Die Kinder des Südsudans

Die Kinder des Südsudans

Kinderrechte im Südsudan umsetzen

 

Der Südsudan hat seine Unabhängigkeit offiziell am Samstag, dem 9. Juli 2011, in der Hauptstadt Juba erklärt. Somit hat der Staat die Möglichkeit geschaffen, die verzweifelte Lage der dort lebenden Kinder zu verbessern, die von einem jahrelangen Bürgerkrieg betroffen sind.

 Carte-Sud Soudan


Index der Realisierung von Kinderrechten
: 4,86/10
Schwarze Stufe: sehr Schwierige Situation

Bevölkerung: 11,1 Millionen

Bev. 0-14 Jahren: 46,2 %

Lebenserwartung: 55,3 Jahre

Kindersterblichkeit: 60 %

Hauptprobleme, denen Kinder im Südsudan gegenüberstehen:

Armut

Im Südsudan ist die Armut tief verankert, da 90% der Bevölkerung weniger als 1$ pro Tag zur Verfügung hat. Das betrifft ganz besonders den Teil der Bevölkerung, der von der Landwirtschaft in Regionen lebt, die immer wieder von Dürre und Krieg betroffen waren und sind.

Die fehlende Fähigkeit, sich an die Klimabedingungen anzupassen, sowie die Zwänge durch die natürlichen Ressourcen sind weitreichende Ursachen für Armut. Diese haben die Konflikte zu Beginn angefacht, welche sich daraufhin ausgeweitet haben. Kinder leiden auf direkte Art und Weise an den Konsequenzen der Armut, die ihnen den Zugang zu Bildung, Gesundheitsdienstleistungen etc. verwehrt.

Das Recht auf Bildung

Schülerinnen und Schüler sind Opfer von Angriffen auf Schulen oder von Zwangsrekrutierungen durch die bewaffnete Miliz und sind somit diejenigen, die am meisten von bewaffneten Konflikten in der Welt betroffen sind. Zur Schule zu gehen war also während des Bürgerkriegs im Südsudan fast unmöglich.

Die Zahlen sprechen für sich: Nur ein Fünftel der Kinder im Südsudan gehen zur Schule und nur 1% dieser Kinder schließt die Grundschule ab. In dem Land wird die niedrigste Einschulungsquote weltweit für weiterführende Schulen festgestellt. Im Hinblick auf Mädchen ist die Situation noch viel schlimmer, da 91% von ihnen Analphabetinnen sind.

Diese bedauernswerte Situation ist natürlich eine Konsequenz des Bürgerkriegs, der seit Jahren im Südsudan herrscht und dieser macht es drei ganzen Generationen von Kindern unmöglich, zur Schule zu gehen. Einschulungsstrukturen existieren nicht und der Unterricht findet hauptsächlich unter freiem Himmel statt. Zudem herrscht ein regelrechter Mangel an ausgebildeten Lehrkräften. Die meisten Lehrer wurden gar nicht ausgebildet oder haben die Ausbildung nicht abgeschlossen.

Das Recht auf Gesundheit

With one of the highest Mit einer Kindersterblichkeitsrate, die zu den höchsten weltweit gehört, chronischer Unterernährung der Bevölkerung und immer wiederkehrenden Epidemien steht der Südsudan vor großen Herausforderungen beim Zugang zu Gesundheitsleistungen. Laut der Organisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières, MSD) hat 75% der Bevölkerung keinen Zugang zur Grundversorgung und 80% der Gesundheitsleistungen werden von internationalen Nichtregierungsorganisationen erbracht. Es gibt nur 120 Ärzte und circa 100 Krankenschwestern für acht Millionen Südsudaner.

Die Gesundheitssituation von Kindern ist ganz besonders dramatisch. Es ist deutlich wahrscheinlicher, dass ein junges Mädchen im Alter von 15 Jahren bei der Geburt ihrer Kinder stirbt, als dass sie zur Schule gehen kann. Zudem haben 80% der Südsudaner keine Toiletten zu ihrer Verfügung.

Die Regierung steht vor der riesigen Aufgabe, das Problem des fehlenden adäquaten Personals und der mangelnden Gesundheitsstrukturen anzugehen, um auf die Bedürfnisse der Bevölkerung zu reagieren.

Kinder und AIDS

Von den 550 000 Menschen, die im Süd-Sudan am HIV-Virus erkrankt sind, sind vor allem Kinder machtlos gegen eine Ansteckung mit dem HIV- Virus. Insbesondere Straßenkinder sind davon betroffen. Sie erhalten so gut wie keine Unterstützung von ihren Familien, haben keine Bildung und noch weniger Schutz, wodurch sie immer mehr davon bedroht sind, Opfer von sexueller Gewalt zu werden und sich mit HIV zu infizieren. Das Risiko für die Infizierung mit HIV ist besonders hoch, da diese Kinder nicht wissen, wie das Virus übertragen wird.

Darüber hinaus führt die zunehmende Interaktion mit den Ländern Kenia und Uganda, welche in hohem Maße von dem HIV-Virus betroffen sind, dazu, dass die Ansteckungsgefahr für Kinder im Süd-Sudan weiterhin steigt. Die Regierung muss noch einiges im Kampf gegen AIDS unternehmen.

