeiten. Jungen werden auf die Felder geschickt, während Mädchen Gewürze auf dem Markt verkaufen oder als Hausangestellte arbeiten.

Die Schattenwirtschaft (Prostitution, Drogenhandel und Schmuggel) nutzt dabei die meiste Kinderarbeit.

Kinderhandel

Äthiopien gehört zu den zehn Ländern mit der größten Verbreitung des Sklavenhandels, der besonders Kinder afrikanischer Abstammung betrifft. Jedes Jahr werden mehr als 20.000 Kinder von ihren Eltern verkauft. Einige sind erst 10 Jahre alt. Laut der Internationalen Organisation für Migration, verkaufen verarmte äthiopische Familien ihre Kinder für die geringe Summe von rund 1,20 US-Dollar.

Jedes Jahr werden viele äthiopische Kinder in den Hausangestelltendienst oder, noch häufiger, ins Sexgeschäft oder in Zwangsarbeit in den Feldern, Bergwerken oder Stofffabriken gezwungen. Kinderehen sind einer der Faktoren, die zu diesem Handel beitragen.

Darüber hinaus sind viele äthiopische Kinder illegal adoptiert. Adoptionsagenturen arbeiten mit nationalen Behörden zusammen, um junge Äthiopier zur internationalen Adoption bereitzustellen.

Kinderprostitution

Eine beträchtliche Anzahl von Kindern sind in Äthiopien Opfer sexueller Ausbeutung, vor allem in städtischen Gebieten. Äthiopische Mädchen werden in den Nahen Osten verschickt, insbesondere in den Libanon, Saudi Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Diese Mädchen, die manchmal jünger als 11 Jahre alt sind, werden speziell für die Prostitution ausgesucht und sie kennen normalerweise die Gefahren von AIDS nicht.

AIDS und Kinder

Laut UNAIDS hat Äthiopien den höchsten Anteil von AIDS-Waisen in Afrika südlich der Sahara. Dies betrifft etwa 886,820 Kinder. Eine kleine Anzahl von ihnen hat Zugang zu psychosozialer, pädagogischer und Ernährungshilfe, aber die derzeitigen Bemühungen sind mangelhaft. Diese Waisen sind gezwungen, die schlimmsten Arbeiten auszuführen, um ihre eigenen Bedürfnisse zu decken. Die Regierung muss mit lokalen Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten, um die Zahl der AIDS-Waisen zu reduzieren.

Obdachlose Kinder

Schätzungsweise 150.000 Kinder leben in den äthiopischen Städten auf der Straße. Diese gefährdeten Kinder, die auf sich selbst gestellt sind, nehmen oft gefährliche und erniedrigende Arbeiten an. Sie werden oft Opfer von Drogensucht oder sexueller Ausbeutung. Regelmäßig werden sie von der Polizei schikaniert.

Weibliche Genitalverstümmelung

Die weibliche Genitalverstümmelung ist eine gängige Praxis in Äthiopien. Nach einer Studie im Jahr 2000 wurden über 80% der Frauen dieser Praxis unterworfen. Im Jahr 2011 sank diese Zahl dem Vernehmen nach auf 74%.

Heute sind sich immer mehr Eltern der gesundheitlichen Risiken dieser Praxis bewusst. Einige Bezirke starteten Kampagnen zur Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung, wie etwa in Amibara und in Awash Fentale.