Kinder in Gambia

Kinder in Gambia

Die Verwirklichung der Kinderrechte in Gambia

Gambia hat in einigen Bereichen Maßnahmen zur Realisierung der Kinderrechte ergriffen, wie zum Beispiel dem Zugang zu medizinischer Versorgung und im Bereich der Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen. Trotzdem ist die Situation nach wie vor schwierig. Der Repräsentant von UNICEF wurde im Jahr 2010 von der Regierung entlassen und es wird weiterhin eine Vielzahl von Missbrauchsfällen registriert, insbesondere in Bezug auf Mädchen.

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Index der Realisierung von Kinderrechten
: 5,94/10
Schwarze Stufe: sehr Schwierige Situation

Bevölkerung: 1,88 Millionen

Bev. 0-14 Jahren: 39,6 %

Lebenserwartung: 58,8 Jahre

Kindersterblichkeit: 48 ‰

Die Hauptprobleme, denen sich Kinder in Gambia stellen müssen:

Gesundheit

Der Zugang zu medizinischer Versorgung ist relativ gut, aber das Fehlen von Informationen und die schlechte Qualität der Dienstleistungen reduzieren deren Effektivität. Kinder in Gambia, besonders Mädchen, leiden an Unterernährung und Krankheiten wie Malaria und Aids.

Diese Probleme, insbesondere die Unterernährung, sind in städtischen Gegenden weniger stark ausgeprägt. Im Jahr 2010 zum Beispiel gab es in ländlichen Gegenden im Vergleich zu urbanen Gegenden doppelt so viele untergewichtige Kinder unter 5 Jahren (beziehungsweise 22% in ländlichen und 12% in städtischen Gegenden).
2009 hatten in Gambia nach Schätzungen mehr als 10.000 Frauen über 15 Jahren Aids. Nur 32% der ärmsten Frauen zwischen 15 und 24 Jahren hatten im Jahr 2010 allgemeines Wissen über Aids.

Aus diesem Grund ist das Risiko, die Krankheit auf Kinder zu übertragen sehr hoch und, aufgrund des Fehlens von Informationen und von Anstrengungen zur Verhütung der Krankheit, steht das Schlimmste für viele Kinder in Gambia noch bevor.

Die Situation wird noch erschwert durch die Tatsache, dass der Nutzen von antiretroviralen Medikamenten zur Behandlung von Aids von der Regierung verleugnet wird. Der Präsident verlässt sich auf seine eigene Wundermedizin, die sich aus Gebeten, medizinischen Kräutern und bitteren Tränken zusammensetzt.

Weibliche Genitalverstümmelung

Die Regierung von Gambia hat Maßnahmen pädagogischer Art zum Kampf gegen die Verstümmelung weiblicher Genitalien ergriffen. Diese Maßnahmen sind unzureichend im Vergleich zu der fortdauernden Tradition der Genitalverstümmelung und der kulturellen Empfindlichkeit dieser Praxis.

Das Fehlen eines rechtlichen Verbots hat dazu geführt, dass Gambia eines der Länder mit der höchsten Rate an Beschneidungen von Frauen ist (2010: 64%).

Diese Praktiken sind von Gemeinschaft zu Gemeinschaft verschieden. Von den neun größten ethnischen Gruppen praktizieren 7 die Genitalverstümmelung bei Mädchen zwischen der Geburt und dem 16. Lebensjahr. Bei den Mandinkes und den Sarakoles werden 100% der Mädchen operativ beschnitten oder verstümmelt.

Diese Praktiken sind üblicher in der Upper River Region als in der den städtischen Gegenden und unter der besser gebildeten Bevölkerung.

2010 stimmten 71% der Bevölkerung dieser Praktik zu.

Kinderehen

Obwohl Gambia das Abkommen über die Rechte der Kinder angenommen hat und Zwangsehen mit Mädchen unter 16 Jahren nach dem Strafrecht unter Strafe gestellt ist, sind Kinderehen weiterhin üblich.

Dieses Phänomen ist vor allem in ländlichen Gegenden alltäglich, wo die Mädchen manchmal nur 12 Jahre alt sind zum Zeitpunkt der Hochzeit. Eine Studie aus dem Jahr 2010 stellte fest, dass 7% der Mädchen im Alter von 15 Jahren verheiratet werden, 36% im Alter von 18 Jahren.

Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung

In Gambia sind sexuelle Ausbeutung, Sextourismus und Menschenhandel an der Tagesordnung, insbesondere für Mädchen.

Auch wenn der sexuelle Missbrauch von Minderjährigen, die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Kinderpornographie unter Strafe gestellt wurden, werden zunehmend mehr Kinder in der Sexindustrie eingestellt.

Manche Kinder fangen schon im Alter von 12 Jahren an zu arbeiten. Viele kommen aus armen Familien oder haben den elterlichen Schutz verloren. Im Austausch für ihre „Dienstleistungen“ werden den Mädchen die Ausbildung, medizinische Versorgung oder andere Geschenke bezahlt.

Eine Spezialeinheit der Armee wurde eingesetzt um den Sextourismus zu bekämpfen und um Kinder von Gegenden fernzuhalten, in denen Prostitution praktiziert wird.

Prostitution findet oft in städtischen Hotels statt, auch wenn es zunehmend eine Tendenz gibt, die Prostitution in ländlichere Gegenden zu verlagern, da die Hotels in gestiegenem Maße Regeln dagegen erlassen.

