Kinder in Angola

Kinder in Angola

Einsatz für die Kinderrechte in Angola

Die Lebensumstände der Kinder in Angola sind besonders hart und besorgniserregend. In diesem Land herrschen bittere Armut und viele Probleme, die damit einhergehen (Mangelernährung, Wassermangel, Gesundheitsprobleme etc.). Deshalb müssen ganz schnell Lösungen für diese schweren Kinderrechtsverletzungen gefunden werden.

carte ANGOLA

Index der Realisierung von Kinderrechten:
5,89 / 10
Schwarz Stufe:
sehr Schwierige Situation

Bevölkerung: 18 Millionen
Bev. 0-14 Jahren: 43,5 %

Lebenserwartung: 51,9 Jahre
Kindersterblichkeit: 96 ‰

Hauptprobleme der Kinder in Angola:

Armut

40% der angolanischen Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Das führt zu großen Spannungen in der Gesellschaft. Während ein Großteil der Bevölkerung ums tägliche Überleben kämpfen muss, verfügen einige wenige über einen Großteil der Reichtümer des Landes. Verantwortlich für diese große wirtschaftliche Kluft ist in erster Linie der Handel mit Öl, dessen größter afrikanischer Exporteur Angola ist.

Besonders leiden die Kinder unter den Folgen von Armut. Sie müssen diesen Kampf tagtäglich ausfechten.

Das Recht aud Gesundheit

Die Kindersterblichkeitsrate in Angola ist eine der höchsten weltweit. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen in Angola ist extrem niedrig. Funktionierende Strukturen, Material und Fachkräfte sind im Gesundheitssystem Mangelware. Viele Angolaner haben deshalb keinen Zugang zu Gesundheitspflege, medizinischer Versorgung und Betreuung.

Auch HIV ist in Angola sehr verbreitet. Schätzungen zufolge haben sich etwa 190.000 Menschen mit dem Virus infiziert, die meisten unter ihnen Frauen. Die Krankheit trifft Kinder besonders schlimm. Viele werden zu AIDS-Waisen, andere sind von Geburt an mit dem Virus infiziert, weil ihre Mutter das Virus auf sie übertragen hat.

Ebenfalls sehr besorgniserregend mit Blick auf die Gesundheit der angolanischen Kinder ist, dass wieder Fälle von Kinderlähmung auftreten. Seit 2005 versucht das Land, diese häufig zum Tode führende und sehr schmerzhafte Krankheit wieder auszurotten. Trotz zunehmender Impfkampagnen im ganzen Land sterben immer wieder Kinder an der Krankheit oder tragen eine Behinderung davon.

Recht auf Nahrung

Mangelernährung ist eine unmittelbare Folge von Armut und in Angola ein großes und besorgniserregendes Problem. Familien dort haben nicht einmal genug zu essen, um ihren Nahrungsbedarf zu decken. Kinder, die körperlich und gesundheitlich noch verletzlicher sind, leiden unter dem Hunger besonders. Mangelernährung gehört in Angola zu den häufigsten Todesursachen von Kindern.

Recht auf Wasser

Die Mengen an Trinkwasser, die der angolanischen Bevölkerung zur Verfügung stehen, sind bei weitem nicht ausreichend. Diese lebenswichtige Ressource ist teuer, deshalb nutzen zahlreiche Familien nur Flusswasser. Die Hygiene kommt hierbei deutlich zu kurz, was sich auf die Gesundheit der Kinder auswirkt. Die Bekämpfung von Epidemien und von der Verbreitung von Virusinfektionen gestaltet sich damit schwierig. Besonders häufig kommt es aufgrund von verunreinigtem Wasser zu Durchfallerkrankungen, an denen jedes Jahr viele Kinder sterben.

Recht auf Bildung

Mehr als 40% der angolanischen Kinder besuchen keine Schule. Eigentlich sind die Schulen kostenlos, und es besteht Schulpflicht. Allerdings entstehen durch den Schulbesuch viele Zusatzkosten, sodass zahlreiche Kinder nicht regelmäßig zur Schule gehen oder sie ganz abbrechen.

