Die Kinder Brasiliens

Die Kinder Brasiliens

Konkretisierung der Kinderrechte in Brasilien

Die Bilanz im Hinblick auf Kinderrechte hat sich größtenteils, seit dem Ende des Militärregimes, in vielen Bereichen verbessert. Trotzdem, ist die Situation der Kinder weit entfernt davon ideal zu sein. Kinder müssen oft gegen grausame Schwierigkeiten, die sie am Aufwachsen in stabilen und friedlichen Umständen hindern, kämpfen.

 Carte_bresil

Index der Realisierung von Kinderrechten : 7,76 /10
Orange Stufe : Wahrnehmbare Probleme

Bevölkerung : 201 M.
Bev. 0-14 Jahren : 24,2%

Lebenserwartung : 73,9 Jahre
Kindersterblichkeit : 15 ‰

Die Hauptprobleme, denen Kinder in Brasilien gegenüberstehen:

Armut

In Brasilien lebt ca. ein Viertel der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. In diesem Land leben 80% der Bevölkerung in urbanen Gebieten. In letzteren verstärken sich die großen Ungerechtigkeiten zwischen den „Reichen“, die in den schönen Stadtteilen wohnen, und den „Armen“, die in den Favelas wohnen.

Die zwei „Bevölkerungskategorien“ wohnen nur wenige Meter nebeneinander. Dennoch, wenn man sie auf einer Skala von Lebenskomfort und –umständen platziert, befinden sie sich in den zwei Extremen.
Die Kinder der Favelas werden täglich mit Gesundheits-,
Ernährungsproblemen, Problemen beim Zugang zu Wasser,
Bildung und mit Gewalt konfrontiert.

Recht auf Gesundheit

Die Gesundheit in Brasilien wird erheblich durch das Fehlen von Wohnungen für Personen mit schwachem Einkommen beeinflusst. Die Familie, die zu dieser Kategorie gehören, sind also dazu gezwungen in den Slums oder im Schmutz zu leben, Unsauberkeit und der Mangel an Hygiene sind vielfältige Krankheits- und Infektionsquellen. Außerdem zögert medizinisches Personal oft beim Gang in diese Hochrisikostadtteile, zu Ungunsten der kranken Kinder oder schwangeren Mütter, die dort leben.

Brasilien hat vielerlei Anstregnungen in den letzten Jahren unternommen, um gegen den AIDS-Virus zu kämpfen. Es stellt daher ein gutes Beispiel für seine Nachbarn dar. Allerdings ist der Kampf noch nicht vorbei. Die Medikamente und die Behandlung gegen HIV z.B. fehlen weiterhin im Land.

Außerdem ist die Kindersterblichkeitsrate, obwohl nicht die höchste der Welt, weiterhin ein Grund zur Sorge.

Kinderarbeit

Kinderarbeit wurde in Brasilien immer noch nicht ganz beseitigt. Kinder sind hauptsächlich im landwirtschaftlichen Bereich eingestellt, und besonders auf Zuckerrohrplantagen und bei Köhlern. 15-Jährige repräsentieren 25-30% der Arbeitskraft auf dem Land in Brasilien.

An der Küste sind auch viele Kinder als Fischer tätig.

Bezüglich der jungen Mädchen ist zu sagen, dass sie oft für häusliche Arbeiten eingstellt werden. Die Anzahl an Kindern für die Hausarbeit in Brasilien wird auf mehr als 480 000 geschätzt.

Kinderehe

Ein Umfrage hat ergeben, dass 36% der jungen brasilianischen Frauen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet waren.

Diese Ehen haben schwere Konsequenzen für die Gesundheit der jungen Mädchen, vor allem in der Hinsicht, dass sie psychologische nicht vorbereitet sind und nicht alle Pflichten und Konsequenzen einer Ehe verstehen. Sie werden auch oft in der Hochzeitsnacht vergewaltigt und werden Opfer sexueller Gewalt bei weiteren sexuellen Kontakten.

Gewalt an Kindern

Der Norden Brasiliens ist für seine Armut bekannt. In dieser Region leben die Kinder oft auf der Straße und sind daher auch täglich mit Gewalt konfrontiert. Ihre Umgebung ist miserabel. Kinderhandel, Drogen, ProstitutionArbeit, Bettelei und sexuelle Ausbeutung formen ihren Alltag.

Auf der Gänzlichkeit des brasilianischen Territoriums gibt es die gleichen schweren Verletzungen von Rechten und Schutz, gegen Waisenkinder gerichtet. In diesem Land wird die Anzahl der Waisenkinder, die normalerweise auf der Straße leben, mit der dort herrschenden Gewalt und Grausamkeit konfrontiert, auf 3,2 Millionen geschätzt.

In den Favelas grassiert Gewalt mehr als anderswo. Die Bevölkerung lebt unter der ständigen Bedrohung durch Drogenhändler, die diese Viertel regieren. Konfrontationen zwischen Gangs und Polizeikräften sind häufig und werden von Schusswaffenfeuer begleitet. Dadurch ist eine sehr hohe Anzahl an Kindern physischem und mentalem Risiko, einem extremen psychologischen Trauma ausgesetzt, aufgrund von langen Schießereien und der Intensität der Gewalt.