Trotzdem gibt es nach wie vor keine Überprüfungen der Hotels und die Praxis der Bestechung (Korruption) ist immer noch üblich, um Mädchen ausbeuten zu können.

Es sollte beachtet werden, dass Gambia ein Ursprungsland des Kinderhandels ist und es nicht Teil des Haager Abkommens über die zvilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung aus dem Jahr 1980 ist.

Kinder und Drogen

Viele Familien bauen Marihuana an um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das führt bei vielen Jugendlichen zu einer Drogenabhängigkeit.

Bildung

Nur 28% der ärmsten Kinder des Landes, die 20% der Bevölkerung ausmachen, und nur 42% der reichsten Kinder, ebenfalls 20% der Bevölkerung besuchten 2010 eine Schule. Mädchen sind davon noch stärker betroffen als Jungen, insbesondere in ländlichen Gegenden.

Dennoch muss auch hervorgehoben werden, dass Bildung für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren kostenlos ist. Dies schließt die Kosten für Schulsachen, Uniformen, Essen, Prüfungskosten, usw. jedoch nicht mit ein.

Aufgrund der begrenzten Perspektiven für Kinder ist die Quote der Schulabbrecher sehr hoch.

Straßenkinder

Die Anzahl der Straßenkinder in Gambia ist sehr hoch, besonders in Städten nahe den Grenzen. Sie werden „Almodous“ genannt und stammen zu 60% aus Nachbarstaaten.

Die Regierung hat Maßnahmen ergriffen um dieses Phänomen zu verringern. Behörden bringen die Kinder in Übergangszentren, wo versucht wird, die Kinder zu ihren Familien zurückzubringen. Es sind allerdings keine ausreichenden Mittel vorhanden, um sich um alle Kinder zu kümmern, welche sich noch dazu den Maßnahmen widersetzen.

Deshalb leben und arbeiten immer noch viele Kinder auf der Straße und bleiben darum besonders angreifbar für Erwachsene und andere Kinder. Sie sind oft unterernährt, haben nicht ausreichend Kleidung, werden geschlagen, ausgebeutet und sind dem Risiko ausgeliefert ungeschützten Sex zu haben.

Arme Familien neigen oft dazu, ihre Kinder einem „weisen Mann“ oder „Marabout“ anzuvertrauen, der die Kinder mit religiöser Bildung über den Koran versorgen soll. Dadurch ermöglichen sie unabsichtlich Kinderhandel ohne sich dieser Tatsache bewusst zu sein. Tatsächlich werden viele dieser Kinder aber zum Betteln nach Almosen auf die Straße geschickt im Austausch für Unterkunft und Verpflegung. Kinder, die nicht genügend Geld erbetteln können, werden oftmals misshandelt.

Missbrauch

Trotz der Strafbarkeit von Gewalt, inklusive häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch von Kindern, ist Missbrauch in Gambia weit verbreitet.

2010 glaubten 87% der Menschen, die mit Kinderbetreuung betraut waren, dass körperliche Bestrafung notwendig ist, um Kinder zu erziehen.

Bezüglich häuslicher Gewalt und angesichts der hohen Zahlen an Kinderehen in Gambia, muss festgestellt werden, dass 2010 71% der Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren der Ansicht waren, dass ein Ehemann das Recht hat, seine Ehefrau unter bestimmten Umständen zu schlagen.

Zum Schluss muss angemerkt werden, dass Kinder nicht die adäquaten Mittel haben, um sich Zuflucht oder Hilfe zu diesem Thema zu leisten, und, dass die Straftäter oftmals nicht strafrechtlich verfolgt und bestraft werden.

Todesstrafe für Minderjährige

Auch wenn in der Praxis noch kein Kind zum Tode verurteilt wurde und es unter der jetzigen Regierung noch zu keiner Hinrichtung eines Kindes kam, verbietet das Gesetz in Gambia nicht, die Todesstrafe gegen einen Minderjährigen zu verhängen.

Kinderarbeit

In Gambia ist Kinderarbeit immer noch üblich und, trotz aller Entwicklungen seit 2010, arbeiten 29% der Mädchen und 20% der Jungen.

Diskriminierung

Trotz der Einführung eines Gesetzes im Juni 2005, dass die Gleichberechtigung zwischen Mädchen und Jungs sicherstellen soll, erlaubt das inländische gambische Recht Diskriminierung und bezieht islamische Gesetze mit ein, die ausdrücklich diskriminierend gegenüber Frauen sind in den Bereichen der Scheidung, Adoption, Erbe, Ehe und Begräbnis.

Waisenkinder und das Recht auf eine eigene Identität

Die Anzahl an Waisenkindern in Gambia ist nach wie vor hoch. Nach Schätzungen von UNICEF lebten dort 2009 ungefähr 72.000 Waisenkinder zwischen 0 und 17 Jahren.

Die Quote an Geburtsregistrierungen in Gambia ist niedrig: nur 52% der ärmsten 20% der Bevölkerung und 64% der reichsten 20% der Bevölkerung registrierten ihre Neugeborenen im Jahr 2010. Die Registrierung ist ein wesentlicher Faktor um die Rechte der Kinder sicherzustellen, insbesondere die Ausbildung oder die Anschaffung einer Krankenversicherungskarte.