Die Kinder von Guinea-Bissau

Die Kinder von Guinea-Bissau

Die Umsetzung der Rechte der Kinder in Guinea-Bissau

Trotz seiner Ressourcen zählt das kleine Land zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Ländern auf der Welt. Entwicklungsmöglichkeiten sind aufgrund vergangener Gewaltvorkommnisse, politischer Instabilität und veralteter Infrastruktur beschränkt. Leider sind Kinder direkt von dieser Situation betroffen..

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Index der Realisierung von Kinderrechten:
4,98 / 10
Schwarz Stufe:
sehr Schwierige Situation

Bevölkerung: 1,66 M.
Bev. 0-14 Jahren: 40 %

Lebenserwartung: 54,3 Jahre
Kindersterblichkeit: 60 ‰

Die größten Probleme, mit denen Kinder in Guinea-Bissau konfrontiert sind:

Armut und Unterernährung

Zwei von drei Personen in Guinea-Bissau leben in extremer Armut. Etwa 19 % der Kinder sind von Mangelernährung betroffen. Die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme des Landes haben die Bevölkerung und die Kinder in eine schwierige Lage gebracht, und die UN-Konvention über die Rechte des Kindes stellt nur eine Formalität dar.

Gesundheit

Der Zugang zu Gesundheitsleistungen ist begrenzt, da die Dienstleistungen unzulänglich, von schlechter Qualität und teuer sind.

Die Kindersterblichkeit steigt, und heute sind es fast 13,8 % der Kinder, die sterben, bevor sie das Alter von einem Jahr erreichen. 22,3 % sterben, bevor sie fünf Jahre alt sind. Dazu zählen Todesfälle infolge von Unterernährung, unzureichender Immunisierung und verschiedene Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose, Cholera usw.

Die Hygienesituation und die sanitäre Situation sind besorgniserregend, da nur 11,4 % der Bevölkerung Zugang zu sanitären Anlagen für die Entsorgung von Exkrementen hat. Der Zugang zu Trinkwasser hat sich seit 2000 nicht verbessert, auch nicht an den Schulen.

Die Armut und die Gesundheitserziehung sind hierfür verantwortlich.

HIV/AIDS

Die HIV/AIDS-Infektionsrate steigt; dies wirkt sich auf die Rechte der Kinder aus, die nur selten Zugang zu Behandlung haben, die diskriminiert werden oder verwaist sind. Nur 10 % der HIV-positiven Kinder haben Zugang zu einer antiretroviralen Behandlung.

Fast 8 % der schwangeren Frauen sind infiziert, und die Übertragungsrate beträgt 2,6 %, was darauf hindeutet, dass sich die Situation verschlechtert.

Ein Mangel an Wissen über die Krankheit, die seltene Verwendung von Kondomen, mangelnder Zugang zu Screenings, sexuelle Aktivität bereits im jungen Alter und der Mangel an Behandlungszentren für HIV/AIDS tragen alle zu einer ungewissen Zukunft der Kinder bei.

Frühe Ehen und Zwangsehen

Der Brauch der Verheiratung junger Mädchen ab dem Alter von 13 Jahren ist in Guinea-Bissau weit verbreitet. Im Jahr 2010 wurden fast 22 % der Mädchen unter 18 Jahren verheiratet und 7 % im Alter von 15 Jahren.

In den meisten Fällen werden die Mädchen unter der Androhung von Gewalt oder dem Tod in die Ehe gezwungen, wenn sie sich weigern, Männer, die manchmal viel älter als sie selbst sind, zu heiraten.

Diese Androhungen wurden in Tat umgesetzt, als einige junge Mädchen während einer Zeremonie geflohen waren. Menschen, die ihnen geholfen hatten zu fliehen, erlitten das gleiche Schicksal, darunter Mitglieder der Priesterschaft. Dies hat die Menschen noch weiter entmutigt, solche Praktiken zu bekämpfen.