Ausbeutung von Kindern

In Brasilien ist die sexuelle Ausbeutung von Kindern sehr real. Leider werden die jungen brasilianischen Opfer von sexueller Gewalt oft nicht angehört und die Täter bleiben ungestraft.

Außerdem hat sich die Sexindustrie in der letzten Zeit weiterentwickelt. Momentan entwickelt sie sich mehr und mehr über das Internet. Dessen virtueller Charakter macht es den brasilianischen Behörden schwieriger, Untersuchungen durchzuführen.

Vergewaltigungen, Prostitution und Kinderhandel toben und sexuelle Ausbeutung bleibt eines der größten Probleme im Land.

Weiterhin nutzen die Drogenbosse, die die Favelas regieren, ebenfalls Kinder für Sexarbeit. Bisweilen dienen sogar schon 5-Jährige als Boten zwischen Dealern, was jene von ihrer frühen Kindheit an bereits mit dem Gangmilieu vertraut macht.

Eingeborene Kinder

Ein großer Teil des brasilianischen Territoriums ist vom amazonischen Regenwald bedeckt, ein Territorium in dem viele Völker ohne anerkannte Rechte leben, wo die Kinder nicht geschützt sind und andauernd Gefahren ausgesetzt sind.

Dies ist z.B. in der Gemeinde Laranjeira Ñanderu der Fall, die ungefähr 85 Kinder zählt. Die Einwohner leben dort in ärmlichen Hütten unter sehr schlechten Lebensbedingungen. Sie werden ohne Unterhalt bedroht und von den Autoritäten belästigt, die immer wieder (oft erfolgreich) versuchen sie aus den Hütten zu verbannen.

Viele der Völker wurden gewaltsam aus ihren Gebieten vertrieben. Sie sind also gezwungen, ihre abgebrannten Häuser hinter sich zu lassen. Die anwesenden Kinder haben dann also kein Dach mehr über dem Kopf und sind ohne Schutz. „Kinder ohne Land“ werden dann oft zur Beute von Kriminellen. Viele unter ihnen überleben auf der Grundlage von sexueller Gewalt, Diskriminierung und werden für den Drogenhandel rekrutiert…Verloren in einer ungesunden und dubiosen Umgebung sind sie nun dazu gezwungen zu arbeiten um zu überleben. Leider ist die Arbeit, die sich ihnen bietet, eben so grausam: Prositution, Drogenhandel, Ausbeutung…

Eingeborenen Völker und deren Kinder finden sich also ohne fundamentale Rechte wie der Sicherheit, der Gesundheit, der Nahrung, der Bildung oder des Schutzes wieder.

Polizeilicher und justiziärer Schutz von Kindern

Die brasilianische Polizei ist der größte Feind der Straßenkinder. Manche behaupten sogar, dass das Leben auf der Straße das in einem Palast gleiche, im Gegensatz zu dem von Gefangenen. Tatsächlich kommt es oft genug vor, dass die Polizei in den Favelas auf Gewalt zurückgreift. Bestimmte Operationen der Polizei und des Militärs in den Straßen der Armenviertel gegen die Gangs, ziehen den Tod vieler Menschen mit sich, darunter auch Kinder. Aufgrund dieser Operationen vernachlässigen die Behörden das Wohlbefinden und die Sicherheit der Bevölkerung und konfrontieren damit auch die Kinder mit einer furchtbaren Gewalt.

Ein solches Klima der Unsicherheit bringt die Menschen dazu, sich in ihren Häusern einzuschließen. Kinder verlassen das Haus nicht mehr, Schulen und Kindergärten schließen und viele Bewohner müssen ohne Strom zurecht kommen. Der Schutz von Kindern, der nomalerweise von nationalen Sicherheitsbehörden übernommen wird, wird durch Gewalt, Gefahr und fehlendem Respekt für Kinderrechte ersetzt. Außerdem zeigen Untersuchungen, dass diese Operationen für die „Sicherheit“ keinen positiven Effekt auf die Sicherheit in diesen Vierteln haben.

Es kommt auch dazu, dass die Behörden sich dazu entscheiden, die risikoreichen Viertel kategorisch auflösen, was sehr gewaltsame Unruhen auslöst. Die dadurch heimatlosen Familien und vor allem deren Kinder finden sich ohne Wasser, Toiletten, Nahrung und Elektrizität wieder. Die Kinder werden von Schulen abgewiesen, weil ihnen der Zugang zur Gesundheitsversorgung verwehrt wurde. Am 24. August 2009 zum Beispiel wurden ca. 500 Familien aus ihren Behausungen im Süden São Paulos entfernt. Sie leben nun unter Plastikplanen gegenüber ihrer ehemaligen Wohnregion.

Die Justiz steht in Brasilien auch größtenteils im Zweifel. Folter, außerrechtliche Hinrichtungen und das beabsichtigte Verschwinden von Menschen sind nicht selten. Minderjährige werden von den miserablen Zuständen der Gefangenen auch nicht ausgenommen.