Straßenkinder

Niemand kennt die genaue Zahl der Straßenkinder, die im Südsudan leben. Besonders in der Hauptstadt Juba ist die Lage sehr unübersichtlich. Diese Kinder, die auf der Straße schlafen, sind eine der Konsequenzen des 21jährigen Bürgerkriegs, der das Land heimgesucht hat. Die meisten von ihnen können sich nicht einmal mehr an ihre Familien erinnern, aus denen sie herausgerissen wurden, als sie gezwungen wurden, aus ihren vor Gewalt bedrohten Dörfern zu fliehen.

Weibliche Genitalverstümmelung

Die weibliche Genitalverstümmelung ist im Nordsudan sehr weit verbreitet und hat sich ebenfalls auf den Südsudan ausgeweitet. Sie wird normalerweise weniger in den christlichen Gemeinden im Süden des Landes praktiziert als in den islamischen Gemeinden im Norden, aber humanitäre Vereinigungen und Organisationen haben die Verwendung solcher Praktiken auch bei Mädchen aus dem Südsudan festgestellt.

Mehrere Faktoren erklären dieses Phänomen. Zunächst haben die Migranten und Nomaden des Südsudan nach und nach die kulturellen Praktiken des Nordens übernommen, darunter auch die weibliche Genitalverstümmelung. Dennoch hat die Heirat zwischen Südsudanerinnen und Nordsudanern einen geringen Einfluss darauf. Diese Ehen sind recht selten aufgrund ethnischer Diskriminierungen, die zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen existieren.

Obwohl die Genitalverstümmelung eine Gefahr für die Mädchen des Südsudans und die Wahrung ihrer Rechte darstellt, bleibt es sehr schwer, den Schweregrad dieses Problems im Land aufgrund von fehlenden statistischen Daten festzustellen.

Kinderheirat

Die frühe Verheiratung von Kindern ist gängig im ganzen Land, aber die Armut und der Bürgerkrieg haben das Problem noch weiter verschärft. Da die Eltern der Braut am Tag der Hochzeit die Mitgift bezahlen müssen, werden die jungen südsudanischen Mädchen als eine seltene Einkommensquelle in einer Region betrachtet, in der das Durchschnittseinkommen 25 Cent pro Tag beträgt.

Sich sehr jung zu verheiraten, manchmal sogar bereits im Alter von nur 12 Jahren, kann ein Hindernis für die Schulbildung sein und zudem Probleme für die Gesundheit der Mädchen mit sich bringen, wenn sie schwanger werden, bevor sich ihr Körper ausreichend entwickelt hat. Im Südsudan ist es deutlich wahrscheinlicher, dass ein junges Mädchen verheiratet wird, als dass es zur Schule geht. Die Zahlen sind besorgniserregend, nur ungefähr 500 Mädchen pro Jahr beenden die Grundschule. Im Vergleich dazu ist ein Fünftel aller jugendlichen Mädchen bereits Mutter.

Die Regierung versucht, dieses ernsthafte Problem anzugehen. Es gibt tatsächlich ein Gesetz zur Kindheit, welches aussagt, dass Kinder das Recht haben, vor Zwangsehen geschützt zu werden.

Kindersoldaten

Während des Bürgerkriegs haben Guerilla-Gruppen zehntausende Kindersoldaten im Südsudan rekrutiert. Diese Kindersoldaten wurden an vorderster Front im Kampf eingesetzt als Spione, Nachrichtenüberbringer, Wächter, Träger, Haushälter oder sogar als Sexsklaven.

Seit Februar 2001 ist die erste Phase der Entwaffnung, der Demobilisierung und der Wiedereingliederung angelaufen, indem Pflegezentren zur Verfügung gestellt wurden, die Kindern Unterstützung bei der Wiedereingliederung anbieten.

Geflüchtete und vertriebene Kinder

Der bewaffnete Konflikt im Sudan hat mehr als zwei Millionen Menschen das Leben gekostet und mehr als viereinhalb Millionen Menschen wurden vertrieben oder sind geflohen. Somit ist dieser Konflikt einer der blutigsten und längsten Konflikte weltweit.

Die Lage von Flüchtlingskindern und vertriebenen Kindern auf sudanesischem Gebiet ist besorgniserregend. Diese Kinder laufen große Gefahr, zwangsrekrutiert zu werden in verschiedenen Armeen und ihre Grundbedürfnisse, wie zum Beispiel Ernährung und Bildung, werden nicht beachtet.

Das Recht auf Identität

Die südsudanesische Regierung engagiert sich, den Zugang zur Grundversorgung für Kinder zu verbessern, indem ein Gesetz zur Kindheit im Jahr 2008 verabschiedet wurde, welches die Registrierung aller Geburten verordnet. Für die Menschen im Südsudan ist dies eine bedeutende Entwicklung, da bis jetzt nur ein Drittel von ihnen überhaupt registriert sind.

Die Regierung versucht, gegen die Probleme mit Zwangsehen, Kindersoldaten etc. anzugehen und muss klar und deutlich über den Personenstand des Kindes Bescheid wissen. Die Registrierung von Geburten wird den Behörden ebenfalls dabei helfen, die Infrastruktur und Dienstleistungen zu planen, welche das Land so dringend benötigt. Effiziente computerrealisierte Registrierungsmethoden und die Ausbildung des Personals zur Erfassung des Personenstands müssten also umgesetzt werden, ebenso wie die Durchführung weitreichender Kampagnen zur Sensibilisierung, um die Bevölkerung dazu zu ermutigen, Geburten zu melden.