Weibliche Genitalverstümmelung

Die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung ist tief verwurzelt in der Kultur Guineas, vor allem in Fula und Mandinka. Im Jahr 2010 wurden 50 % der Mädchen im Alter zwischen 6 und 14 Jahren beschnitten, entweder als sie noch klein waren oder bei Erreichen der Pubertät.

Umwelt

Guinea-Bissau hat starke Umweltressourcen, die leider im Prozess des Abbaus sind.

Mehr als 33 % des Landes besteht aus Ackerland und mehr als 50 % ist bewaldet.

Der Bijagos-Archipel ist ein UNESCO-Weltkulturerbe, und die biologische Vielfalt der Meere an den Küsten ist außergewöhnlich.

Diese Bestände werden durch Abholzung, Brandrodung, regelmäßige Buschbrände, groß angelegte Agrarrodung, durch die geheime Erzeugung von Kohle und Brennholz und durch die Industriefischerei bedroht.

Die Bodenfruchtbarkeit wird dadurch verringert, die Küsten verwüsten und verlieren an Wert, und für einige Flora- und Fauna-Arten besteht die Gefahr, dass sie aussterben.

Die Zukunft und das Überleben der Kinder in Guinea-Bissau werden durch die Verarmung des ökologischen Erbes und die Zerstörung des Lebensraums bedroht.

Kinderhandel

Der Kinderhandel in den Senegal ist besonders aktiv und geht manchmal mit der Komplizenschaft der lokalen Bevölkerung, NGOs, LKW-Fahrern und Behörden einher. Trotz Maßnahmen, die von der Regierung getroffen werden, steigt die Zahl der Kinder, die jedes Jahr vom Menschenhandel betroffen sind.

Die Transportbedingungen sind oft schlecht, manchmal beinhalten sie Reisen über lange Strecken ohne Nahrung oder Wasser. Die Kinder werden als Arbeitskräfte auf den Baumwollfeldern in den ländlichen Gebieten des südlichen Senegals verwendet oder um für Marabouts auf den Straßen von Dakar zu betteln.

Kinderhandel wird nicht bestraft. Stattdessen wird er oft als Mittel gerechtfertigt, den Kindern damit eine Möglichkeit zu bieten, Geld für eine Arbeit zu erhalten, für die sie in der Regel nicht bezahlt werden würden. Eine zurzeit populär gewordene Überzeugung, die indirekt den Menschenhandel rechtfertigt, besagt, dass Betteln Demut lehrt und notwendig ist für jeden Muslim.

Ausbeutung zu kommerziellen Zwecken

Kinder sind oft dazu gezwungen, die gleiche Arbeit wie Erwachsene unter sehr schwierigen und gefährlichen Bedingungen zu leisten. Im Jahr 2010 haben z.B. 60 % der Mädchen in Guinea-Bissau gearbeitet, in der Regel als Hausangestellte, in der Landwirtschaft oder in kleinen Unternehmen. Es ist wahrscheinlich, dass diese Kinder keinen Zugang zu Bildung, angemessenem Gesundheitsschutz oder zu akzeptablen Arbeitsbedingungen hatten.

Straßenkinder

Die große Zahl der auf der Straße lebenden Kinder, vor allem in städtischen Gebieten, und der Mangel an Unterstützung sind beklagenswert.

Kinder mit Behinderungen

Kinder mit Behinderungen, insbesondere Kinder mit Trisomie 21, sind Opfer von Diskriminierung und Gewalt, einschließlich Mord.

Es gibt kein Gesetz, das solche Diskriminierung verbietet, und kein Schutzsystem für behinderte Kinder.

GesundheitsdiensteBildung und öffentliche Infrastruktur im Allgemeinen sind nicht ausgerüstet, um mit behinderten Kindern umzugehen.

Bildung

In Guinea-Bissau geht etwa die Hälfte der Kinder nicht zur Schule, trotz der Zunahme der Schuleinschreibungen in den letzten Jahren. Die Alphabetisierungsraten bleiben niedrig, vor allem bei Mädchen und in ländlichen Gebieten.