Auch gibt es nicht sehr viele Schulen, in einigen abgelegenen Regionen sogar gar keine. Oft sind die Schulen in einem desolaten Zustand: Schmutz, beschädigte Gebäude, eingeschränkter Unterricht und schlecht ausgebildetes Personal.

Misshandlung und Missbrauch

Kindesmisshandlungen sind in Angola sehr verbreitet, vor allem weil sie weitgehend toleriert werden.

Einige Glaubensarten befürworten Kindesmissbrauch sogar. Dies trifft insbesondere auf die sogenannten Kinderhexen zu. Diese Kinder, meist die Ärmsten unter den Armen, werden der Hexerei bezichtigt. Damit ist alles erlaubt und wird sogar angeraten. Sie werden brutal geschlagen und gefoltert, ihre Familie wird isoliert, Wasser und Nahrung werden ihnen vorenthalten. Manche der alten Bräuche und Traditionen besitzen sogar so viel Macht, dass einige Menschen in Angola sich veranlasst sehen, die Kinder zu töten, die sie von Hexerei besessen glauben.

Andere Formen von Kindesmisshandlung finden in Gefängnissen statt. Da die Anstalten sowieso überfüllt sind, gibt es in den meisten Gefängnissen keine Möglichkeit, separate Bereiche für Minderjährige zu schaffen. Sie werden deshalb mit Erwachsenen zusammen untergebracht. Traurigerweise nutzen sowohl die Gefangenen als auch die Wärter das junge Alter aus, sodass die Kinder immer wieder Opfer von Missbrauch werden.

Kinderarbeit

Beinahe jedes vierte Kind muss in Angola arbeiten gehen, um den Lebensunterhalt seiner Familie mitzufinanzieren. Zwar ist Kindern unter 14 Jahren das Arbeiten gesetzlich untersagt, und bei Kindern unter 16 Jahren bedarf es einer Einverständniserklärung der Eltern. Doch die Gesetze werden oft missachtet, und es gibt zu wenige Kontrollen, um eine vollständige Befolgung zu gewährleisten.

Viele Kinder arbeiten in Plantagen oder in der Fischerei. Ihr Lohn ist miserabel und reicht häufig gerade einmal für eine Mahlzeit.

In den Städten arbeiten die jungen Angolaner als fliegende Händler oder Hausierer oder aber als Hausangestellte bei sehr reichen Familien. Dort sind sie der Härte und gewalttätigen Übergriffen ihrer Arbeitgeber ausgeliefert: Misshandlungen, Missbrauch, Vergewaltigung…

Andere Kinder werden für illegale Machenschaften ausgebeutet: Drogen- oder Menschenhandel, Zwangsprostitution… Sie riskieren Tag für Tag ihr Leben und wachsen unter schlimmen Bedingungen auf.

Straßenkinder

Erschreckend viele Kinder leben in Angola auf der Straße. Gründe hierfür können sein, dass ihre Familie durch einen Konflikt auseinandergebrochen ist oder dass sie vor Misshandlungen aus ihrem Zuhause geflohen sind.

Leben sie einmal auf der Straße, sind diese Kinder, die oft sehr jung sind, allein und mittellos. Sie müssen zu teils drastischen Mitteln greifen, um überleben zu können. Sie betteln, arbeiten in illegalen Gewerben oder als Prostituierte. Somit sind sie leichte Beute für Kriminelle, die sie ausbeuten und sie massiv unter Druck setzen.

Recht auf Identität

Fast 70% der Geburten werden den angolanischen Behörden nicht offiziell angezeigt. Somit haben diese Kinder keine offizielle Identität, keine Nationalität. Eine Grund für die Nichtanzeige sind die hohen Gebühren für Geburtsurkunden, die sich arme Familien nicht leisten können.

Die jungen Menschen sehen sich ohne Identität immer wieder mit großen Schwierigkeiten konfrontiert. Sie können von ihren Rechten keinen Gebrauch machen, weil sie für die Gesellschaft praktisch unsichtbar sind. Auch der Schulbesuch ist für Kinder ohne Identitätsnachweis oft ein Ding der Unmöglichkeit.