Kinder in Nicaragua

Kinder in Nicaragua

Die Umsetzung der Kinderrechte in Nicaragua

Von Naturkatastrophen und einem langen Bürgerkrieg erschüttert, verzeichnet Nicaragua heute ein starkes Wirtschaftswachstum. Die Situation der Kinder hat sich zwar verbessert, der Fortschritt in diesem Bereich ist jedoch in vielerlei Hinsicht immer noch nicht zufriedenstellend. Des Weiteren erfüllt Nicaragua nicht die Standards des Übereinkommens über die Rechte des Kindes.

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Index der Realisierung von Kinderrechten : 7,35/ 10
Rote Stufe : Schwierige Lage

Bevölkerung : 5,7 M.
Bev. 0-14 Jahren : 30 %

Lebenserwartung : 74,8 Jahre
Kindersterblichkeit : 19 ‰

Hauptprobleme, mit denen die Kinder konfrontiert sind:

Armut

Fast die Hälfte der Bevölkerung Nicaraguas lebt unterhalb der Armutsgrenze. Kinder leiden unter dieser bedauerlichen wirtschaftlichen Situation am meisten, besonders da es kaum finanzielle Unterstützungsleistungen für Familien gibt und falls doch, ist dieser Geldbetrag verschwindend gering.

Im ganzen Land sind große Ungleichheiten spürbar. Diese Disparitäten verhindern, dass alle Kinder die gleichen Chancen auf Zugang zu grundlegenden Leistungen wie Bildung, Gesundheit oder Unterkünften haben.

Gesundheit

Die offiziellen Zahlen bezüglich der Gesundheit der nicaraguanischen Kinder sind ermutigend und zeigen wirkliche Fortschritte. Nichtsdestotrotz zeichnen einige Gesundheitsindikatoren, wie etwa die hohe Kindersterblichkeitsrate, ein negatives Bild ab. Dies liegt insbesondere an Strukturproblemen und ungeeignetem Personal.

Die Zahl der jugendlichen Mütter, die während der Geburt ihres Kindes sterben steigt nach wie vor an. Eine Abtreibung ist diesen jungen Mädchen nicht gestattet. Dieses Abtreibungsverbot kann fatale Auswirkungen haben, insbesondere dann, wenn die Schwangerschaft lebensbedrohlich ist oder durch einen Missbrauch oder Inzest entstanden ist. Darüber hinaus kann dies auch negative Effekte auf die psychische Gesundheit der Mädchen haben.

AIDS

HIV ist in Nicaragua auch in den letzten Jahren ein Grund zur Besorgnis geblieben. Die negativen Auswirkungen von AIDS auf das Leben von Kindern sind unumstritten. Dabei geht es nicht nur um die Gesundheit der Kinder, sondern auch um Probleme wie Diskriminierung und Waisenkinder. Die Folgen von AIDS könnten durch eine bessere Information und Sensibilisierung der Öffentlichkeit deutlich verringert werden.

Kinderarbeit

Um die finanziellen Schwierigkeiten ihrer Familien auszugleichen, sind 15% der nicaraguanischen Kinder gezwungen arbeiten zu gehen. Dies ist besonders alarmierend, da die große Mehrheit dieser Kinder für die „schlimmsten Formen von Arbeit“ eingesetzt wird. So sind beispielsweise viele junge Mädchen Opfer von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung.

Die Arbeit anderer Kinder besteht aus landwirtschaftlichen Tätigkeiten, häuslichen Aufgaben, Fischfang etc.

Gewalt gegen Kinder

In Nicaragua sind Kinder vielen Formen von Gewalt ausgesetzt. Viele werden Opfer körperlichen Missbrauchs innerhalb der Familie. Die nationale Gesetzgebung ist diesbezüglich sehr vage: körperliche Züchtigung ist verboten, mit der Ausnahme von “disziplinarischen Korrekturen.” Zahlreiche junge Mädchen werden zu Hause sexuell ausbedeutet. Wenn sie schwanger werden, sind sie gezwungen, das Kind auszutragen.

Ein weiteres weitverbreitetes Problem ist Folter. Trotz eines Verbots ist es eine Methode, welche tatsächlich durch die Polizei angewendet wird – mit fast vollständiger Straffreiheit.

Kinderheirat

Mehr als 40% der Mädchen heiraten, wenn sie noch minderjährig sind. Das Mindestalter für Eheschließungen liegt für Mädchen bei 14 Jahren und für Jungen bei 15 Jahren – vorbehaltlich der Zustimmung der Eltern. Mädchen, die sehr früh heiraten, nehmen nur noch beschränkt am gesellschaftlichen Leben teil, da sie ihre Schulausbildung abgebrochen haben. Erschwerend kommt hinzu, dass sie oftmals früh schwanger werden, was riskante Folgen haben kann. Dies betrifft sowohl ihre eigene Gesundheit als auch die ihres Kindes.

Bildung

In Nicaragua gehen etwa 500.000 Kinder nicht zur Schule. Die Zahl ist zwar in den letzten Jahren gesunken, ist aber weiterhin ein großes Problem. Die Schulabbrecherquote ist nach wie vor hoch: etwa die Hälfte der Jugendlichen geht nicht zur Schule.

Die akademischen Programme und Strukturen sind veraltet und reformbedürftig. Hinzu kommt ein Mangel an geeignetem Personal im Bildungswesen – dies gilt insbesondere, wenn man die Anzahl der Fälle an Gewalt in Bildungseinrichtungen betrachtet.

Minderheiten

Tausende nicaraguanische Kinder sind indigener oder afrikanischer Abstammung. Häufig werden sie Opfer von Diskriminierung – nicht nur durch den Rest der Bevölkerung, sondern auch durch Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes. Daneben gibt es noch weitere Schwierigkeiten, welche ihnen die Ausübung ihrer Grundrechte erschweren.

Eine weitere Schwierigkeit besteht im Hinblick auf ihr Recht auf eine eigene Identität. Viele Eltern melden Geburten nicht den Behörden, was weitreichende Folgen haben kann. Außerdem wird ihre Kultur und das Recht, ihre eigenen Bräuche auszuüben, nicht ausreichend von der nicaraguanischen Bevölkerung respektiert.