Die zur Verfügung gestellte Bildung ist in der Regel von schlechter Qualität aufgrund schlecht ausgebildeter Lehrer und zu weniger Schuleinrichtungen. Nur wenige Schulen bieten mehr als vier Jahre Schulausbildung.

Mädchen erhalten besonders wenig Schulbildung. Sie verlassen die Schule oft früher und werden im Durchschnitt weniger häufig zur Schule geschickt. Im Jahr 2006 zum Beispiel gab es 83 Mädchen auf 100 Jungen in der Primarstufe und nur 44 in der Sekundarstufe. Außerdem verlassen viele Mädchen die Schule, um sich den traditionellen Riten und Zeremonien der Beschneidung zu unterziehen.

Missbrauch

In Guinea, und insbesondere innerhalb der Großfamilie, ist der sexuelle Missbrauch von Kindern verbreitet, und auch die Prügelstrafe und die Anwendung von Gewalt sind gang und gäbe.

Gewalt wird oft als Mittel zur Klärung von Streitigkeiten eingesetzt. Im Jahr 2010 wurde Gewalt angewandt, um Kinder in 82 % der Fälle zu disziplinieren.

Solch physischer und psychischer Missbrauch hat einen negativen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder.

Missbrauch wird selten berichtet oder strafrechtlich verfolgt, und Sensibilisierungskampagnen sind selten.

Kinder, die von bewaffneten Konflikten betroffen sind

Kinder waren Teilnehmer der jüngsten Gewalt, die entlang der südlichen Grenze zum Senegal gewütet hat. Diese Ereignisse hatten viele Exzesse und die Verlagerung von rund 6000 Personen verursacht, darunter auch Kinder, denen der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und Wiedereingliederungsunterstützung versagt war.

Viele Kinder leiden noch immer unter den Schäden, die durch vorangegangene bewaffnete Inlandskonflikte verursacht worden waren, wie dem Bürgerkrieg im Jahr 1998. Reste von verwendeten Sprengstoffen, wie Landminen, verstümmeln die Menschen noch heute. Glücklicherweise wurde ein Entminungseinsatz ins Leben gerufen.

Gerechtigkeit

Der Mangel an qualifiziertem Personal und Fachgerichten bei Verfahren gegen Jugendliche, die im Konflikt mit dem Gesetz stehen, ist zu kritisieren. In solchen Verfahren wird oft auf Gewohnheitsrecht zurückgegriffen, obwohl dies nicht im Einklang mit dem Übereinkommen und den Rechten der Kinder steht.

Aufgrund der Abwesenheit von pädagogischen Maßnahmen wird Kindesinhaftierung regelmäßig praktiziert. Kinder werden in erbärmlichen Bedingungen gefangen gehalten, wobei sie nur selten von Erwachsenen getrennt sind.

Schließlich muss auch das Fehlen von Maßnahmen zur präventiven Verbrechensbekämpfung und zur Rehabilitation jugendlicher Straftäter kritisiert werden.

Das Wohl des Kindes

Gesetze, politische Entscheidungen und die Praxis berücksichtigen nicht ausreichend die Rechte und Belange des Kindes. Familien und Fachkräften, die mit Kindern arbeiten, fehlt das Bewusstsein für das Wohl der Kinder.

Registrierung von Geburten

Bei der Geburt werden die Kinder nicht alle registriert. Auch im Jahr 2010 wurden nur 24 % der Geburten verzeichnet.

Die Regierung hat versucht, eine Registrierung durch die Einführung einer Geldbuße gegen die Eltern zu fördern, die ihr Kind nicht innerhalb eines definierten Zeitraums registrieren lassen.
Leider hat dies hat dazu geführt, dass sich Familien, die in geografisch entlegenen Gebieten leben, überhaupt nicht registrieren.