Die Kinder der Komoren

Die Kinder der Komoren

Einsatz für die Kinderrechte in der Komoren

Trotz Implementierung demokratischer Institutionen in jüngster Zeit ist die Armut auf den Komoren immer noch weit verbreitet. Die Gründe hierfür liegen zum Teil in den verheerenden Traditionen des Archipels sowie dem raschen Bevölkerungswachstum. Solange jedoch Frieden herrscht und die politische Lage stabil ist, besteht für die Bevölkerung noch Hoffnung auf eine nachhaltige Entwicklung.

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Index der Realisierung von Kinderrechten : 6,92/ 10
Rote Stufe : Schwierige Lage

Bevölkerung : 752 288
Bev. 0-14 Jahren : 41,8 %

Lebenserwartung : 60,9 Jahre
Kindersterblichkeit : 55 ‰

Hauptsächliche Probleme der Kinder auf den Komoren:

Armut

Das Archipel (Inselgruppe) der Komoren besteht im Wesentlichen aus vier Inseln vulkanischen Ursprungs: Grande Comore, Anjouan, Mohéli und Mayotte.

Die Lebensumstände auf diesen Inseln sind äußerst vielfältig. Mayotte ist Übersee-Département Frankreichs und bietet einen höheren Lebensstandard als auf den übrigen Inseln, während auf Anjouan die Armut am höchsten ist. Insgesamt beträgt das Bruttonationaleinkommen pro Kopf 770 Dollar im Jahr.

Kinderarbeit

Auf den Komoren, vor allem auf Anjouan, bekommen Paare durchschnittlich 8 Kinder. In armen Familien ist es daher üblich, die Kinder als Dienstboten in wohlhabende Familien zu geben. Diese Kinder werden ausgebeutet und wie Erwachsene behandelt, und sehen Großteils ihre echte Familie nie wieder.

Zudem erhalten diese Kinder keinen Lohn; sie haben nur Anspruch auf eine Mahlzeit und alte Kleidungsstücke der Kinder der Gastfamilie.

Die Aufnahme eines Kindes hat sich unter Gastfamilien verbreitet und wird als Statussymbol für ihren Wohlstand betrachtet.

Bauernkinder, die nicht in Gastfamilien unterkommen, helfen ihren Eltern häufig bereits ab dem Lebensalter von fünf Jahren bei der Arbeit auf dem Feld.

Recht auf Bildung

Die Schulbildung im Archipel ist sehr schwach ausgeprägt. Nur 60 % der Jungen und 50 % der Mädchen besuchen eine Schule. Vor allem auf Grande Comoros und Anjouan hindern fehlende Infrastruktur und Armut die Eltern daran, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Daher konnten bis zu den Wahlen 2006, Kinder der Komoren nur die Koranschulen besuchen, da diese kostenlos waren.

Zu beachten ist außerdem, dass Mädchen – vor allem in der Sekundarschulbildung – weniger Schulbildung genießen als Jungen, da sie zu Hause bleiben und sich auf ihre Rolle als Ehefrau vorbereiten müssen. Glücklicherweise wurden auf den Komoren seit der Demokratisierung kostenfreie Schulbildung und Schulpflicht für alle Kinder zur Stärkung des Bildungssystems eingeführt.

Missbrauch und sexuelle Ausbeutung

Auf den Komoren ist die Züchtigung in der Schule, zu Hause und im Justizwesen zulässig.

Laut einer Studie von UNICEF aus dem Jahr 2002 werden außerdem viele junge Mädchen in den Koranschulen von ihren Lehrern vergewaltigt. Aus Angst und Scham machen sie jedoch keine Aussage.

So haben beispielsweise in Mohelo über die Hälfte 140 befragter Opfer zwischen 14 und 16 sexuelle Gewalt erfahren, wobei 6 % der Opfer unter 13 Jahren vergewaltigt worden waren.

Das Recht auf Freiheit

Die Kinder auf den Komoren, vor allem die Mädchen, obliegen dem Willen ihrer Familien. Sie müssen die Entscheidungen respektieren, die Erwachsene für sie treffen, und dürfen ihre Gedanken nicht äußern. Sie haben kein Recht auf freie Meinungsäußerung.

Mädchen werden beispielsweise mit Beginn der Pubertät isoliert, um sie auf die Grand Mariage (große Hochzeit) vorzubereiten. Sie können dann nicht mehr draußen mit den anderen Kindern spielen.

Recht auf Gesundheit

Im Gesundheitssektor sind leichte Verbesserungen zu verzeichnen, die Qualität der Behandlungen bleibt jedoch weiterhin mittelmäßig. Grund hierfür sind mangelnde medizinische Versorgung und nachlässige Abwasserentsorgung. Da nicht alle Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, leiden zudem viele Kinder unter durch verschmutztes Wasser verursachten Krankheiten wie zum Beispiel Durchfallerkrankungen.

Hinzu kommt, dass über 42 % der Kinder unter 5 Jahren an chronischer Mangelernährung leiden. 25 % dieser Kinder sind untergewichtig und mehr als 1 von 5 Kindern leidet unter schwerer Unterernährung.

Die Ernährung auf den Komoren ist trotz fruchtbarer Böden äußerst schlecht. Es werden hauptsächlich stärkehaltige Nahrungsmittel und wenig Fleisch eingenommen. Daher nehmen Kindern durch ihre Ernährung nicht ausreichend Proteine auf.

Aufgrund mangelnder Aufklärung stillen zudem nur wenige Mütter ihre Kinder. Stattdessen geben sie ihnen feste Nahrung wie Cassava oder Bananen, was bei Neugeborenen Verdauungsproblemen hervorrufen kann.

Recht auf Schutz

Einige Entscheidungen, wie die Unterbringung in einer Gastfamilie ohne das Einvernehmen des Kindes, werden nicht ausschließlich und unmittelbar im Interesse des Kindes getroffen. Dessen Recht auf Schutz wird nicht respektiert.

Vertriebene Kinder

Viele Männer, schwangere Frauen und Kinder versuchen der Armut auf Grande Comore, Moheli, und Anjouan zu entkommen, indem sie Zuflucht auf Mayotte suchen.

Viele von ihnen sterben unterwegs, und die überlebenden Erwachsenen mit nicht regulärem Status verlassen ihre Kinder, um sich in den Wäldern zu verstecken.

Da sie minderjährig sind, können Kinder vor ihrem 18. Lebensjahr nicht belangt werden. Sie leben völlig auf sich allein gestellt in Elendsvierteln oder auf der Straße und warten auf eine Verbesserung ihrer Lage. Die Zahlen dieser sogenannten „vergessenen Kinder“ oder „isolierten Kinder“ liegt zwischen 3000 und 6000.